Neue Boote braucht das Land!
Mit der Kiellegung des ersten
Bootes vom Typ XXI im Dezember 1944 lief das neue Bauprogramm der deutschen
Marine im Zweiten Weltkrieg an. Die Bezeichnung "auf Kiel legen" traf eigentlich
nur symbolisch zu, da das Boot in der Bauwerft nur noch aus den
einzelnen Blocksektionen zusammengesetzt wurde, die in kleineren
Zubringerwerften angefertigt worden waren.
Der neue Typ war ein 1.621 Tonnen-Boot, in dessen Kalotte eine gewaltige
Akkumulatorenbatterie und die Motorenanlage untergebracht waren, während den
oberen Teil die Wohn- und Vorratsräume einnahmen.
Die Energiemenge erlaubte dem Boot, bei einer Geschwindigkeit von 6 Knoten 285
Seemeilen zurückzulegen. Beim VII-C-Typ betrug diese Strecke nur 90 Seemeilen.
Die Spitzengeschwindigkeit bei Unterwasserfahrten lag bei 17,5 Knoten. Die der
älteren Boote dagegen nur 6 und 8 Knoten.
Die gegen Kriegsende gebauten U-Boote vom Typ XVII und XVIIB erreichten mit 25
Knoten sogar noch größere Spitzengeschwindigkeiten, doch reichte eine
Unterwassergeschwindigkeit von 17 Knoten meist aus, einem verfolgenden
Kriegsschiff davonzulaufen. Britische Korvetten vom Typ "Flowers" und
"Castle" erreichten nur 16 Knoten. Fregatten und Zerstörer brachten
zwar oft Geschwindigkeiten von 25 Knoten, doch man war bei der Konstruktion der
neuen Boote davon ausgegangen, dass die Mehrzahl der bei der Geleitsicherung
eingesetzten Einheiten langsamere Schiffe, oft sogar nur umgerüstete
Fischereifahrzeuge, wären, denen die U-Boote leicht davonlaufen konnten.
Das Horchgerät "Balkon" warnte das Boot unter Wasser vor Überraschungen,
es konnte einen Horchbereich von bis zu 40 Seemeilen erfassen.
Der "Schnorchel"-Kopf trug einen geriffelten Überzug aus
synthetischem Kautschuk und war so äußerst schwer von Radargeräten zu
erfassen.
Mehr Platz gab's auch im Boot. Der Bugtorpedoraum war nicht mehr zugleich
Mannschaftsunterkunft, so konnten die Reservetorpedos mit wenigen Handgriffen
maschinell in die leergeschossenen Rohre geschoben werden.
Typ XXIII war etwas langsamer als der vorhergehend beschriebene. Dieses
200-Tonnen-Boot war für Einsätze in Küstennähe, wie Nordsee und Atlantik
westlich der Britischen Insel gedacht.
Unterwassergeschwindigkeit: 12,5 Knoten,
war aber ungemein wendig!
Bei 4 Knoten konnte es in Unterwasserfahrt 175 Seemeilen zurücklegen.
Wenige Zeit reichte, mittels des "Schnorchels" und der Dieselanlage
die Batterien nachzuladen.
Allerdings hatte man bei den neuen U-Booten aus Zeitmangel auf Erprobungen
verzichtet, sie wurden sofort zum Fronteinsatz freigegeben. Auch die Besatzungen
waren eilfertig zusammengestellt und hatten keine Möglichkeiten, sich
einzuspielen.
Bis Ende April wurden 120 Boote vom Typ XXI und 61 vom Typ XXIII in Dienst
gestellt. Vom ersteren Typ lagen kurz vor Kriegsende 20 weitere einsatzbereite
Boote in norwegische Stützpunkte.
Nach Kriegsende wurde das Geheimnis des "Wunderbootes" gelüftet,
dessen Gerüchte gegen Kriegsende kursierten.
Es war kein anderes als das in eingeweihten Kreisen seit langem bekannte
Walter-Boot, dessen 312 Tonnen großer Prototyp bereits Mitte November 1943
erstmals in Dienst gestellt wurde. Die Bezeichnung war XVII.
Eine etwas größere Version kam als XVIIB 1944 in Serie, es wurden aber bis
Kriegsende nur 5 fertiggestellt.
Die Weiterentwicklung war XXIV, ein 900-Tonnen-Boot.
Unterwassergeschwindigkeit: 24 Knoten. Nach 6 Stunden musste es auftauchen.
Es besaß 4 Bugtorpedorohre und an jeder Seite 3 nach achtern gerichtete Rohre.
Herzstück des Bootes war eine Verbrennungsturbine, der der notwendigen
Sauerstoff in Form von achtzigprozentigem Wasserstoffsuperoxid beigegeben wurde.
Damit brauchte es keinen Luftsauerstoff mehr und konnte in ständiger
Unterwasserfahrt taktieren.
Bei ihrem Einmarsch in Blankenburg im Harz, wo sich ein Konstruktionsbüro der
Kriegsmarine befand, fielen der amerikanischen Armee die Konstruktionsunterlagen
des Walter-Bootes in die Hände, während die britischen Truppen in Cuxhaven auf
zwei unzerstörte Exemplare
dieses Bootes stießen, die ein Ingenieuroffizier zwar befehlsgemäß auf Grund
gelegt hatte, die aber wieder gehoben werden konnten.