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Hitler (vorn) und Himmler
(hinten) im VW
Nur
noch um eine kurze Verzögerung konnte es sich handeln, als Hitler am 25.
August 1939 den Angriffsbefehl Nocheinmahl zurück zog. Großbritannien
teilte mit, dass es die Garantie für Polen in ein Bündnis verwandelt habe,
und von Mussolini musste er hören, dass Italien am Krieg nicht teilnehmen
werde, weil sein Kriegsmaterial nicht ausreiche. Eine Woche lang versuchte
Hitler, eine diplomatische Lage zu schaffen, in der er Krieg gegen Polen führen
könne, ohne die Westmächte zum Feind zu haben. Dem britischen Botschafter
sagte er, er bejahe das britische Weltreich. Aber in Großbritannien
vertraute nun niemand mehr seinen Worten.
Am 1. September 1939 überschritt die Wehrmacht die polnische Grenze. Zwei
Tage später erklärten Frankreich und England den Krieg an Deutschland. Das
schwerste und opferreichste Ringen, das die Welt kennt, hat begonnen.
In achtzehn Tagen war die polnische Armee zertrümmert. Neun Tage später
musste sich Warschau ergeben, das noch ausgehalten hatte. Die neue deutsche
Wehrmacht hat ihren militärischen Wert eindrucksvoll bewiesen. Die
Schlagkraft dieser Wehrmacht verblüffte die ganze Welt.
Der Sieg war aber nur möglich gewesen, weil im Westen die feindlichen
Armeen fast unbeweglich gelegen hatten. Die deutschen Befestigungslinien
waren schwächer als die Propaganda sie geschildert hatte, und sie waren nur
schwach besetzt. Eine entschlossene Offensive hätte sie überrannt. Aber
der französische Generalstabschef Gamelin wollte nicht eingreifen. Ihn und
sein Volk lähmte die Erinnerung an die Blutverluste des Ersten Weltkrieges.
Damals waren immer wieder überlegene Angriffe der Franzosen und der Briten
im Feuer der Deutschen zusammen gebrochen. Gamelin wollte es seinen Soldaten
ersparen, dass sie noch einmal verbluten wie ihre Väter vor Verdun und an
der Somme. So konnte Hitler den polnischen Gegner niederwerfen, ohne im
Westen gestört zu werden.
Polen wurde zwischen Deutschland und Russland aufgeteilt. Westpreußen und
Warthegebiet wurden ein Teil des Reiches, über das übrige westliche und
mittlere Polen regierte ein Generalgouverneur im Auftrag Hitlers. Dieser
wurde Hans Frank.
Himmlers Beauftragte begannen sogleich Jagd
auf Juden wie auf die polnische Führungsschicht. Zur Versklavung der Polen,
wie Hitler sie beabsichtigte, gehörte die Ausrottung der geistig
bestimmenden Kreise. Die Generale stellten Himmlers Mörder vor
Kriegsgericht, da ließ Hitler die Urteile aufheben, und die furchtbare Jagd
ging weiter.

Himmler (im Auto auf dem
Beifahrersitz) 1941 im Ghetto Lodz
Die
Gegnerschaft eines großen Teils des Offizierskorps hätte Hitler noch im
Winter nach dem Sieg über Polen zum Verhängnis werden können. Er wollte
schon bald die große Westoffensive, und zu seiner Erbitterung stieß er
dabei auf die Einwände der Generalität. Mancherlei floss in ihr zusammen:
die allgemeine, aus sittlichen Ursprüngen herrührende Abneigung gegen das
Regime; die Abneigung gegen den Bruch der belgischen und niederländischen
Neutralität, wie ihn Hitler forderte; schließlich militärische
Besorgnisse darüber, ob eine Offensive wirklich die westlichen Gegner
niederwerfen könne.
In den ständigen Auseinandersetzungen reiften neue Pläne für einen
Staatsstreich. Der Generaloberst Freiherr von Hammerstein, Oberbefehlshaber
einer Armee im Westen, lud Hitler zu einem Besuch in sein Hauptquartier ein.
Er wollte ihn verhaften lassen, ihn "erledigen, auch ohne
Prozess". Aber mit seiner raubtierhaften Witterung für kommende
Gefahren sagte Hitler im letzten Augenblick die Fahrt ab.
Generaloberst Halder besprach mit seinen
Kameraden den Plan, Hitler in Berlin auszuheben und von der Reichshauptstadt
aus dem Staat eine neue, eine ehrenhafte Führung zu geben. Er und seine
Freunde fanden sich zusammen mit den Führern der Widerstandskreise aus der
nichtmilitärischen Welt, mit dem früheren Oberbürgermeister Leipzigs Carl
Goerdeler, dem früheren Botschafter Ulrich von Hassell, dem Rechtsanwalt
Josef Müller und vielen anderen.
Sie nahmen über schweizerische Bekannte und über den Vatikan Verbindungen
mit der Regierung Chamberlains auf. Die britische Regierung verhandelte nur
zögernd, aber schließlich gab Chamberlain doch Versicherungen, die soweit
gingen, wie eine feindliche Regierung im Krieg nur gehen kann.
Aber wenn der Oberbefehlshaber des Heeres an der Verschwörung nicht
teilnahm, konnte sie nicht gelingen. Halder hatte sich davon überzeugt,
dass ihm die Generalität nach alter militärischer Überlieferung nicht
folgen würde. Witzleben und Brockdorff-Ahlefeld, die entschlossenen
Mitverschwörer von 1938, waren an der Front und damit fern.
Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Walther von Brauchitsch,
schwankte, er zauderte, er spürte das ungeheure des Planes, er vermochte
seine Hemmungen nicht zu überwinden. Als ihm Halder die Liste mit
Chamberlains Zusicherungen vortrug, war Brauchitsch empört. Er nannte es
Landesverrat. Wohl aber schwieg schließlich Brauchitsch über die Verschwörung;
er verriet seine Kameraden nicht.
Das Schicksal der Generalverschwörung gegen Hitler zeigt, wie verwickelt
das Problem des deutschen Militärs war und wie wenig Schlagworte
ausreichen, ein Urteil zu gewinnen.
Ob das Unternehmen Halders gelingen würde, war allein, technisch gesehen,
nicht sicher. Auch waren im Heer seelische Widerstände zu überwinden. Der
Treueid mochte manchem eine bequeme Ausflucht sein, er band aber auch andere
in ihrem Gewissen.
Im weiterem Verlauf des Krieges kam ein Umstand hinzu, dessen psychologische
Folgen nur zu schätzen, nicht genau zu errechnen oder zu beweisen sind:
Hitler schenkte siegreichen Feldherrn große Summen. Und da
Hitlerdeutschland zunächst beträchtliche außenpolitische und militärische
Erfolge verbuchen konnte, wurden die Staatsstreichpläne immer wieder zu den
Akten gelegt. Dazu kam, dass Hitler nicht mit Beförderungen und
Auszeichnungen geizte. Allein am 19. Juli 1940, nach dem Sieg in Norwegen
und im Westen, ernannte Hitler 12 Generalfeldmarschälle, darunter von
Brauchitsch, von Kluge, von Witzleben, von Reichenau, Keitel, und 18
Generaloberste, darunter Halder, Guderian, Hoepner und Fromm. Von den Beförderten
und Ausgezeichneten dachte vorläufig keiner mehr an einen Staatsstreich.
Des weiteren wurden die Generale von Zweifeln bedrängt, ob die Truppe den
Befehl zum Staatsstreich folgen werde. In das Offizierskorps, aber auch
unter den Mannschaften waren im Laufe der Jahre zahlreiche gläubige
Nationalsozialisten eingeflossen. Niemand vermochte zu sagen, ob sie ihren
Generalen nicht den Gehorsam verweigerten, wenn der Befehl kam, Hitler zu
verhaften.

Hitler bei der Siegesparade in
Warschau 1939
Im
Frühjahr 1940 begann der Feldzug im Westen zunächst mit der Besetzung Dänemarks
und Norwegens. Deutschland erhielt das für die Kriegsführung notwendige
schwedische Erz über die norwegischen Gewässer. Um diese Zufuhr
abzuschneiden, beabsichtigte Großbritannien in Norwegen Truppen zu landen.
Das deutsche Oberkommando hatte Nachricht darüber. Erich Raeder, Großadmiral
und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, arbeitete die "Operation Weserübung"
zur Invasion Norwegens aus. Raeder stützte sich auf eine Studie des
Vizeadmirals Wegener, der bereits 1926 im Falle einer erneuten kriegerischen
Auseinandersetzung mit Großbritannien die Okkupation Norwegens und
Nordfrankreichs gefordert hatte. Erich Raeder bedrängte schon 1939 Hitler,
obwohl dieser wünschte, dass die skandinavischen Länder neutral blieben.
Aber Raeder ließ nicht locker, er wollte große Taten für seine Marine.
Durch die Errichtung von Stützpunkten auf norwegischen Boden sollte der
U-Bootkrieg intensiviert und eine günstigere Angriffsbasis gegen die Ostküste
Großbritanniens geschaffen werden. Zögernd stimmte Hitler zu. In kurzer
Frist arbeitete die Seekriegsleitung zusammen mit Stabsoffizieren den Plan
aus.
Am 9. April begann der gewagte Sprung in die norwegischen Häfen. Dänemark
wurde "aus strategischen Gründen" durch Luftlandetruppen und
Fallschirmspringern gleich mit besetzt.
Am 10. Mai 1940 brach dann die langerwartete Offensive gegen Frankreich los.
Luftaufnahmen ergaben, dass die französischen Befestigungen schwacher
waren, als man glaubte. Die deutschen Truppen überschwemmten Luxemburg und
Belgien, die Niederlande und Nordfrankreich. Die neue Panzertaktik Guderians
erwies sich als äußerst effektiv. In den Friedenszeiten hatten in großen
Militärmächten einige Fachleute dargelegt, dass die Zukunft schnellen und
starken Panzergeschwadern gehöre. Ihre glänzensten Wortführer hatte die
neue Lehre in dem französischen Obersten Charles de Gaulle und dem
deutschen General Heinz Guderian gefunden. Aber de Gaulle war an der
Starrheit seiner Vorgesetzten gescheitert, Guderian dagegen hatte sich
durchgesetzt, vor allem weil Hitler sich auf seine Seite stellte.
Die Deutschen besaßen nicht mehr Panzer als die Gegner, aber die
Besatzungen waren 1940 besser für den schnellen Krieg ausgebildet, und die
deutschen Panzerdivisionen waren in wenigen wuchtigen Stoßkeilen
zusammengefasst. Die französischen dagegen waren an der Front verstreut und
damit ihres operativen Wertes beraubt. So brachen die deutschen Geschwader
durch die feindlichen Linien, umfassten die gegnerischen Armeen und
richteten noch weit im Hinterland Verwirrung an.
Das
Oberkommando des Heeres hatte einen Feldzugplan ausgearbeitet, der die
Hauptkraft des Angriffs auf den äußersten rechten Flügel legt. Das ziel
war die Kanalküste. Aber dieser Plan musste eines Zwischenfalls
wegen verschoben werden. In der Zwischenzeit hatte ein deutschen Generale, Erich von Manstein,
einen weit kühnere Gedanken. Er wollte den Hauptangriff in den Ardennen führen,
wo eine Offensive wegen des Geländes schwieriger war als im Norden, wo aber
die Abwehr schwächer war. Deshalb musste hier ein Durchbruch verheerende
Folgen für die Verteidiger haben. Hitler entschied sich für den
weitzielenden Plan. So konnten die feindlichen Nordarmeen zertrümmert
werden.
Die Gefangennahme der britischen Armee schien Ende Mai bevorzustehen. Gelang
dies, dann war Großbritannien ohne einen wirksamen Schutzschild, wenn erst
einmal eine feindliche Armee gelandet war. Aber mitten in ihrem Siegeslauf
wurden die deutschen Panzerdivisionen durch Hitler angehalten. Er fürchtete,
sie würden in den durchschnittenen Gelände aufgerieben. Er wollte sie für
den Endkampf in Franreich bereit halten. Auch versicherte ihm Göring
prahlerisch, die Luftwaffe reiche aus, die Briten zu vernichten. Aber
britische Zähigkeit und die Aufopferung ihrer Jagdflugzeuge retteten die
britischen Divisionen in Dünkirchen. Sie mussten ihr Material zurück
lassen, aber sie kamen zurück nach Großbritannien.
Dafür wurde im Juni und Juli die französische Abwehr völlig zerbrochen.
In Compiégne, im Salonwagen, in dem der Waffenstillstand des Ersten
Weltkrieges zugunsten Frankreichs unterzeichnet worden war, wurde der
Waffenstillstand, der Frankreich nun den Deutschen ausliefert,
unterzeichnet. Was dem kaiserlichem Heer in vier Jahren nicht gelungen war,
hatte die Wehrmacht Hitlers in sechs Wochen vollbracht.

Deutsche Generale in Paris
1940 (2er v.l. Georg Küchler, 3er v.l. Fedor von Bock)
Hitler
hielt nun alles für möglich, er erkannte keinen Widerstand mehr an;
seine Selbstüberhebung wuchs ins ungemessene. Er hielt sich für unfehlbar
und glaubte an seiner Vorsehung. So ging er ein Jahr später in den Feldzug
gegen die Sowjetunion, der sein Glück verschlingen sollte.
Die Moralische Kraft der Franzosen aber war erschüttert. Sie waren nun
bereit, die deutsche Führung in Europa anzuerkennen. Der große Patriot
freilich, den sie sich nun zum Staatschef bestimmten, der Verteidiger von
Verdun, der Marschall Pétain, blieb immer nur kühl und vorsichtig allen
deutschen Lockungen. Er etablierte sich mit seiner profaschistischen
Regierung in Vichy.
Aber der andere Patriot, Pierre Laval, der lange Zeit Pétains Ministerpräsident
war, hätte wohl Frankreich für eine begrenzte militärische Zusammenarbeit
mit Deutschland gewinnen können. Hitler hätte dann einige französische
Divisionen und Flottengeschwader zur Verfügung gehabt, um mit ihnen die
britische Herrschaft im Mittelmeer zu erschüttern.
Die Geheime Staatspolizei begann ihr unheimliches Werk auch in Frankreich.
Der Gauleiter Sauckel ging in Frankreich auf Menschenjagd und presste
Millionen in den Arbeitsdienst nach Deutschland.
Nach
dem Sieg in Frankreich wiederholte Hitler das Angebot, dass er nach dem
Erfolg in Polen den Briten gemacht hatte, nämlich Frieden zu schließen.
Als Voraussetzung dazu galt für ihn immer, dass Großbritannien Herr der
See und Deutschland Herr des Festlandes sei. Chamberlain hatte das 1939
abgelehnt, die Antwort Winston Churchills, der im Mai 1940 Chamberlains
Nachfolger geworden war, konnte nicht anders sein. So ließ Hitler Pläne für
eine Landung aufstellen.
Ein Versuch mit England zu verhandeln, wagte Hitlers Stellvertreter Rudolf
Hess. Nach dreimaligen Versuch flog er am 10. Mai 1941 von Augsburg nach
Schottland. Ungeklärt ist, ob Hitler von diesem Flug wusste oder ob Hess
eigenmächtig handelte. Hess sprang mit dem Fallschirm über Schottland ab.
Er gab sich als Hauptmann Alfred Horn aus und wurde festgesetzt. Churchill
versteckte Hess einstweilen im Tower, um vor Stalin und Roosevelt die
Anwesenheit von Hess in England zu verheimlichen, weil er glaubte, Stalin
bezichtige ihn, hinter den Rücken der Verbündeten, Verhandlungen mit
Deutschland zu machen. Doch die deutsche Propaganda half Churchill aus der
Patsche. Sie verkündete zwei Tage später, dass Hess offensichtlich in
einem Anfall von Geisteskrankheit nach Schottland geflohen sei. In England
wurde Hess dann bis Kriegsende interniert. Nachfolger von Hess wurde sein
bisheriger Stellvertreter, der Chef der Reichskanzlei Martin Bormann.
So
glänzend der Landfeldzug gegen Frankreich vorbereitet war, so wenig hatte
man sich bisher nähere Gedanken über die ungleich schwerere Aufgabe
gemacht, auf Großbritannien zu landen, auf der Insel einzufallen. Hitler
hatte niemals ernstlich Krieg mit Großbritannien führen wollen. Sein
Anhaltebefehl für Dünkirchen beruhte im letzten vielleicht auf die
Hoffnung, eines Tages Freund mit England zu werden. Jetzt das
Landungsunternehmen in wenigen Wochen vorzubereiten und ins Werk umzusetzen,
erwies sich als problematisch, wenn nicht gar unmöglich, zumal man nicht
mal die Lufthoheit über der britischen Insel hatte. Görings Versuch, den
Himmel über England reinzufegen und damit den Weg für die Landung
freizumachen, scheiterte an der britischen Jagdwaffe, die hier einen
weltgeschichtlichen Sieg errang. So gab Hitler das "Unternehmen Seelöwe"
auf.
Wenn
Hitler nicht der imperialistische Eroberer, sondern der nationale Befreier
gewesen wäre, für den ihn Anfangs auch die Generale hielten (nur DESHALB
folgten sie ihm), dann hätte man noch im Sommer 1940 den Krieg beenden können! Denn hätte sich der deutsche Führer im Augenblick
eines grandiosen militärischen Sieges, zu einem großmütigen politischen
Verhalten entschlossen, indem er mit Frankreich einen Vertrag der Verständigung
schloss, die besetzten Gebiete unverzüglich räumte und einen hundertjährigen
Frieden für Europa verkündete, so wäre auch kein Churchill in der Lage
gewesen, die Kriegsflamme am Leben zu halten.
Aber da Hitler ein Wahnsinniger, ein offensichtlich impotenter Geistesgestörter
war, kam dann das, was uns heute als Geschichte bekannt ist. Im Sommer 1940 befahl
Hitler, den Feldzugplan für den Krieg im Osten
auszuarbeiten.
Im
November 1940 suchte Hitler in Berlin den russischen Außenminister Molotow
zu überreden, in ein Bündnis gegen Großbritannien zu treten. Zwölf Tage
später erhielt er eine Denkschrift der russischen Regierung. In ihr lagen
am Rande Möglichkeiten für ein Bündnis. Die Sowjetunion stimmte dem
Hitlerschen Vorschlag zu, dass ihre künftige Ausdehnung auch in Richtung
auf den Persischen Meerbusen zielen sollte. In dieser Gegend lagen britische
Lebensinteressen. Wenn Churchill sie verteidigte, musste es zur bewaffneten
Auseinandersetzung kommen. Aber Russland kündigte auch die Ansprüche auf
den Balkan an, die es von den Zaren übernommen hatte. Jetzt meldete sich
der Österreicher in Hitler. Auf dem Balkan gab es für ihn kein Nachgeben.
Die russische Denkschrift machte ihn nicht geneigt, mit der Sowjetunion
zusammenzugehen. Sie nahm ihn vielmehr die letzten Zweifel daran, ob er mit
Russland Frieden halten sollte. Er beschleunigte seine
Angriffsvorbereitungen, denn wenn Russland erst am Boden lag, konnte er sich
mit verdoppelter Wucht auf Großbritannien stürzen. Nicht länger als drei
Monate, so glaubte er, werde der Feldzug in Russland dauern. Dann konnte er
die Massen des Heeres entlassen und um so mehr Unterseebote und Flugzeuge für
den Kampf gegen die Insel bauen.
Wären dies die einzigen Gründe gewesen, so wäre Hitler demselben
tragischen Zwang erlegen wie Napoleon, der 1812 Russland nur angegriffen
hatte, um auf dem Wege über Moskau Großbritannien zu treffen. Hitler hat
freilich seine Truppen an die Brennergrenze und an die Pyrenäen marschieren
lassen, er hat Rommel in die Libysche Wüste geschickt, er hat mit Franco über
die Eroberung Gibraltars und mit Japan über ein Zusammenwirken im indischen
Ozean verhandelt, er hat es erlaubt, dass man von der Einheit Europas und
von dem Großgermanischen Reich mit Einschluss der Holländer und
Skandinavier sprach. Aber wenn man schärfer hinsieht, erblickt man in allen
Feldzügen, Verhandlungen, Proklamationen nichts als Umwege, nichts als
ungeduldig ertragene Abhaltungen von dem einen großen Ziel, das ihn
vorschwebte, solange er überhaupt politisch denken konnte. Dieses Ziel
waren die weiten Ebenen Russlands. Am Ende war das sein Verhängnis und
bedeutete den Untergang seines Reiches, denn die deutsche Wehrmacht
scheiterte im Krieg gegen Russland, sie vermag es nicht (aus diversen
Fehleinschätzungen und Fehlern), die Rote Armee zu bezwingen.

Hitler und Goebbels 1943

Hitler, Himmler und Gefolge
beim Spaziergang 1944




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