Im Dritten Reich durfte die Familie des „Führers“ offiziell nicht existieren. Nun wurde der Fall seiner Großcousine Aloisia V. bekannt, die 1940 in einer Gaskammer ermordet wurde. Zeitlebens bemühte sich Hitler, seine Herkunft zu verschleiern. Man hat einige der noch lebenden Verwandten des NS-Diktators gefunden.

Sie ist um zwei Jahre jünger als er. Adolf Hitler wird im April 1889 geboren. Aloisia V., daheim „Louise“ gerufen, kommt im Juli 1891 zur Welt. Er wirft sich für das Klassenfoto in kämpferische Pose und beschreibt sich später gern als „Wildfang, ich war eben schon als Junge kein Pazifist“. Sie ist auf dem Familienporträt als ernstes Mädchen zu sehen, brav im Kleid mit Matrosenkragen. Ihre beiden Familien sind einander verwandtschaftlich verbunden.

Hitlers Vater bemüht sich, den Vater von Aloisia in der k. k. Zollwache unterzubringen, in der er selbst zum stolzen Oberoffizial aufsteigen wird. In seinen Briefen tituliert Hitler senior Aloisias Vater mit „Geehrter Herr Vetter“ und unterzeichnet mit „Ihr aufrichtiger Cousin Alois Hitler“.

Beide Familien entstammen der Waldviertler Bauernfamilie Schicklgruber: Hitlers Großmutter Maria Anna und Aloisias Urgroßmutter Josefa sind Schwestern.

1876 teilt Hitlers Vater, der bis zum 40. Lebensjahr als uneheliches Kind den Namen seiner Mutter getragen hat, seinen Verwandten mit, warum er ihnen nun als Vetter Hitler schreibe: „… habe den Namen meiner seligen Mutter Schicklgruber mit dem Namen meines Vaters als meinem legitimen Familiennamen vertauscht“. Adolf Hitler wird später einem Jugendfreund anvertrauen, keine der Handlungen seines Vaters habe ihm so gefallen wie diese, der Name Schicklgruber sei doch „so derb“.

 

„So eine Trauer in mir“. Sowohl Adolf Hitler als auch seine Großcousine zweiten Grades Aloisia verlieren ihre Väter früh. Hitler senior stirbt 1903 „über dem morgendlichen Glas Wein im Gasthaus“ (Hitler-Biograf Ian Kershaw), als Adolf knapp 14 ist. Aloisias Vater stirbt ein Jahr später, sie ist gerade zwölf.

Die Hitlers schickten ihren in Klagenfurt lebenden Verwandten 1903 die Todesnachricht. Ob die Familien danach noch in Kontakt standen, ist unklar.

Jahrzehnte später sollten sich die Wege der beiden entfernten Verwandten Aloisia und Adolf auf gespenstische Weise noch einmal kreuzen: Am 6. Dezember 1940 stirbt Adolf Hitlers Großcousine in der Gaskammer der Vernichtungsanstalt in Hartheim, Oberösterreich.

Bekannt geworden ist diese Tatsache erst jetzt: Vor kurzer Zeit hat das Bundesarchiv Berlin Teile von Aloisias Krankengeschichte zugänglich gemacht. Aloisia V. wurde ermordet, weil sie an Schizophrenie litt, ihre Existenz im Nationalsozialismus als „unwertes Leben“ galt. Den Beginn ihrer Krankheit beschrieb sie bei der Aufnahme in die Pflegeanstalt „Am Steinhof“ in Wien 1932 selbst: „Alle Tage habe ich was anderes in mir. Vorige Woche war so eine Trauer in mir, dann so eine Glückseligkeit. Ich bin im Bett niedergekniet und habe Gott gedankt.“ Von ihrem Ende zeugt nur die Nummer 2155, die sie auf dem Transport nach Hartheim trug. Sie sollte nicht sehen, wohin sie gebracht wurde; die Scheiben der grauen Busse waren mit Farbe überstrichen, welche die verängstigten Patienten wegzukratzen suchten.

Die organisierte Mordaktion an Geisteskranken wie Aloisia V. ist die einzige des NS-Regimes, für die Adolf Hitlers persönliche Unterschrift dokumentiert ist. Die Euthanasie wurde als „Gnadentod“ verbrämt und lief unter der Tarnbezeichnung „T4“, der Adresse der Tötungsbehörde in der Berliner Tiergartenstraße. Ab Oktober 1939 wurden die Insassen aller Heil- und Pflegeanstalten systematisch erfasst. 1940 begannen die Hinrichtungen durch Kohlenmonoxyd in den Gaskammern: Probeläufe für den späteren Massenmord an den Juden.
Wusste Hitler, wie es der Familie des „lieben Vetters“ ergangen war? Möglicherweise.

Anfang 1944, drei Jahre nach Aloisias Tod, schickt der mächtige Heinrich Himmler, Reichsführer SS, Chef von Gestapo und Polizei, brisante Papiere in die „Kanzlei des Führers“. Sie sind als „Geheime Reichssache“ klassifiziert und betreffen Hitler selbst. Himmler übergibt dem „Sekretär des Führers“, Martin Bormann, unter höchster Geheimhaltungsstufe Informationen, die den Mythos des über alles Alltägliche erhabenen „Führers der gesunden deutschen Volksgemeinschaft“ nachdrücklich infrage stellen.

Das Geheimpapier enthält im typischen Vernaaderehrstil der Gestapo Gerüchte über Verwandte des Führers, „bei denen es sich zum Teil um Halbidioten und Irrsinnige handele“. Als Urheber der Gerüchte werden „Gegnerische Kreise in Graz St. Peter“ genannt, namentlich die „streng katholisch eingestellte und sehr geschwätzige“ Grazer Großtante Hitlers – sie habe die Vormundschaft für die verwaiste „idiotische Nachkommenschaft“ der Linie Schicklgruber inne.

Wollte Himmler Hitler demontieren? War seine Botschaft an Bormann „ein Schachzug zweier Männer, die neben Hitler um die Macht ritterten“, wie der Wiener Historiker Gerhard Jagschitz meint? Hat Bormann, der als der „geheime Lenker Deutschlands“ bezeichnet wurde, seinen Chef Hitler über die „Geheime Reichssache“ informiert? Ließ er weitere Nachforschungen anstellen? Handschriftliche Notizen auf der Liste der Fotos und Briefe aus Hitlers Familie, die beschlagnahmt worden waren, belegen das.

 

„‚Ihr Idioten!‘, tobte Hitler.“ Bis heute gibt es unzählige Vermutungen über Hitlers Herkunft und seine Motive, diese mit allen Mitteln zu verschleiern. Waren seine „irrsinnigen“ Verwandten das Geheimnis, das Hitler um jeden Preis verbergen wollte? Himmlers Geheimbericht aus 1944 lasse diese Vermutung zu, so eine Analyse in „Civilization“, der Zeitschrift der Library of Congress in Washington, wo die 1945 von amerikanischen Soldaten in München gefundenen Dokumente liegen.

Von seinen ersten politischen Auftritten an hatte Hitler mit Gerüchten über seine mysteriöse Abstammung zu kämpfen. In den zwanziger Jahren kursierte in der NSDAP ein Flugblatt, das ihm vorwarf, er wolle auf „jüdische Art“ die Partei sprengen. 1931 verübte Hitlers Lieblingsnichte Geli Raubal in seiner Münchner Wohnung Selbstmord; danach wurden Fragen nach seiner Familie ganz offen gestellt. Hitler beauftragte Ahnenforscher. Zeitungen im mährischen Polna spürten dort ansässige jüdische Hitlers auf, das „Österreichische Abendblatt“ druckte im Juli 1933 unter der Schlagzeile „Sensationelle Spuren der Juden Hitler in Wien“ Fotos von Hüttler-Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen in Wien. (Sechs Hüttlers sind heute noch im Friedhofsverzeichnis der Israelitischen Kultusgemeinde Wien aufgeführt.)

Von wem Hitlers Vater abstammte, steht bis heute nicht fest: Alois Hitler „vertauschte“ den Namen Schicklgruber mit jenem seines Stiefvaters Hiedler erst, als seine Eltern längst tot waren. Zu „Hitler“ wurde er, weil die Zeugen für die angebliche Vaterschaft Hiedlers des Lesens nicht kundig waren und deshalb nicht bemerkten, dass Notar und Pfarrer „Hitler“ in die Dokumente schrieben.

Als sein in Großbritannien lebender Neffe William Patrick Hitler zu Beginn der dreißiger Jahre in London Interviews über seinen Onkel gab, beorderte dieser ihn nach Deutschland. Und tobte: „Ihr Idioten! Ihr werdet mich noch fertig machen! ... Mit welcher Vorsicht habe ich immer meine Person und meine persönlichen Angelegenheiten vor der Presse verborgen! Die Leute dürfen nicht wissen, wer ich bin. Sie dürfen nicht wissen, woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme!“. So gab William Patricks Mutter, Bridget Hitler, diese Begegnung wieder.

 

„Dieser Esel von Gauleiter“. Sein früheres Elternhaus in Leonding bei Linz besuchte Hitler kurz, das Dorf seiner Eltern, Spital im Waldviertel, in dem er als Kind die Ferien verbracht hatte, nie wieder.

Albert Speer schreibt in seinen Memoiren, er habe einen der heftigsten Wutanfälle Hitlers ausgelöst, als er diesem 1942 von einer „Führer“-Ehrentafel in diesem Dorf erzählte. Speer: „Hitler geriet augenblicklich aus der Fassung und schrie nach Bormann, der bestürzt hereinkam. Hitler fuhr ihn heftig an: Er habe schon oft gesagt, dass dieser Ort auf keinen Fall erwähnt werden solle. Dieser Esel von Gauleiter habe aber gleichwohl dort ein Schild aufgestellt. Sofort sei das zu entfernen.“

Adolf Hitler musste auf seine Herkunft nicht besonders stolz sein, noch musste er sich ihrer schämen, meinte der österreichische Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia später. Die Würde eines Menschen habe mit der Reihe seiner Vorfahren nichts oder nur wenig zu tun.

Doch Hitler ging es bekanntlich nicht um Würde. Er verlangte von den Volksgenossen „Ariernachweise“ und „Ahnenpässe“, auch wenn er selbst seine Ahnenreihe nicht nachweisen konnte.

„Abnormale“ und Geisteskranke hatten im deutschen Volk nach Hitlers Vorstellungen keinen Platz. In seinem 1925 erstmals erschienenen Buch „Mein Kampf“ schrieb er: „Es ist eine Halbheit, unheilbar kranken Menschen die dauernde Möglichkeit einer Verseuchung der übrigen Gesunden zu gewähren.“

Wie dramatisch unterschiedlich die Rollen der entfernten Verwandten Aloisia V. und Adolf Hitler in diesem Volk der „Gesunden“ verteilt sind, zeichnet sich 1932 erstmals klar ab.

Am 23. Januar wird Aloisia, seit Jahren Stubenmädchen im altrenommierten Familienhotel Höller gegenüber vom Messepalast in Wien, zum Amtsarzt gebracht. Der Geschäftsführer des Hotels meint, die stets äußerst gewissenhafte Frau habe sich überarbeitet. Doch der Amtsarzt notiert: „Benimmt sich seit ca. 1 Woche sehr auffällig. Sie fürchtet sich über die Hotelgänge zu gehen. ... Sie sieht Gespenster und möchte eigentlich nur fröhliche Kinderaugen ansehen.“ Der „Abgangsbogen in die Irrenanstalt“ hält auch Aloisias Angst fest: „Pat. (Patientin, Anm.) weint, klagt darüber, dass man sie hergebracht habe.“ In der Spalte „Momente der Störung und Gemeingefährlichkeit“ steht ein Wort: „Wahnideen“.

 

„Erstangriff“. Am 18. Februar fällt das Gericht den Beschluss über Aloisias Internierung in einer geschlossenen Anstalt. Die Begründung gibt das Bild einer verzweifelten Kranken wieder: „Schizophrene Geistesstörung, mit Ratlosigkeit und Depression, Zerfahrenheit, Sinnestäuschungen und Wahnideen. Sie ist geisteskrank.“

Behandelt wird in erster Linie durch Wegsperren. Medikamentöse Therapie gab es damals für schizophrene Patienten nicht, so Michael Hubenstorf, Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Wien.

Hitler ist auf dem Weg zur Macht. Am 22. Februar 1932 gibt Joseph Goebbels Hitlers Kandidatur für das Amt des deutschen Reichspräsidenten bekannt. Im Wahlkampf fürchtet Hitlers Adorantin Winifred Wagner um seine Gesundheit, „Hergott, reibt sich der Mensch jetzt auf!“ (in: Brigitte Hamann: „Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth“). Hitler bekommt 36,8 Prozent der Stimmen. Am 30. Januar 1933 wird er zum Reichskanzler einer Minderheitsregierung ernannt.

Es folgt die Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben, die Zwangssterilisation von Patienten mit Geisteskrankheiten und körperlichen Gebrechen. Hitler preist dieses Gesetz als „Erstangriff gegen diesen drohenden, langsamen Verfall des Volkes“. Vier Jahre später unterschreibt er die geheime Ermächtigung zum Massenmord an den Kranken. Sie trägt das Datum 1. September 1939: An diesem Tag beginnt der Zweite Weltkrieg.

Aloisia V. macht in den Jahren ihrer Internierung Furchtbares durch. Sie lehnt sich verzweifelt auf, verweigert die Nahrung, erleidet Schwächeanfälle. Ende 1935 sagt sie einer Pflegerin, ihr Blut „habe schon den Grad des Todes erreicht, es sei Leichengift darin“. Sie bekommt „künstliche Fütterung“, magert auf 29 Kilogramm ab, wird per Sonde ernährt.

Manchmal erholt sie sich, „bittet um ihre Entlassung, sagt aber im gleichen Atemzug, wo soll ich hingehen? ... Sie habe sich immer nach Wien gesehnt und gehofft, gescheite Leute zu finden, doch wurde sie sehr enttäuscht.“

1937 wird immer öfter „Gitterbett“ in die Krankengeschichte eingetragen. Und am 14. März 1938: „In der Zelle, verweigert die Nahrungsaufnahme.“ Häufig werden Unruhezustände notiert, Aloisia V. bekommt zur Beruhigung Tee mit Opiumextrakt. 1940 scheint es ihr phasenweise besser zu gehen: „Wollte in die Nähstube, war dort nett und fleißig.“ Patienten, die arbeiten können, haben Chancen, der Vernichtung zu entgehen. Aloisia schafft das nicht.

Am 6. Dezember wird sie „in eine unbekannte Anstalt übersetzt“, so der Geheimcode für den Abtransport in die Gaskammer. Ihre Asche wird so wie jene der etwa 30.000 in Hartheim Ermordeten nachts in die Donau oder die Traun gekippt.

1940, im Todesjahr von Aloisia V., wähnt Hitler sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Im Radio sind Siegesmeldungen zu hören: „Deutsche Soldaten auf Wacht vom Nordkap bis zur Biskaya.“

 

„Noch mehr verschleiern“. Für die Zeit nach dem „Endsieg“ planen der „Führer“ und seine Entourage die „Proklamierung Adolf Hitlers zum neuen Messias“. Und wieder ist der Stammbaum Thema: „Durch entsprechende Propaganda (muss) die Herkunft des Führers noch mehr als bisher verschleiert werden.“ Hitler ist hoch zufrieden. Er notiert auf der „Führervorlage“ im August 1943, dies sei der erste brauchbare Vorschlag, er solle an Propagandachef Joseph Goebbels zur Bearbeitung weitergeleitet werden.

In einem seiner Monologe hatte Hitler im Jahr zuvor vieldeutig geraunt: „Vorfahren hat garantiert jeder gehabt. Es gibt keinen, der lebt und keine Vorfahren gehabt hat. Es ist nur ein Zufall, beim einen sind die Bücher verbrannt, beim anderen hat man sie.“

Resümee von Hitler-Biograf Joachim C. Fest: „Kaum eine Erscheinung der Geschichte hat sich so gewaltsam, mit so pedantischer Konsequenz stilisiert und im Persönlichen unauffindbar gemacht.

Die nun entdeckten Akten zeigten, dass Hitler tatsächlich viel zu verbergen hatte, so der amerikanische Historiker Timothy Ryback, der seit Jahren nach Hitlers „verschollener“ Familie forscht. Der Münchner Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger will „die Auffälligkeiten in der Hitler-Seitenlinie der Familie V. untersuchen“. Die Angaben der kriminellen Gestapo seien dafür keine zuverlässige Quelle. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass die von der Gestapo als „schwachsinnig“ bezeichnete Schwester Aloisias, Viktoria, nach Kriegsende Patientin in der geschlossenen Anstalt „Am Feldhof“ in Graz war.

Eisenmenger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, weiß, auf welch heiklem Feld er sich bewegt: „Es könnte durchaus sein, dass die Erkrankung durch die Vorfahren der V. – und nicht der Schicklgrubers – in die Familie eingebracht wurde.“

 

„Onkel Adolf“. Die Nachkommen der Schicklgrubers, der Halbbruder Alois, der in Berlin ein Lokal betrieb, sein Sohn William Patrick, der mit frechen Interviews Furore machte, Halbschwester Angela, die Hitlers Nahverhältnis zu Eva Braun bemäkelte, die Verwandten im Waldviertel: Im Dritten Reich durfte die weit verzweigte Familie des „Führers“ offiziell nicht existieren. „Wir sind ihm zu minder gewesen“, meinte Hitlers Waldviertler Großneffe Johann Schmidt im Sommer 2003. Als Bub musste er still sein, wenn „Onkel Adolf“ im Radio sprach, leibhaftig erlebt hat er ihn nie.

Schmidt wurde mit vier weiteren Cousins Hitlers nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der russischen Spionageabteilung verhaftet. Hitler hatte ihnen kleine Unterstützungen gewährt, was erst aus Akten russischer Archive hervorging. Hitlers Cousin Eduard Schmidt sagte im Moskauer Verhör, Hitler habe ihm 8000 Reichsmark überbringen lassen, für ein kleines Haus, denn Eduard Schmidt litt an einer schweren Rückenkrümmung und war nur bedingt arbeitsfähig. Er wurde wegen Begünstigung durch Hitler verurteilt und starb in der Haft. Johann Schmidt hat als Einziger der Verwandten Hitlers überlebt. Die Spuren der anderen fand der Waldviertler Chronist Wilhelm Romeder in KGB-Gefängnissen und sibirischen Lagern.

Hitlers Schwester Paula schrieb 1955 einem Freund über die von den Sowjets praktizierte Sippenhaftung: „Das Brüderlein würde es ganz in Ordnung finden, dass auch wir nicht verschont blieben.“ Paula musste auf Hitlers Wunsch ihren Familiennamen ablegen: 1936 lud er sie zu den Olympischen Spielen nach Garmisch ein und forderte sie auf: „Ich solle den Namen ,Wolf‘ tragen und im strikten Inkognito leben.“ Ihren Lebensunterhalt bestritt sie mit monatlich 500 Reichsmark, die Hitler ihr überweisen ließ, und entging der Verhaftung durch russische Behörden nur, weil sie auf Weisung aus Berlin-Mitte im April 1945 aus Niederösterreich nach Berchtesgaden gebracht wurde.

Dort lebte sie bis zu ihrem Tod 1960 weiter als „Frau Wolf“. Dokumente über ihre Kontakte mit Nazis, die nach 1945 nach Argentinien geflüchtet waren, sollen demnächst veröffentlicht werden. Ihr Grab in Berchtesgaden wird bis heute von ehemaligen SS-Offizieren bezahlt – einer von ihnen hat verfügt, am selben Ort bestattet zu werden wie Paula Hitler.

Der Einzige, der sich damals offen gegen Hitlers Heimlichtuerei stellte, sie gar publicitywirksam vermarktete, war William Patrick Hitler, der in England geborene Sohn von Adolf Hitlers Halbbruder Alois und Irin Bridget, geborene Dowling.

William Patrick ließ sich von Hitlers Wutausbrüchen nach den ersten Interviews, die er britischen Zeitungen gegeben hatte, nicht beeindrucken. 1939 wanderte er mit seiner Mutter in die USA aus. Das Nachrichtenmagazin „Time“ kündigte seine Ankunft unter dem Titel „Hitler vs. Hitler“ an. Willie wurde in dem Artikel mit der Aussage zitiert, der Naziführer sei „bei der Frage seiner Verwandtschaft extrem angreifbar“. Willie ging in den USA auf Vortragsreise und posierte stolz mit Schlagzeilen wie „To Hell with Hitler“.

1943 schrieb Hitlers damals 32-jähriger Neffe direkt an den amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt: In einem dreiseitigen Brief legte er dar, er wolle gegen Hitler in den Krieg ziehen, und bat um Aufnahme in die US-Streitkräfte. 1944 kam er in die amerikanische Navy, zwei Jahre später beendete er dort seinen Einsatz, ausgezeichnet mit der Weltkriegs-Siegesmedaille. Die Verabschiedung war William Patrick Hitlers letzter öffentlicher Auftritt. Dann änderte er, wie sein in Hamburg lebender Vater Alois Hitler, seinen Namen. Ein britischer Journalist fand die Familie nach langer Suche auf Long Island.
Sein Buch über die „Letzten Hitlers“ kennen auch die Verwandten, die heute noch im Waldviertel leben.

 

Adolf Hitler. Offiziell hatte Hitler kein privates Umfeld. Familiäre Beziehungen pflegte er heimlich. Nach dem Krieg wurde ein Teil seiner Verwandten Opfer von Sippenhaftung, andere hielten Hitlers Ehre weiter eisern hoch.

Frühjahr 1945. Adolf Hitler hat „den Tod dem feigen Absetzen oder gar einer Kapitulation vorgezogen“, so sein in den Morgenstunden des 29. April diktiertes Testament.

Adjutant Julius Schaub hat den letzten Auftrag des „Führers“ erfüllt und die privaten Dokumente aus Hitlers Wohnung am Münchner Prinzregentenplatz auf dem „Berghof“ am Obersalzberg vernichtet. Im Münchner Hauptquartier der NSDAP können amerikanische Truppen jedoch kistenweise Unterlagen bergen. Darunter auch solche, nach denen der US-Geheimdienst lange vergeblich geforscht hat: etwa die „Geheime Reichssache“, in der Heinrich Himmlers Gestapo zu Beginn des kriegswichtigen Jahres 1944 über eine Häufung von Geisteskrankheiten in Hitlers Verwandtschaft berichtet hatte. Dass Hitlers Großcousine Aloisia V., Schizophreniepatientin in Wien, in der Gaskammer ermordet wurde, sollte erst sechzig Jahre später entdeckt werden.

Zur Einschätzung des Kriegsgegners hat das Office of Strategic Services (OSS), Vorläufer des US-Geheimdienstes CIA, bereits 1942 ein psychologisches Profil Adolf Hitlers angefordert. Betraut wird damit der Psychoanalytiker und Freud-Schüler Walter Langer. Er versucht zunächst, Hitlers mit allen Mitteln verschleierte Herkunft zu ergründen, und stößt dabei auf die erst durch kirchlichen Dispens ermöglichte Ehe der Eltern: Alois Hitler hatte seine um 23 Jahre jüngere Cousine zweiten Grades, Klara, geheiratet. Langer sucht auch nach noch lebenden Mitgliedern der Familie und trifft den in die USA ausgewanderten Neffen William Patrick Hitler zu langen Gesprächen.

Im Mai 1945 spüren US-Geheimdienstleute in Berchtesgaden dessen engste Verwandte auf: Schwester Paula und Halbschwester Angela. Sie waren auf Befehl aus Berlin knapp vor dem Ende des Krieges von SS-Männern hierher gebracht worden, Paula aus Weiten in Niederösterreich, Angela aus Dresden. Auf Hitlers mündliche Anweisung folgte Adjutant Schaub ihnen 100.000 Reichsmark aus.

Als Geheimdienstoffizier George Allen Paula in ihrem Versteck antrifft, will sie weg, sagt, sie müsse noch zum Bäcker. Allen verspricht ihr einen Laib Brot und beginnt mit der Befragung. Paula Hitler erzählt Freundliches: Sie schwärmt vom Einkaufsbummel, zu dem der Bruder sie „sehr charmant“ eingeladen hatte, als er 1921 plötzlich in Wien auftauchte; seit dem Tod der Mutter 1908 hatte sie nichts von ihm gehört. Sie erzählt von seinen Essgewohnheiten („Er hat sich nie viel aus Fleisch gemacht“) und dass sie ihn ab 1929 jedes Jahr einmal getroffen habe, in München, Nürnberg, Berlin, Wien, zuletzt 1941. Sein Ende gehe ihr furchtbar nahe, „unabhängig von allem, was passiert ist“. Als sie zu weinen beginnt, bricht Officer Allen die Einvernahme ab.

Angela Raubal Hitlers Halbschwester war als Wirtschafterin auf dem Obersalzberg über Jahre hinweg Teil des innersten NS-Zirkels und blieb es auch nach dem mysteriösen Selbstmord ihrer Tochter Geli (die berühmte "Nichte Geli" dürfte bekannt sein) 1931. In der Befragung durch amerikanische Beamte meint sie zum Freitod ihrer 32-jährigen Tochter nur: „Ich kann nicht verstehen, warum sie es tat. Vielleicht war es ein Unfall, und Angela tötete sich, während sie mit der Pistole spielte, die sie sich unter der Hand von ihm beschafft hatte.“

Dann gibt Hitlers Halbschwester zu Protokoll, was nach Kriegsende so viele sagen sollten: „Sie wusste damals nichts von den Bedingungen in den Konzentrationslagern." Und sie fügt hinzu, dass der Bruder das nicht toleriert hätte, hätte er davon gewusst.

 

„Nichts als Sorgen“. Die Verhörspezialisten charakterisieren die 62-Jährige erkennbar befremdet: „Eine Frau ohne psychologisches Verständnis. Sie scheint den Aufstieg ihres Halbbruders mit Staunen, aber ohne jede tiefere Auseinandersetzung erlebt zu haben. Folgt man ihr, sah sie ihn immer nur als Bruder. Sie glaubt, dass er ein Opfer des Schicksals war, er habe nichts als Sorgen und Desillusionierung erlebt.

Resümee: „Die Tatsache, dass es ihr Bruder war, der über das Schicksal ungezählter Millionen Menschen entschieden hat, scheint nicht bis zu ihrem geistigen Inneren durchgedrungen zu sein. Äußerlich weiß sie es, aber sie schiebt es ab auf das Schicksal.“

Im Waldviertel verhaftet die sowjetische Spionageabwehr unterdessen fünf Verwandte Hitlers. In ihren Verhören durch Stalins Sondertruppe sind die Millionen Opfer in den Konzentrationslagern, der Massenmord an den Juden, kein Thema.

Auch im abgelegenen Waldviertel hat der nationalsozialistische Terror Opfer gefordert. Josef Haumer, Bürger von Spital, dem Heimatdorf der Hitler-Eltern, erzählt von einem Kaufmann, der „verschwunden ist, später wurde sein Gewand geschickt“.

Johann Schmidt, der als Einziger der Verwandten Hitlers die sowjetische Haft überlebt hat, redet darüber nicht. Als Journalisten ihn im Sommer 2003 treffen, sagt er jedoch unvermittelt: „Der Untersuchungsrichter in Moskau hat Weinberg g’heißen, da weiß ma’ eh alles.“ Weinberg sei Jude gewesen. Er und Spitzel, die in seine Zelle gesetzt wurden, hätten ihn, den Großneffen Hitlers, „umschulen wollen, auf einen Kommunisten“.

Zu Hitler fällt dem 77-Jährigen, der eigenen Angaben zufolge als 17-Jähriger der SS zugeteilt worden war, nur ein, was in den Dörfern seit Jahrzehnten weitergegeben wird: die Geschichte vom jungen Hitler, der Frösche tötete und zerlegte, als er zur Sommerfrische da war. Und, später, die väterliche Ermahnung vor dem Volksempfänger: „Seids still, der Adolf redt!“

War der Vater, damals NS-Bürgermeister des Dorfs, stolz auf den Onkel? Johann Schmidt: „Stolz? Na jo. Der Hitler hat auf die Freindschaft (Anm. Verwandtschaft) nix geb’n. Wir waren ihm zu minder.“

Natürlich hatte Hitler, der sich nie als Alltagsmensch, sondern in heroischen Bildbänden präsentieren ließ (solche Bände standen auch in der Bibliothek des Konzentrationslagers Buchenwald), familiäre Bindungen. Wie seine willigen Vollstrecker war er Sohn, Bruder, Schwager, Onkel. Er überwies Geld für Weihnachtsgeschenke – etwa an Halbbruder Alois: „Bitte Dich, dem kleinen Heinzi davon eine Freude zu verschaffen. Ihr wisst besser als ich, was er sich ersehnt.“ Er versuchte vergeblich, seinen Neffen Leo Raubal, der in russische Gefangenschaft gekommen war, gegen Stalins Sohn Jakob freizubekommen, der den Deutschen in die Hände gefallen war.

 

„Erlebnisse mit dem Führer“. Der amerikanische Historiker Timothy Ryback setzte sich in renommierten Magazinen wie „The New Yorker“, „The Atlantic Monthly“ oder „Cicero“ mit Hitlers verschleiertem Familienumfeld auseinander. Hitler, so Ryback, „hatte familiäre Bindungen, und mitunter hat er sogar für die Verwandten gesorgt. Der Terror, der von ihm ausging, erscheint mit diesem Wissen noch maßloser.“

Wie gehen die noch lebenden Verwandten damit um? Ein Großcousin Hitlers, der auf dem bäuerlichen Hof lebt, auf den seine Großmutter Theresia ihre Schwester Klara Hitler und deren Kinder in den Ferien eingeladen hatte: „Wir haben nie etwas wissen wollen. Heute frage ich mich, ob’s gut war.“ Seine Frau sagt: „Man wird von manchen schief angesehen. Obwohl man nichts kann dafür.“ Das Schweigen habe sie belastet: „Mir ist leid, dass überhaupt nicht geredet worden ist. Und heute kann man niemanden mehr fragen.“

Der Vorbesitzer des Hofes, ein Cousin Hitlers, wurde fünf Tage nach dem NS-Putsch und Mord an Österreichs Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Juli 1934 mit sechs Wochen Arrest bestraft: Man hatte bei ihm Gewehre, Munition und SA-Ausrüstungen gefunden.

Paula Hitler, damals gerade auf Besuch, kommentierte die Hausdurchsuchung erregt: „Das sind Terrorakte der Regierung, das ist eine Schweinerei, ich werde dies meinem Bruder sagen, der entsprechende Maßnahmen anordnen wird.“ Nach telefonischer Rücksprache mit dem Bundeskanzleramt wurde sie verwarnt und auf freien Fuß gesetzt.

Hin und wieder etwas Geld war alles, was die in einem Nachbarort lebenden Koppensteiners von ihren Tanten Angela und Paula Hitler bekommen hatten. Die Eltern wurden nach Moskau verschleppt, die vier Kinder hörten nie wieder von ihnen. Der jüngste Sohn war fünf, als die Mutter abgeholt wurde, die Erinnerung daran setzt ihm immer noch zu. Seine Frau: „1945 hat ihnen niemand geholfen, wir wollen von dem Ganzen nichts mehr wissen.“

Hilfe kam auch nicht von Paula Hitler oder ihrer Halbschwester Angela. Paula lapidar zum Tod ihrer Verwandten in russischer Haft, „das Brüderlein würde es ganz in Ordnung finden, dass auch wir nicht verschont blieben“.

Beide versuchten, ihre Nähe zum „Führer“ zu Geld zu machen. Angela unterschrieb 1941 einen Vertrag mit dem Eher-Verlag über die „Rechte ihrer Aufzeichnungen der Erlebnisse mit dem Führer“. Ihr Honorar betrug 20.000 Reichsmark – der Verlag machte mit Hitlers „Mein Kampf“ Millionenumsätze.

Paula verhandelte in den fünfziger Jahren über die Veröffentlichung ihrer Aufzeichnungen, zog das Vorhaben aber zornig über Korrekturen ihres Verlegers zurück. Sie bekam Hilfspakete und Zuspruch von hohen Nazis, die nach Lateinamerika geflüchtet waren. Einem Freund schrieb sie, Hans Ulrich Rudel habe sie besucht: Rudel, unter Hitler hochdekorierter Pilot, war Luftwaffenberater des argentinischen Diktators Peron geworden und gründete in Südamerika die „Eichmann-Runde“, eine Auffangstelle für Ex-Nazis.

 

„Wie Gotteslästerung“. In regem Kontakt stand Paula Hitler alias Wolf mit einem zentralen Propagandamann des Dritten Reichs: Helmut Sündermann, der schon beim „Anschluss“ Österreichs 1938 als Berichterstatter dabei gewesen war. Ihm vertraute sie ihre politische Hoffnung an: „Ich höre immer wieder, in Österreich hätte sich ein nationales Kraftreservoir gebildet, mit dem man rechnen müsse.“ Und verhehlte ihre Enttäuschung über die Wahl des Sozialdemokraten Adolf Schärf 1957 nicht: „Nun hat Österreich einen neuen Bundespräsidenten, und er müsste nicht Schärf heißen, wenn sich die Menschen überlegen würden, ob sie rechts oder links stehen wollen.“

Vor US-Offizier Allen hatte Paula ihre Überzeugungen noch verheimlicht, später hielt sie damit nicht mehr hinter dem Berg. Hitlers Schwester im Herbst 1957 über das vom Linzer Fran Jetzinger publizierte Buch „Hitlers Jugend“: „Wenn ein Österreicher den größten Sohn seiner Heimat durch den Dreck zieht, und niemand fällt ihm in den Arm, dann ist es gerade für mich so viel wie Gotteslästerung.“ (Paulas bisher unbekannte Briefe werden vom Theologen und Pfarrer Alfred Läpple im rechtsgerichteten Druffel-Verlag publiziert.

Paula Hitler kämpfte bis zuletzt um Ehre und Erbe ihres Bruders. Knapp vor ihrem Tod 1960 wurde ihr ein gerichtlicher „Erbschein“ ausgestellt. Die nächsten Anspruchberechtigten wären Sohn und Tochter von Leo Raubal. Sie wollen von Hitlers Erbe nichts wisssen. Begründung: „Kein Interesse.“ Weitere Fragen lehnen sie ab. "

 

Zum Neffen noch kurz was:

Leseprobe aus Wolfgang Zdral "Die Hitlers Die unbekannte Familie des Führers" (ISBN 3-593-37457-9):

"Der junge William ist begeistert, das Live-Erlebnis in Nürnberg macht ihm schlagartig klar: Sein Onkel Adolf ist nicht nur berühmt, sondern auch ein mächtiger Mann. Ein Politiker, der kostspielige Parteitage inszenieren lässt, der alle mühelos auf seine Person als "Führer" einschwört, bei dem ein Wort reicht, um Berge zu versetzen. Und er, William Patrick Hitler, ist der Neffe dieses Mannes. Bei einem zweiten Besuch ein Jahr später vertieft William in Gesprächen sein Wissen über die Familie, lernt Deutsch.
Zurück in London zaudert er nicht lange, nimmt Kontakt mit der Presse auf und gibt die folgenschweren Interviews in den beiden Zeitungen, die ihn wieder nach Berlin führen und diesmal seinem Onkel von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten lassen. Mit dem Leugnen der Verwandtschaft macht Adolf Hitler einen Fehler: Er rechnet nicht mit der Hartnäckigkeit seines englischen Neffen. "Als mein Vater meine Nichtanerkennung durch Hitler mitbekam, wandte er sich ebenfalls gegen mich und schickte mich nach England zurück", berichtet William Patrick, "ich merkte, wenn Hitler mich als Hochstapler denunzieren wollte, würde mein Vater sicher zu ihm halten - was ich brauchte, war ein wasserdichter Beweis, dass ich Adolf Hitlers Neffe war."

 

Suche nach der Identität

William Patrick will einfach nicht glauben, dass zwischen ihm und Adolf Hitler keinerlei Blutsverwandtschaft besteht, dass er, wie behauptet, ein unbedeutender Hitler aus London ist, der nur zufällig den gleichen Namen trägt wie der Parteichef aus Deutschland. Und er verkündet, er sei "entschlossen, den Namen zu behalten". William Patrick beginnt auf eigene Faust mit Nachforschungen. Er schreibt an die Stadt München - ohne Ergebnis. Er wendet sich an Dr. Frederick Kaltenegger, Rechtsanwalt der englischen Botschaft in Wien. Der Jurist reist ins Waldviertel und nach Braunau und besorgt die Geburtsurkunden von Alois Hitler und die Heiratsurkunden der Hitler-Eltern. Mit Datum 31. Juli 1933 schickt er die Dokumente zu William nach London, versieht den Vorgang mit dem Aktenzeichen AS 23.94. Eine Kopie des Taufscheins und Geburtszeugnisses von Adolf Hitler, ausgestellt in Braunau am Inn am 7. September 1933, treibt der Botschaftsangestellte später ebenfalls auf. Als Honorar für seine Bemühungen schlägt Kaltenegger ein englisches Pfund vor, "unter der Voraussetzung, dass Sie sich das leisten können. Ansonsten zahlen Sie, was sie können."

Die Vermutung, William Patrick sei möglicherweise klamm, kommt nicht von ungefähr. Seine Mutter ist ohne Job, und er hat seine Arbeit in der Ingenieursfirma ebenfalls verloren. "Ich konnte keine neue finden. Unzählige Male hatte ich mich beworben, vorgestellt. Aber im letzten Moment wurde ich immer wieder wegen meines Namens abgelehnt. Wie ist Ihr Name noch gleich? Hitler? Sofort verschlossen sich ihre Mienen. Nein, ich schien nicht der geeignete Mann für die fragliche Stelle zu sein." 
Das soll nun anders werden. Er schreibt seinem Vater und seinem Onkel Adolf und beschließt, sein Glück in Deutschland zu machen. William hat einen Trumpf in der Hand: Dokumente, die eindeutig beweisen, dass er einer der Hitlers ist. Die Originalunterlagen sperrt er in ein Schließfach einer Londoner Bank. Im Oktober 1933 trifft Hitlers Neffe in Berlin ein. Vater Alois nimmt ihn freundlich auf. Doch sein Sohn ist nicht nach Berlin gereist, um hier Urlaub zu machen. Er hat eine Stelle in einem Berliner Kaufhaus in Aussicht, benötigt dazu jedoch erst einmal eine Arbeitserlaubnis. Sein potenzieller Arbeitgeber meldet Zweifel an, ob Hitler damit einverstanden wäre, wenn jemand mit seinem Namen in Deutschland als Verkäufer arbeiten würde. Es sei daher besser, William Patrick würde sich erst einmal mit Angela in Verbindung setzen.

Angela gibt sich kühl und abweisend und überbringt die Botschaft, "dass Hitler mich nicht als Verwandten ansieht und nichts für mich tun wird", berichtet William Patrick. "Aber als ich ihr die Dokumente zeigte, die ich gesammelt hatte, änderte sich ihre Haltung sofort und sie bot mir an, mich zu Hitler zu bringen. In der nächsten Woche empfing er uns in seinem Büro und fragte mich mit bemühter Freundlichkeit, welche Arbeit ich bevorzuge und gab mir 500 Mark, damit ich die Zeit bis zum Job überbrücken konnte. Offensichtlich erweichten meine Unterlagen sein Herz!"
Ganz so herzerweichend wie in seiner Schilderung hat sich der 22-Jährige wohl nicht gezeigt. Vielmehr lässt er durchblicken, er könne mit seinen Belegen auch wieder an die Presse gehen, wohl wissend, wie sehr sein Onkel das Licht der Öffentlichkeit scheut. Er will jetzt auch sein Stück vom Kuchen. Schließlich sitzt sein Onkel nun in der Reichskanzlei und gebietet über ganz Deutschland und über eine prall gefüllte Staats- und Parteikasse. Ein Wink von Adolf Hitler - und Neffe Willie hätte keine Geldsorgen mehr.
Onkel Adolf verschafft den Neffen letztendlich eine Stelle bei Opel. Es scheint, als hätte William, der mit dieser Stelle höchst unzufrieden war, versucht, sowohl den Vater als auch den Onkel zu erpressen. Als dieser Plan scheiterte, ging William nach England zurück und wurde als britischer Staatsbürger ein professioneller Redner...

 

Paula Hitler

Paula Hitler (auch als: Paula Hiedler - und später als: Paula Wolf oder Wolff (nach einem Spitznamen des Bruders Adolf) (* 21. Januar 1896 Hafeld, † 1. Juni 1960 Berchtesgaden) war eine Schwester Adolf Hitlers.

Paula Hitler war die jüngste (und einzige überlebende Voll-)Schwester Adolf Hitlers und die Tochter Alois Hitlers und dessen dritter Frau Klara. Nach Aussage ihres Neffen William Patrick Hitler kamen Paula und Adolf in ihrer Kindheit nicht sehr gut miteinander aus. Es soll einige Verstimmungen und Eifersüchteleien gegeben haben, vor allem, dass sich Alois Jr. oft auf die Seite der Schwester geschlagen haben soll.

Ihr Schicksal nach dem Tod ihrer Mutter (1907) liegt weithin im Dunkeln. Es ist nur bekannt, dass Adolf sie und Angela noch unterstützte. Eine zum Missfallen Adolfs in Wien vollzogene Verlobung der Schwester mit einem (vielleicht nur später so genannten) Juden nennt lediglich Pickert (16). Nach 1938 lebte Paula Hitler dann allein und unter ärmlichen Verhältnissen in einer Dachstube in Wien. Hier hatte sie sich bereits - offensichtlich auf Betreiben ihres Bruders - den Namen †žWolf†œ zugelegt. Dennoch scheint es einem nicht weiter bekannten Dr. Bloch (vermutlich Edward Bloch) gelungen zu sein, diese Wohnung aufzufinden. Bloch kam mit der Bitte, Paula Hitler möge für ihn Fürsprache bei ihrem Bruder halten, dass ihm der Zugang zu seinem Vermögen, das er bei seiner Emigration ins Ausland mitzunehmen gedachte, wiederverschafft würde: Er klopfte an Paulas Tür, erhielt aber keine Antwort, außer der eines Nachbarn, der ihm erklärte, Frau Wolf empfange niemanden.

Ob Adolf, wie manchenorts behauptet wird, seine Schwester bis 1933 finanziell unterstützte, ist nicht mehr gesichert nachweisbar. Nach 1933 ist eine Geldzuwendung zumindest wahrscheinlicher. Vielleicht war hieran eine Stillschweige-Bedingung geknüpft, wie sich mutmaßen lässt. Ob und wann sich das Verhältnis zwischen den Geschwistern normalisiert haben könnte, bleibt offen. Nach William Patrick Hitler, der Paula als †žetwas dümmlich†œ beschrieb, nahm Adolfs Interesse an der Schwester erst zu, als er sich mit Angela 1938 überworfen hatte. Hierfür ließe sich geltend machen, dass die Schwester den Bruder bei den Bayreuther Festspielen 1939 als Paula Wolf begleitete.

Für 1942 druckt Pickert dann einen Brief ab, der - einem Essenskorb beigefügt - eine entspanntere Beziehung vermuten lässt: "Liebe Paula! Aus Anlass meines Geburtstages erhielt ich sehr viel Liebesgaben. Nimm die kleine Kostprobe davon entgegen in dem Wunsch, dass Dir alles gut schmecken möge. [...] Mit herzlichen Grüßen! Adolf Hitler."

Eine bereits 1938 von Hitler testamentarisch ausgesetzte Leibrente von je 1.000 RM für Paula wie Angela, wurde noch am 29. April 1945 dahingehend präzisiert, dass die Rente »zur Erhaltung eines kleinen bürgerlichen Lebens« (nach: Pickert) ausreichen solle.

Im Mai 1945 wurde Paula Wolff von den amerikanischen Besatzungstruppen gefangengenommen und verhört. Neben aller Ungläubigkeit über die Taten ihres Bruders betonte sie, welche Trauer ihr doch der Tod ihres Bruders bereitet habe. "Er sei doch trotz allem ihr Bruder gewesen." betonte sie.

Paula wurde entlassen und kehrte nach Wien zurück, wo sie in einem Kunstgeschäft arbeitete. Am 1. Dezember 1952 zog sie in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe von Berchtesgaden, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Sie wurde auf dem Bergfriedhof in Berchtesgaden begraben und ist die einzige Person der Familie, die den Namen Hitler auf ihrem Grabstein trägt.

Weblinks
Englischsprachige Infos über Paula Hitler/Wolff (http://www.shoah.dk/Paula/Default.htm)

Personendaten
NAME: Hitler, Paula
ALTERNATIVNAMEN: Paula Hiedler, Paula Wolf, Paula Wolff
KURZBESCHREIBUNG: Schwester Adolf Hitlers
GEBURTSDATUM: 21. Januar 1896
GEBURTSORT: Hafeld
STERBEDATUM: 1. Juni 1960
STERBEORT: Berchtesgaden

 

William Patrick Hitler

William Patrick Hitler (* 1911 in Liverpool; † 1987) war der Neffe Adolf Hitlers und der Sohn von Alois Hitler Junior

William Hitler arbeitete als Buchhalter in London. Als dann sein Onkel Adolf an die Macht kam, erwartete er, seine Familie nun versorgt zu sehen, gab seine Stelle auf und reiste nach Deutschland. Nach der Kontaktaufnahme, die Adolf Hitler wenig angenehm gewesen sein dürfte, verschaffte der Onkel den Neffen eine Stelle bei Opel. Es scheint, als hätte William, der mit dieser Stelle höchst unzufrieden war, versucht, sowohl den Vater als auch den Onkel zu erpressen. Als dieser Plan scheiterte, ging William nach England zurück und wurde als britischer Staatsbürger ein professioneller Redner. Später schrieb er ein Buch über seine Erfahrungen mit und Assoziationen zu Adolf Hitler.

William Hitler hatte mit seiner Frau Phyllis (* 1925), die er 1947 ehelichte, vier Kinder: Alexander Adolf Hitler (* 1949), Louis Hitler (* 1951), Howard Hitler (* 1957, † 1989 bei einem Autounfall) und Brian Hitler (* 1965).

Literatur
Gardner, David : The last of the Hitlers. - Worcester : BMM, 2001. - VIII, 197 S. : Ill. ISBN 0-9541544-0-1

Personendaten
NAME: II., Eduard
KURZBESCHREIBUNG: Neffe Adolf Hitlers und der Sohn von Alois Hitler Junior
GEBURTSDATUM: 1911
GEBURTSORT: Liverpool
STERBEDATUM: 1987

 

Angela Hammitsch

Angela Hammitsch (geb. Hitler, verh. Raubal, fälschlich tlw. auch: Angelika) (* 1882, † 1949) war eine Schwester von Adolf Hitler.

Angela Hitler war die Tochter des Alois Hitler und dessen zweiter Ehefrau Franziska Matzelsberger, die kurz nach der Geburt des Kindes 1883 verstarb. Angela, die als einzige der Hitler-Geschwister nach übereinstimmender Auskunft der wenigen biografischen Zeugnisse keine psychopathologischen Züge, wie ihre (überblebenden) Brüder und Schwestern, aufgewiesen zu haben scheint, stand als Kind ihrem Adolf sehr nahe. Später sollte sie dann auch die einzige lebende Verwandte sein, die Adolf Hitler nicht verleugnete.

Als 1907 Klara Hitler, die dritte Gattin des Alois Hitler, verstarb und eine kleine Erbschaft zwischen den Kindern aufzuteilen war, scheint diese Beziehung noch Bestand gehabt zu haben. Zumindest ist überliefert, dass der Bruder die Schwestern, Angela wie auch Paula, finanziell unterstützen musste, bis Angela dann in Linz einen Beamten namens Raubal heiratete, der aber kurz darauf verstarb. Angela zog nach Wien und wurde während des Krieges Leiterin der Mensa Academica Judaica.

Die als grosswüchsige, rustikale und energische Frau beschriebene Angela, von der später kein Wort der Verurteilung des Holocausts zu vernehmen war, soll in jener Zeit noch jüdische Studenten mit einem Knüppel in der Hand energisch gegen Angriffe so genannter "arischer" Kommilitonen verteidigt haben. Der Kontakt zu dem Bruder Adolf scheint erst wieder aufgenommen worden zu sein, als der aus dem Dienst der Armee entlassen wurde. Mancherorts ist aber auch berichtet, Angela habe den Bruder von Wien aus besucht, als dieser in Landsberg stationiert war.

1924 (oder 1925) zog Angela dann mit ihren Töchtern Geli und Friedl (und ihrem Sohn Leo (?)) nach München und führte Adolf den Haushalt. Später übernahm sie die Führung des Hauses Wachenfeld auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. 1936 kam es dann zum Bruch zwischen Adolf und Angela und diese verließ samt ihrer Tochter Berchtesgaden und zog nach Dresden, wo sie dann einen Professor Hamitsch heiratete. William Patrick Hitler behauptete, der Grund für den Bruch sei eine zu offene Haltung Angelas zu Hermann Göring gewesen, der damals die Absicht verfolgte, das Land rund um Hitlers Haus in Berchdesgaden zu kaufen. In jedem Fall gab es danach nur noch wenig Kontakt zwischen den Geschwistern. Auch war Adolf bei der zweiten Hochzeit Angelas nicht anwesend.

Personendaten
NAME: Hammitsch, Angela
KURZBESCHREIBUNG: eine Schwester des Adolf Hitler
GEBURTSDATUM: 1882
STERBEDATUM: 1949

 

Geli Raubal

Angelika "Geli" Maria Raubal (* 4. Juni 1908 in Linz; † 18. September 1931 in Berchtesgaden) war die Nichte von Adolf Hitler.

Geli wurde am 4. Juni 1908 in Linz geboren als Tochter der Angela Hammitsch (damals noch: Raubal), einer Schwester Adolf Hitlers.
Im Alter von 15 Jahren wurde Adolf Hitler zum Vormund Gelis ernannt. Mit 17 Jahren zog sie mit ihrer Mutter zum Onkel nach Berchtesgaden. Beschrieben wird Geli als
"[...] strahlend hübsche, lebenslustige, brünette Linzerin mit [...] Wiener Charme und einem schalkhaften Lachen in ihren reh-braunen Augen [...]« beschrieben, die »[...] ständig von Verehrern umgeben [...] war." (Pickert).

Gerade dies dürfte dem Onkel wenig behagt haben, so dass er die Nichte stark gängelte. Am 18. September 1931, wenige Stunden nach einem Streit mit Adolf Hilter, erschoss sich Geli. Die näheren Gründe wurden nicht zur Gänze geklärt. Die 1985 zur Klärung der genauen Todesumstände von dem Wiener Möbelrestaurator Hans Horvath finanzierte und geplante Exhumierung der Leichte der Geli Raubal scheiterte daran, dass eine örtliche Eruierung der - in der Zwischenzeit längst planierten und umgestalteten - Grabstätte auf dem Wiener Zentralfriedhof nicht mehr möglich ist.

Hitler, der zumindest vorgab, den Suizid seiner Nichte nicht überwinden zu können, soll später offen geäußert haben, ihre Beziehung sei »restlos am Generationenproblem« gescheitert. Der Grundsatz für die Hitlerjugend, »Jugend muss von der Jugend geführt werden«, soll durch diese Erfahrung geprägt worden sein. Auch beließ Hitler das Zimmer der Nichte unverändert wie auch unzugänglich. Lediglich eine später von Ferdinand Liebermann geschaffene Büste Gelis soll dann hineingeschafft worden sein.

Kaum eine der Frauen aus dem Dunstkreis der NS-Elite - vielleicht mit Ausnahme von Magda Goebbels - hat die Fantasie der Nachwelt so entzündet wie Hitlers Nichte. Die meisten Spekulationen sind eng mit Hitlers Sexualleben verknüpft. War Geli Hitlers Geliebte; war es tatsächlich Selbstmord? Die persönliche Bedeutung der Geli Raubal für Ihren Onkel wird nicht geklärt werden können; ebenso wie die Herkunft einer Aktstudie der 21-jährigen Geli. Von dieser ist bis heute unklar wer sie zeichnete: Kujau oder Adolf Hitler

Personendaten
NAME
: Raubal, Geli
ALTERNATIVNAMEN: Raubal, Angelika Maria
GEBURTSDATUM: 4. Juni 1908
GEBURTSORT:
Linz
STERBEDATUM: 18. September 1931

 

Stammbaum Hitlers:

 

 

 

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