1. Der Prozess
2. Definition der Kriegsverbrechen
3. Die 24 als Hauptkriegsverbrecher Angeklagten
4. Die Urteile des internationalen Militärtribunal
5. Verluste im zweiten Weltkrieg

 

Der Prozess

Die Anstifter des zweiten Weltkrieges und vor allem die Kriegsverbrecher, die unsägliches Leid über Europa gebrachten hatten, sollten unbedingt bestraft werden. Zu diesen Zweck wurde ein alliiertes Militärtribunal gegründet. Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, also der obersten Staats- und Militärführung, begann am 20. November 1945 in Nürnberg. Diese Stadt wurde ausgewählt, weil hier die Nationalsozialisten ihre prunkvollen Parteitage abgehalten hatten und hier die Ausnahmegesetze gegen die jüdische Bevölkerung erlassen wurden.
An 218 Verhandlungstagen und in 403 öffentlichen Sitzungen ließ das IMT (Internationales Militärtribunal) 346 Zeugen der 29 Verteidiger zu. Die Protokolle über die mündlich vorgetragene Beweisführung der Anklagevertreter, die Plädoyers, die rund 240 Zeugenvernehmungen u.s.w. füllten 16.000 abgedruckte Seiten. In jeder Verhandlung wurde aus vielen der 5.300 vorliegenden Dokumente, sowie aus den 38.000 Affidavits, eidesstattlichen Erklärungen, meist nur einzelne Sätze zitiert. Dank des großen persönlichen Einsatzes und der konsequenten Linie der amerikanischen Hauptankläger Robert Jackson und Jelford Taylor, aber auch durch die Hartnäckigkeit der sowjetischen Ankläger kam trotz aller Störungen das Urteil am Ende des Prozesses zustande. Die Urteilsverkündung am 1. Oktober 1946 wurde auf Beschluss der vier Besatzungsmächte über alle deutschsprachigen Sender in einer Ringsendung übertragen. Kein Intendant durfte die Sendung unterbrechen.
Allerdings entzogen sich die beiden obersten Kriegsverbrecher Hitler und Goebbels noch vor der Kapitulation Deutschlands durch Selbstmord der juristischen Verantwortung. Und Martin Bormann, Leiter der Reichskanzlei und "Sekretär des Führers" galt seit den Kämpfen in der Berliner Innenstadt 1945 als verschollen, wahrscheinlich gefallen.

Im ersten Prozess gegen die Kriegsverbrecher saßen in Nürnberg auf der Anklagebank Göring, Heß, Ribbentrop, Rosenberg, Frank, Frick, Streicher, Sauckel, Speer, Schirach; Generalfeldmarschall Keitel und Generaloberst Jodl, von der Marine Raeder und Dönitz. Robert Ley, ehemaliger Reichsleiter der "Deutschen Arbeiterfront", war nicht darunter. Er hatte sich in seiner Gefängniszelle erhängt.
Hauptanklagepunkte waren: Verschwörung gegen den Frieden, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Göring:
Als erstes kam Göring an die Reihe. Seine Vernehmung dauerte zehn Tage. Offenbar begriff er seine Lage nicht. Er gab sich martialisch, hielt Propagandareden, versuchte den Spieß umzudrehen. Der amerikanische Anklagevertreter Jackson nahm ihn ins Kreuzverhör. Jackson konnte sich oft nicht beherrschen, aber dadurch lockte er Göring heraus. Ungeschminkt enthüllte sich vor dem Gericht das Bild des Reichsmarschalls: ein Mann von skrupelloser Gesinnung, Ruhm- und Gewinnsüchtig. Mit der Beute seiner privaten Raubzüge war er sogar noch unzufrieden. "Hitler hat mir immer die besten Stücke weggeschnappt, ich musste mich mit Zweitrangigem begnügen", erklärte er zu seiner Entschuldigung, als ihm Bereicherung an den in Europa gestohlenen Kunstschätzen vorgeworfen wurde.
Bereits 1936 hatte die deutsche Luftflotte begonnen, Spionageflüge über den Nachbarländern auszuführen. Langstreckenflugzeuge fotografierten in grosser Höhe strategisch wichtige Objekte: Fabriken und Ölraffinerien, Bahnhöfe und Häfen, Kasernen und Festungen. So entstand, unter Verletzung der Lufthoheit, eine lückenlose Kartei der Bombenziele für den geplanten Angriffskrieg.
Die Last des Beweismaterials war erdrückend: Verantwortlich für die Vorbereitung der Aggression, für die brutalen Luftangriffe auf friedliche Dörfer und Städte überfallener Länder, für die Ausplünderung Russlands, und vor allem für den Massenmord an europäische Juden. Unter Görings Leitung wurde 1941 die sogenannte "Wannsee-Konferenz" in Berlin durchgeführt, auf der die systematische Ausrottung - sprich Ermordung - der europäischen Juden beschlossen wurde und mit deren Koordinierung Heydrich und Eichmann beauftragt wurden, (Heydrich viel als Reichsprotektor von Böhmen und Mähren 1942 einem Attentates von Exiltschechen zum Opfer; Eichmann wurde Jahre nach dem Krieg vom israelischen Geheimdienst in Südamerika ausfindig gemacht, nach Israel entführt und dort zum Tode verurteilt). Die Entlarvung von Göring öffnete vielen Deutschen die Augen.
Im Jahre 1940 ging die Meldung durch die Medien: "Heimtückischer Überfall britischer Luftpiraten auf Freiburg". Jetzt wurde offenbar, dass nicht britische, sondern deutsche Verbände unter dem Kommandanten, des späteren Luftwaffengenerals Kammhuber, ihre Bomben über Freiburg abgeworfen hatten. Die Hitlerregierung benutzte dies als Vorwand, um kurz danach "Vergeltungsangriffe" auf Rotterdam, Coventry, Birmingham, Liverpool und anderen westeuropäischen Städte durchzuführen.

Rudolf Heß:
Rudolf Heß in Nürnberg, das war eine Sensation. Heß war Hitlers Stellvertreter in der Partei gewesen. Plötzlich, im Frühjahr 1941, verschwand er aus der Öffentlichkeit. Es hieß, dass er im Zustand geistiger Umnachtung nach Schottland geflohen sei. Der Flug stimmte, nicht aber die geistige Umnachtung. Hitler wollte sich vor dem Überfall auf die Sowjetunion den Rücken frei halten und spekulierte über einen Sonderfrieden mit England. Es ist bis heute nicht ganz klar, ob Heß im Auftrage Hitlers nach England flog, oder aus eigenem Antrieb. Vielleicht wollte er Hitler beeindrucken, oder er sah die Gefahr eines Zweifrontenkrieges und dass Deutschland nicht in der Lage sein würde, auf diese Weise den Krieg erfolgreich zu führen. So handelte er vielleicht eigenmächtig, aber darüber kann man viel spekulieren. Großbritannien jedenfalls ließ sich auf keine Verhandlung ein. Heß wurde bis Kriegsende interniert. Dieser Umstand rettete ihn später vor dem Galgen, obwohl sein Sündenregister ziemlich lang war.

Keitel:
Mit Spannung wurde die Vernehmung des Generalfeldmarschalls Keitel erwartet. Die vernichtende Abrechnung mit dem Parteibonzen Göring, seiner Luftwaffe und seiner Wirtschaft hatten manchen Soldaten mit einer gewissen Schadenfreude hingenommen.
Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), entstammte dem Generalstab. In Berlin Karlshorst hatte er die Kapitulationsurkunde am 8. Mai 1945 unterzeichnet, ohne dabei den Handschuh auszuziehen. Auch in Nürnberg auf der Anklagebank wirkte er steif, in seiner schmucklosen Litewka jeder Zoll ein Offizier.
Der "Kommissarbefehl" zur Hinrichtung der Politoffiziere der Roten Armee und der "Nacht-und-Nebel-Befehl" zur Hinrichtung verdächtiger Zivilisten und andere Weisungen des OKW, die jetzt vor der Weltöffentlichkeit erörtert wurden, stammten von ihm. Auch im Zuge der Partisanenbekämpfung machten Einheiten des Heeres mit unvorstellbarer Grausamkeit ganze Dörfer dem Erdboden gleich, metzelten die Einwohner nieder. Und was behaupteten Keitel und Jodl vor dem Gerichtshof? Gräueltaten habe nur die SS begangen, die Wehrmacht sei im Geiste der stolzen Tradition preußischen Soldatentums erzogen!
Massenvernichtung sowjetischer Kriegsgefangener, Geiselerschießungen in den okkupierten Ländern, Ermordung britischer und amerikanischer Fliegeroffiziere im KZ Mauthausen. Keitel wand sich, erwiderte lahm, dass er in manchen Fällen selbst nicht völlig an die Rechtmäßigkeit der ergangenen Befehle geglaubt habe. Wer aber setzte die Befehle durch. "Ich habe geirrt", sagte Keitel kleinlaut, "ich habe nicht verhindert, was hätte verhindert werden sollen...".
Diese Einsicht kam nun zu spät. Alles hatte "Lakeitel" geduldet, ein gefügiges Werkzeug Hitlers. Bedingungslos erfüllte er die Aufgaben, die ihm bei der Vorbereitung  und Durchführung des Aggressionskrieges übertragen wurde. Niemals widersetzte er sich einem verbrecherischen Führerbefehl, obwohl er seinen obersten Kriegsherrn näher als irgendein anderer Offizier des Generalstabs stand. Der Nimbus von Keitel brach in Nürnberg schmählich zusammen. Zusammengebrochen war auch die hartnäckig verfolgte Linie des Verteidigers Dr. Laternser, Militärs seien keine Politiker. In mehreren Fällen wurde nachgewiesen, dass Keitel und Jodl als Assistenten des Außenministers Ribbentrop fingiert hatten.

Ernst Kaltenbrunner:
Völkermord; das volle Gewicht der Anklage fiel auf den Österreicher Kaltenbrunner, einen der höchsten SS- und Polizeigewaltigen des Nazistaates. Der Mann mit den groben Gesichtszügen, der kaltblütig die Ermordung unzähliger Menschen befohlen hatte, war von der Angst geschüttelt. Er log, stritt ab, von Fall zu Fall musste er überführt werden: durch Aussagen von KZ-Kommandanten, durch eigene Aufzeichnungen, durch Filmaufnahmen aus den Archiven der SS. Grauenhafte Bilder erstanden vor dem Gerichtshof. Sogar Göring bedeckte seine Augen; Keitel und Rosenberg, zwischen denen Kaltenbrunner seinen Platz hatte, rückten mit gespielten Entsetzen von dem Schwerbelasteten ab. Sie alle wollten nichts gewußt haben von den riesigen Vernichtungslagern in Polen und der Ukraine, von den Morden an sowjetische Kriegsgefangenen, den Todesmärschen ausgemergelter KZ-Häftlinge...
Überlebende eines Lagers sagten aus, welche sadistischen Experimente an den Häftlingen durchgeführt wurde: Unterkühlungsversuche und Verseuchungen mit Bakterien beispielsweise...

Die Großadmirale Dönitz und Raeder:
Erich Raeder wurde mit der Anordnung des Baues großer Schiffe, welche die Höchsttonnage der Vertragstexte von Versailles und des deutsch-britischen Flottenvertrages von 1935 überschritten, belastet. Und was erklärte er vor dem Gerichtshof? Das alles geschah "aus Versehen", ohne die Absicht, eine Angriffshandlung vorzubereiten, nur zur Verteidigung.
Als Antwort legte der britische Generalstaatsanwalt eine Denkschrift Raeders aus dem Jahre 1938 vor. Sie war im Geheimarchiv der Seekriegsleitung erbeutet worden. Ihre Terminologie entsprach den Formulierungen, die Dr. Goebbels bevorzugte: "...Weltmachtstellung..., genügender Kolonialbesitz..., gesicherte Seeverbindungen..., nur gegen englische und französische Interessen erfüllbar..., Notwendigkeit entsprechender Kriegsvorbereitungen. Eine Karte war beigefügt, wie Raeder sich Deutschlands künftiges Kolonialreich vorstellte. Die ehemaligen Besitzungen Ostafrika, Südwestafrika und Kamerun sollten durch umfangreiche Neuerwerbungen, vor allem von Belgisch-Kongo, zu einem geschlossenen Gebiet abgerundet werden. Von Raeder stammt der 1939 erarbeitete Z-Plan, zum Bau einer gewaltigen Schlachtflotte (wurde wegen des Krieges nie realisiert); die Operation "Weserübung" zur Invasion Norwegens, die auf Raeders drängen hin durchgeführt wurde. Alle Herren, die in Uniform auf der Anklagebank saßen, hatten das Unternehmen gebilligt. Raeder galt als geistiger Urheber, und es gab nicht wenige Männer in der Kriegsmarine, die darauf stolz gewesen waren.
Norwegen war nicht das einzige Beispiel für die Initiative, die Raeder als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Mitglied des "Reichsverteidigungsrates" entwickelte. Er drängte Hitler zu einer Angriffspolitik im Mittelmeerraum. Er forderte den Krieg gegen den "Hauptgegner England", plädierte im März 1941 füt die Besetzung Griechenlands.
Großadmiral Dönitz, Befehlshaber der U-Boot-Flotte und ab 30. Januar 1943 Nachfolger Raeders als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Nachfolger Hitlers 1945 (von Hitler noch selbst ernannt), wurde der Fall des britischen Passagierdampfers "Athenia", dessen Versenkung er befohlen hatte, angelastet.
Goebbels heckte eine gewaltige Ente aus: Churchill hätte die "Athenia" versenken lassen, um den Kampf gegen Deutschlands U-Boote mit größter Intensität führen zu können. In Wirklichkeit nahm die britische Admiralität nach der warnungslosen Torpedierung des Schiffes an, Hitler wolle sich bewusst nicht an die völkerrechtlichen Bestimmungen halten. Nun lag die Fotokopie des Logbuches auf dem Tisch, das auf Dönitz`s Anweisung von U-Boot-Kommandant Oberleutnant Lemp gefälscht wurde. In die Enge getrieben, musste Dönitz die Fälschung zugeben. Raeder behauptete, der unerfahrene Kommandant habe die "Athenia" mit einem Hilfskreuzer verwechselt. Schuld trüge einzig und allein Hitler, der dem Außenminister Weisung gab, bei der Ableugnung zu bleiben. Von einem Propagandafeldzug gegen Mr. Churchill will Raeder nicht gewusst haben.
Der Fall "Athenia" war nur der Anfang einer Reihe von Kriegsverbrechen, die Raeder und Dönitz zur Last gelegt wurde: Führung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges, Versenkung unbewaffneter Handelsschiffe neutraler Staaten, Nichtbergung und Beschießung von Schiffbrüchigen mit Maschinengewehren unter Verletzung des Londoner Protokolls von 1936.
Mit überlegener Ruhe führte der britische Ankläger den Prozess. Dönitz trug noch die Ärmelstreifen eines Großadmirals, die ihn fast bis zum Ellenbogen reichten. Sein Verteidiger, der ehemalige Flottenrichter Dr. Otto Kranzbühler, erschien zur Verblüffung der Anwesenden in voller Uniform. Die Berechtigung leitete er aus der Tatsache her, dass Einheiten der deutschen Kriegsmarine in der britischen Besatzungszone noch nicht aufgelöst waren. Kranzbühler hatte es sogar fertig gebracht, sich Einblick in die Geheimarchive der britischen Admiralität zu verschaffen.
Was wurde hier gespielt? Trat Dönitz deshalb so anmaßend auf, weil ihm bei der Beweisaufnahme nicht nachgewiesen werden konnte, dass er in die Verschwörung gegen den Frieden eingeweiht war?
In den Prozess platzte eine Nachricht, die Aufsehen erregte. Churchill hatte in der kleinen Universitätsstadt Fulton - USA eine antisowjetische Rede gehalten. "Vereinigt euch, um Russland zu stoppen!". Die britischen Zeitungen druckten den vollen Wortlaut. Churchill forderte Westeuropa und die USA zum Zusammenschluss gegen die Sowjetunion auf. Über das geschlagene Deutschland sagte er: "Wir haben offenbar das falsche Schwein geschlachtet".
Die Angeklagten in Nürnberg bekamen Auftrieb; sie hofften, die Spannungen zwischen den Siegermächten würden sich auf das Militärtribunal übertragen. Viele versuchten, mit langatmigen Ausführungen  und Ablenkungsmanövern Zeit zu gewinnen, um die Vertagung, vielleicht sogar die Einstellung des Prozesses zu erleben.
Offen traten jetzt hohe Militärs der Westalliierten auf die Seite ihrer deutschen Kollegen. Admiral Nimitz, Oberbefehlshaber der US-Pazifikflotte, bestätigte dem Angeklagten Dönitz in einer schriftlichen Zeugenaussage, dass die U-Boote der Vereinigten Staaten den Handelskrieg gegen Japan nach genau denselben Bestimmungen geführt hätten wie Hitlers Kriegsmarine. Das entsprach zwar nicht ganz der Wahrheit, doch Nimitz trug wesentlich dazu bei, dass die Anklage gegen Dönitz in diesem wichtigen Punkt zusammenbrach.
Auch andere Punkte der alliierten Kriegsführung kamen zur Sprache: Eisenhower erließ den Befehl, möglichst viele deutsche Soldaten zu killen; Grausamkeiten der alliierten Soldaten, der Bombenkrieg gegen offene Städte...; jetzt wurde alles als Vergleich herangezogen.
Am 01. Oktober 1946 schließlich war der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg zu Ende. Das Urteil über die Angeklagten wurde verkündet. Dreizehnmal "to death by hanging", dreimal Lebenslänglich, dreimal Freispruch und Freiheitsentzug zwischen 10 und 20 Jahren wurde ausgesprochen.
Der 16. Oktober war der Tag der Vollstreckung der Todesurteile. Im Gefängnishof waren drei grüne Schafotte errichtet. Amerikanische Freunde besorgten ihren alten Geschäftspartner Hermann Göring eine Ampulle Zyankali, um ihm die Qual der Hinrichtung zu ersparen.

 

Definition der Kriegsverbrechen

Was als Kriegsverbrechen zu verstehen war/ist, wurde erstmals im Londoner Statut vom 8.8.1945 für den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkrieges festgelegt:

 


Statut für den Internationalen Militärgerichtshof vom 8. August 1945 (Auszug)

Artikel 6

a) Verbrechen gegen den Frieden:
Planen, Vorbereitung und Einleitung oder Durchführung eines Angriffskrieges oder eines Krieges unter Verletzung internationaler Verträge. Abkommen oder Zusicherungen oder Beteiligung an einem gemeinsamen Plan oder an einer Verschwörung zur Ausführung einer der Vorgenannten Handlungen;

b) Kriegsverbrechen:
Verletzung der Kriegsgesetze oder –gebräuche.
Solche Verletzungen umfassen, ohne jedoch darauf beschränkt zu sein, Mord, Misshandlungen oder Deportation zur Sklavenarbeit [...], die mutwillige Zerstörung von Städten, Märkten oder Dörfern oder jede durch militärische Notwendigkeit nicht gerechtfertigte Verwüstung;

c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit:
Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation oder andere unmenschliche Handlungen, begangen an irgendeiner Zivilbevölkerung vor oder während des Krieges, Verfolgung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen, begangen in Ausführung eines Verbrechens oder in Verbindung mit einem Verbrechen, für das der Gerichtshof zuständig ist, und zwar unabhängig davon, ob die Handlung gegen das Recht des Landes verstieß, in dem sie begangen wurde, oder nicht.
Anführer, Organisatoren, Anstifter und Teilnehmer, die am Entwurf oder der Ausführung eines gemeinsamen Planes oder einer Verschwörung zur Begehung eines der vorgenannten Verbrechen teilgenommen haben, sind für alle Handlungen verantwortlich, die von irgendeiner Person in Ausführung eines solchen Planes begangen worden ist.

 

 

Weitere Links zum Völkerrecht:

Vereinbarungen des Völkerrechts (Auszug) - Index
Haager Landkriegsordnung vom 25. Januar 1910
Genfer Konventionen vom 12. August 1949 und Zusatzprotokolle
Allgemeine Erklaerung der Menschenrechte
Europäische Union
United Nations – Vereinte Nationen
North Atlantic Treaty Organisation (NATO)

 

 

Die 24 als Hauptkriegsverbrecher Angeklagten

 

Bormann, Martin, geb. 1900. Landwirt. Seit 1933 Stabsleiter bei Rudolf Heß; während des 2. Weltkrieges engster Mitarbeiter Hitlers im Führerhauptquartier. Sein Schicksal war bei Kriegsende ungewiss (inzwischen dürfte erwiesen sein, dass er - wohl schon Anfang Mai 1945 - in Berlin ums Leben gekommen war). Angeklagt in Abwesenheit wegen 1, 3 und 4; verurteilt wegen 3 und 4 zum Tod.

Dönitz, Karl, geb. 1891. Großadmiral. Er bildete nach Hitlers Tod am 2. 5. 1945 eine "Geschäftsführende Reichsregierung". Angeklagt wegen 1, 2 und 3; verurteilt wegen 2 und 3 zu 10 Jahren Haft. Entlassen 1956. Gestorben 1980.

Frank, Hans, geb. 1900. Rechtsanwalt. Seit 1939 Generalgouverneur in Polen. Angeklagt wegen 1, 3 und 4; verurteilt wegen 3 und 4 zum Tod.

Frick, Wilhelm, geb. 1877. Reichsinnenminister. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 2, 3 und 4 zum Tod.

Fritzsche, Hans, geb. 1900. Journalist. Seit Mai 1933 Leiter des Nachrichtenwesens in der Presseabteilung des Propagandaministeriums. Gewissermaßen Ersatzangeklagter an Stelle von Goebbels, der Selbstmord begangen hatte. Angeklagt wegen 1, 3 und 4; Freispruch. Sodann im Entnazifizierungsverfahren zu 9 Jahren Arbeitslager verurteilt. Entlassen im Herbst 1950, Gestorben 1953.

Funk Walter, geb. 1890. Wirtschaftsjournalist. Reichswirtschaftsminister und ab 1939 Präsident der Deutschen Reichsbank. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 2, 3 und 4 zu lebenslanger Haft.1957 wegen Krankheit entlassen. Gestorben 1960.

Göring, Hermann, geb. 1893. Schuf als preußischer Innenminister das "Geheime Staatspolizeiamt", das sich später zur Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) entwickelte. Mobilisierte ab 1936 die Wirtschaftskräfte des Reiches für die Wiederaufrüstung. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zum Tod. Beging am Vorabend der Hinrichtung Selbstmord durch Einnahme von Zyankali. Die Herkunft der Giftkapsel ist nicht eindeutig geklärt.

Heß, Rudolf, geb. 1894. Seit 1933 Hitlers Stellvertreter in der NSDAP. Flog in nicht geklärter Mission am 10. Mai 1941 nach Schottland. Wurde dort interniert. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1 und 2 zu lebenslanger Haft. Beging im Alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau 1987 Selbstmord.

Jodl, Alfred, geb. 1890. Generaloberst. Chef des Wehrmachtführungsamtes und Berater Hitlers in strategischen und operativen Angelegenheiten. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zum Tod.

Kaltenbrunner, Ernst, geb. 1903. Rechtsanwalt. Chef der Sicherheitspolizei und des Reichssicherheitshauptamtes. Angeklagt wegen 1, 3 und 4; verurteilt wegen 3 und 4 zum Tod.

Keitel, Wihelm, geb. 1882. Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zum Tod.

Krupp von BohIen und Halbach, Gustav, geb. 1870. Angeklagt als Repräsentant der Deutschen Schwer- und Rüstungsindustrie wegen 1, 2, 3 und 4. Im Hinblick auf eine durch einen Verkehrsunfall im Jahre 1944 verursachte Verfahrensunfähigkeit wurde das Verfahren gegen ihn 1945 eingestellt. Gestorben 1950. Der sog. Krupp-Prozess fand 1948 vor einem US-Militärgericht in Nürnberg statt. Krupps Sohn Alfried wurde dabei zu 12 Jahren Haft und Einziehung des Gesamtvermögens verurteilt.

Ley, Robert, geb. 1890. Chemiker. Beseitigte im Jahre 1933 die freien Gewerkschaften und führte seither - streng ideologisch ausgerichtet - die Deutsche Arbeitsfront. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4. Beging im Nürnberger Gefängnis am 26.10.1945 Selbstmord.

Neurath, Konstantin von, geb. 1873. Seit 1908 im diplomatischen Dienst. Von März 1939 bis 1943 (ab 1941 beurlaubt) Reichsprotektor von Böhmen und Mähren. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zu 15 Jahren Haft. 1954 wegen Krankheit entlassen. Gestorben 1956.

Papen, Franz von, geb. 1879. Vizekanzler im ersten Kabinett Hitlers 1933. Später Botschafter in Wien und Ankara. Angeklagt wegen 1 und 2. Freigesprochen. Im anschließenden Entnazifizierungsverfahren zu 8 Jahren Arbeitslager verurteilt. 1949 entlassen. Gestorben 1969.

Raeder, Erich, geb. 1876. Seit 1943 Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Angeklagt wegen 1, 2 und 3; verurteilt wegen 1, 2 und 3 zu lebenslanger Haft. 1955 wegen Krankheit entlassen. Gestorben 1960.

Ribbentrop, Joachim von, geb. 1893. Kaufmann. 1938 - 1945 Reichsaußenminister. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zum Tod.

Rosenberg, Alfred, geb. 1893. Seit 1941 Reichsminister für die besetzten Ostgebiete. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 1, 2, 3 und 4 zum Tod.

Sauckel, Fritz, geb. 1894. Seit 1942 Generalbevollmächtigter Hitlers "für den Arbeitseinsatz" und als solcher verantwortlich für die Zwangsarbeit von über 5 Millionen Männern und Frauen aus allen besetzten Gebieten Europas in Deutschland. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 3 und 4 zum Tod.

Schacht, Horace Greely Hjalmar, geb. 1877. Bankier. Präsident der Reichsbank und Wirtschaftsminister. Seit 1944 im KZ Flossenbürg. Angeklagt wegen 1 und 2; freigesprochen. Von deutschen Behörden inhaftiert bis 1948. Gestorben 1970.

Schirach, Baldur von, geb. 1907. Reichsjugendführer und (ab 1940) Gauleiter von Wien. Angeklagt wegen 1 und 4; verurteilt wegen 4 zu 20 Jahren Haft. 1966 entlassen. Gestorben 1974.

Seyß-Inquart, Arthur, geb. 1892. Rechtsanwalt. 1940-1945 "Reichskommissar für die besetzten niederländischen Gebiete". Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 2, 3 und 4 zum Tod.

Speer, Albert, geb. 1905. Architekt. Seit 1937 Generalbauinspekteur für Berlin. 1942-1945 Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Angeklagt wegen 1, 2, 3 und 4; verurteilt wegen 3 und 4 zu 20 Jahren Haft. 1966 entlassen. Gestorben 1981.

Streicher, Julius, geb. 1885. Volksschullehrer. Als publizistisches Organ der von ihm betriebenen Judenhetze gründete er 1923 das Wochenblatt "Der Stürmer", dessen Eigentümer und Herausgeber er bis 1945 – auch nach seiner Absetzung als Gauleiter von Franken im Jahr 1940 – blieb. Angeklagt wegen 1 und 4; verurteilt wegen 4 zum Tod.


 

Die Urteile des internationalen Militärtribunal
in Nürnberg vom 01. Oktober 1946


Tod durch den Strang:

Hermann Göring: Reichsmarschall, Oberbefehlshaber d. Luftwaffe (Selbsmord)
Joachim von Ribbentrop:                Reichsaußenminister
Robert Ley: Reichsorganisationsleiter  (Selbstmord)
Wilhelm Keitel: Generalfeldmarschall, Chef d. Oberkommando d. Wehrmacht
Ernst Kaltenbrunner: Chef des Reichssicherheithauptamtes
Alfred Rosenberg: Reichsminister für die besetzten Ostgebiete
Hans Frank: Generalgouverneur in Polen
Wilhelm Frick: Reichsprotektor für Böhmen u. Mähren, Innenminister
Julius Streicher: Herausgeber "Der Stürmer"
Fritz Sauckel: Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz
Alfred Jodl: Generaloberst, Chef des Wehrmachtführungsstabes
Arthur Seyß-Inquart: Reichskommissar für die Niederlande
Martin Bormann: Chef der Parteikanzlei  (in Abwesenheit)

 

Lebenslängliche Haft:

Rudolf Heß:                              Stellvertreter Hitlers
Walter Funk: Reichswirtschaftsminister 
Erich Raeder: Großadmiral, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine bis 1943



15 Jahre Gefängnis:

Constantin von Neurath:          Reichsaußenminister bis 1938, Reichsprotektor in Prag      



10 Jahre Gefängnis:

Karl Dönitz:     Großadmiral, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ab 1943, Nachfolger Hitlers


Freispruch:

Hjalmar Schacht:                    Reichsbankpräsident bis 1939                                  
Franz von Papen: Reichsvizekanzler bis 1943
Hans Fritsche: Reichsrundfunkkommentator


Ausgesetzt:

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach: Rüstungsindustrieller                   

 

 

Verluste im zweiten Weltkrieg:

In dem zweiten Weltkrieg waren 61 Staaten verwickelt und beklagten insgesamt etwa 64 Millionen Tote, 35 Millionen Versehrte und 20 Millionen Verwaiste.
Schätzungen zufolge kostete der Zweite Weltkrieg etwa 64 Millionen Menschen das Leben, 24 Millionen Soldaten und 40 Millionen Zivilisten. Die schwersten Verluste erlitt mit 8,6 Millionen Toten oder vermissten Soldaten und fast 8 Millionen getöteten Zivilisten die Sowjetunion. Neue Zahlen aus russischen Archiven legen nahe, dass diese Zahl sogar nach oben korrigiert werden muss. Relativ gesehen litt Polen am meisten von allen kämpfenden Ländern. Etwa 8 Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - waren gestorben. Die Zahl der Toten in Warschau war höher als die der Opfer Britanniens und der Vereinigten Staaten zusammen.
In Jugoslawien tötete der zivile und der Guerillakrieg mindestens eine Millionen Menschen.
Die Opferzahlen in Frankreich, Italien und den Niederlanden waren auch noch schlimm genug. Vor dem Juni 1940 und nach dem November 1942 verlor die französische Armee 200.000 Mann; 400.000 französische Zivilisten starben bei Luftangriffen oder in Konzentrationslagern. Die italienischen Verluste betrugen 330.000, die Hälfte von ihnen Zivilisten. In Holland starben 200.000 Menschen.
Deutschland verlor 3,5 Millionen Soldaten, tot oder vermisst, und 2.000.000 Zivilisten. Die westlichen Alliierten erlitten keine derart furchtbaren Verluste, doch der Preis des Sieges war hoch. Die bewaffneten britischen Streitkräfte verloren 240.000 Mann und ihre Verbündeten aus den Commonwealth noch einmal 100.000. Etwa 60.000 britische Zivilisten starben durch die Bomben der Luftwaffe und die der Vergeltungswaffen-Waffen (V-1 und V-2).
In den Vereinigten Staaten gab es keine zivilen Opfer zu beklagen. Die militärischen Verluste der Amerikaner betrugen 292.000 Mann, tot oder vermisst. Dagegen verloren die Japaner im Kampf 1,2 Millionen Mann. Und fast eine Million japanische Zivilisten starben im Krieg.

Die Ausgaben der kriegführenden Staaten für militärische Zwecke im zweiten Weltkrieg beliefen sich bei 1.117 Mrd. Dollar, also pro Kopf der Vorkriegsbevölkerung 1.390 Dollar. Für die hauptkriegsbeteiligten Staaten bedeutete das:

 

Land:                                        Verluste:                           pro Kopf:
UdSSR 128 Mrd.   663
Deutschland 48 Mrd. 703
Frankreich 21,1 Mrd. 503
Polen 16,9 Mrd. 528
Jugoslawien 9,1 Mrd. 582
Großbritannien 6,8 Mrd. 14
Niederlande 4,4 Mrd. 496
CSR 4,2 Mrd. 286
Griechenland 2,5 Mrd. 353
Belgien 2,3 Mrd. 271

 

Die Menschenverluste der einzelnen Staaten:

UdSSR:                                      20.000 000                    
China: 10.000 000
Polen: 6.028 000
Deutschland: 6.000 000
Japan: 2.000 000
Jugoslawien: 1.706 000
Frankreich:    653 000
Griechenland:    520 000
USA:    503 000
Österreich:    485 000
Rumänien:    460 000
Ungarn:    420 000
Italien:    410 000
CSR:    400 000
Großbritannien:    388 000
Niederlande:    210 000
Belgien:      88 000
Finnland:      84 000
Kanada:      34 000
Albanien:      28 000
Indien:      24 000
Australien:      12 000
Norwegen:      10 262
Neuseeland:      10 000
Luxemburg:        5 000

 

Bildquelle: Heinz Bergschicker "Deutsche Chronik 1933-1945" 1981 Verlag der Nation Berlin

 

 

 

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