Die letzten
U-Boot-Verluste der deutschen Kriegsmarine
im Zweiten Weltkrieg:
U-320 unter Oberleutnant Emmrich
war einen Tag vor der deutschen Kapitulation im Atlantik unterwegs. Der
Kommandant ließ das Boot tagsüber wegtauchen und in langsamer Schleichfahrt
mit den E-Maschinen marschieren. Den sogen. "Schnorchel" wagte er
nicht zu benutzen, da er befürchtete, der ballgroße "Schnorchelkopf"
könnte von tieffliegenden Flugzeugen geortet werden. In
"Schnorchelfahrt" wurde dann nachts die E-Maschine wieder aufgeladen.
So kurvte U-320 meist blind einher, denn in den wenigen Nachtstunden war durch
das Sehrohr nichts zu erkennen. Seit Tagen hatte deshalb der Funker auch kein
Funkspruch mehr auffangen können.
Das beunruhigte Emmrich sehr, nur zu gut wußte er, wie schlecht es um
Deutschland stand. Als sie von ihren Stützpunkt ausliefen, lautete der Befehl
für das Boot: Angreifen, koste es, was es wolle!
Tiefe Zweifel packten zuweilen Emmrich angesichts der Aussichtslosigkeit, zum
Erfolg zu kommen. Mehrmals erwog er, einen Funkspruch aufzugeben mit der Bitte
um einen Rückmarschbefehl. Aber er getraute sich nicht. Der eingedrillte
Gehorsam steckte ihm zu sehr in den Knochen.
Den Gegner hatte weder der Kommandant noch einer der Besatzung zu Gesicht
bekommen. Nur das metallische Knacken detonierender Bomben zeugte von seiner
Anwesenheit. Glücklichen Umständen, wie beispielsweise die permanente
Unterwasserfahrt, war es zuzuschreiben, dass das Boot einer Vernichtung immer
wieder entgangen ist.
Der Horcher meldete plötzlich starke Schraubengeräusche an Backbord.
Üblicherweise lautete der Befehl des Kommandanten in solcher Situation: Sofort
auf großer Tiefe gehen!
Doch diesmal gab Emmrich den Befehl, auf Sehrohrtiefe zu gehen.
Ein Geleitzug wurde ermittelt. Emmrich gab Befehl zum Angriff!
Genau in dem Moment, als vom Bugraum die Meldung kam,"Rohr eins bis vier
klar", griffen mehrere Bombenflugzeuge an. Und noch bevor die Torpedos
abgeschossen werden konnten, krachten die Wasserbomben ums Boot...
Nur wenige Überlebende von U-320 konnten in den Abendstunden des 7. Mai 1945
geborgen werden.
U-320 war nicht das einzige Boot, das noch in den letzten Kriegsstunden
vernichtet wurde. Am 6. Mai wurde U-853, U-881, U-1008 und U-2534 versenkt. Nur
in einem Fall, bei U-1008, gab es Überlebende.
Tage nach der Kapitulation traf U-287 unter Oberleutnant Meyer in der
Elbmündung ein. Kommandant und Besatzung waren überrascht, als sie erfuhren,
dass der Krieg längst zu Ende war. Aus Angs, man könne sie zur Verantwortung
ziehen, versenkten sie am 16. Mai ihr Boot und gingen an Land.
Die Besatzungen von 153 deutschen U-Booten kapitulierten bei Kriegsende, und
entsprechend den Kapitulationsbedingungen wurden die Boote in bestimmte
alliierte Häfen überführt. Angesichts der brutalen, unter Verletzung des
Völkerrechts vorgetragenden Angriffe der deutschen U-Boote auf die
Handelsschiffahrt verlangte die britische Admiralität von den Booten, die ihre
Stützpunkte anliefen, die schwarze Flagge zu hissen.
Mit 57 U-Booten hatte Deutschland den Handelskrieg 1939 begonnen. Insgesamt
wurden 1.153 U-Boote gebaut, von denen 820 zum Einsatz kamen. 718 U-Boote gingen
verloren.
Von ihren rund 39.000 Mann zählenden Besatzungen sind 32.000 gefallen.
Die deutschen U-Boote versenkten rund 14,5 Millionen BRT alliierten und
neutralen Handelsschiffsraum, etwa 40.000 Matrosen verloren dabei ihr Leben.