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Am
6. Juni 1944 um halb zwei Uhr Nachts wurden britische und amerikanische
Fallschirmjäger bei Caen und Saint-Lô abgesetzt, eine
gigantische Luftflotte begann mit der Bombardierung der vorgelagerten
Küstenabschnitte. Die Invasion Frankreichs stand unmittelbar bevor. Es
war der 1453 Tag der deutschen Besetzung Frankreichs.
Britische Zerstörer hatten Vorpostenboote und Minensucher angegriffen,
Schnellboote wurden vor der Küste gesichtet, die Ortungsgeräte fassten
Minenleger auf. Nacht für Nacht gingen Boote verloren. Sie liefen auf
Minen, wurden torpediert oder von überlegener britischer Artillerie
zusammengeschossen... Zerstörer, Torpedoboote und Schnellboote waren
für die deutsche Marine beinahe die einzigen Kriegsfahrzeuge, die noch
mit Aussicht auf Erfolg in der Nähe der alliierten Landeköpfe
operieren konnten. Erbarmungslos wurden sie gejagt und durch gezielte
Bombenwürfe der "Fliegenden Festungen" ausgeschaltet. Ihre
Wracks verstopften die Hafenbecken zwischen Brest und Le Havre. Die
Amerikaner hatten den Kriegshafen Cherbourg erobert.
Unter gewaltigem Materialeinsatz (über 5.000 Schiffe und 10.500
Flugzeuge) landeten die Alliierten an jenem Morgen des 6. Juni 1944 in
der Normandie und eröffneten die Zweite Front. Sie bildeten mehrere
Landeköpfe, vereinigten sich und durchstießen anschließend die
Halbinsel Cotentin. Die Landungskorps kamen aus den Häfen von Falmouth,
Plymouth, Portland, Bournemouth, Southhampton, Portsmouth, Brighton,
London und Ipswich. Im Invasionsraum waren mehrere
Luftlandedivisionen niedergegangen und hatten sich trotz schwerer
Verluste halten können, meist an wichtigen Brücken und Kreuzungen. In
den Morgenstunden des 6. Juni erschien dann eine gewaltige Armada.
Während die Truppen in Landefahrzeuge umstiegen, hatten
Schlachtschiffe, Kreuzer und Zerstörer die Küstenabschnitte der
Normandie umgepflügt.
Die ersten Amerikaner erstürmten die Küste um 6 Uhr 30; im britischen
Abschnitt erfolgte die Landung eine Stunde später. Pioniere hatten die
Landungsabwehrsperren beseitigt, Panzer und Infanterie den Weg bereitet.
Mehrere Geschwader Bomberflugzeuge und Schwärme von Jagdbomber
verhinderten die Heranführung deutscher Verstärkungen und Reserven aus
den Bereitstellungen im Hinterland der Küste. Alle Brückenköpfe
wurden von den Invasoren gehalten, vor allem wegen der
Luftüberlegenheit. Nachdem sich die fünf Landungsköpfe vereinigt
hatten, beherrschten die Alliierten ein Aufmarschgebiet von mindestens
zehn Kilometer Tiefe und mehr als sechzig Kilometer Breite. Ein
errichteter künstlicher Hafen ermöglichte das Ausladen von schweren
Waffen. Fast eine Viertelmillion Mann waren schon nach kurzer Zeit auf
dem Kontinent. Der britische "Soldatensender Atlantik" sendete
echt klingende Berichte; sogar offizielle Wehrmachtsberichte wurden
über diesen Sender ausgestrahlt, manchmal mit kaum erkennbaren
Änderungen.
Die Lage in der Normandie war für die Wehrmacht nicht erfreulich. Nicht
besser sah es im Osten aus, wo der gesamte Mittelabschnitt auf mehrere
hundert Kilometer zusammengebrochen war.
An der Invasionsfront durchstießen die Alliierten die Halbinsel
Cotentin und hatten mehrere deutsche Divisionen abgeschnitten. Mitte
Juni hatten die alliierten Truppen die Linie Lessay-St.-Lô-Caen
erreicht. Im Landungsraum standen bereits dreißig Infanterie- und
dreizehn Panzerdivisionen. Ihre Aktionen wurden von der französischen
Widerstandsbewegung unterstützt, deren Kampf inzwischen in den
allgemeinen bewaffneten Aufstand übergegangen war.
Obwohl die deutschen Heeresverbände zahlenmäßig unterlegen waren,
kamen die Alliierten nur langsam vorwärts. Um so heftiger und
konzentrierter nutzten sie ihre Überlegenheit im Luftraum. Fast
pausenlos starteten ihre Maschinen von den Flugplätzen der Normandie.
Der Flakalarm wurde bei den deutschen Flottenverbänden zum
Dauerzustand.
Der Eisenbahnverkehr nach der Küste war vollkommen lahmgelegt. Männer
der Résistance sprengten Züge, zerstörten Brücken, montierten Gleise
ab. Tagsüber patrouillierten Jagdbomber entlang den Strassen.
Am 20. Juli wurde ein Anschlag auf das Führerhauptquartier versucht.
Oberst von Stauffenberg hatte sich mit einer Bombe in der Aktentasche zu
Hitler gewagt. Die Bombe explodierte, als Stauffenberg bereits wieder
fort war. Mehrere Tote, der Führer kam wiedereinmal ungeschoren davon,
der schwere Tisch und die geöffneten Fenster leiteten den
Explosionsdruck nach draußen.
In der Nacht des 20. Juli waren auf Befehl des Generals von Stülpnagel
in Paris 2.000 Beamte der SS und des SD von Sturmabteilungen des Heeres
verhaftet worden, - ohne dass ein Schuss viel! Es gab eine Verbindung
zwischen Berlin und Paris. Allerdings mussten die Eingesperrten nach
einigen Stunden, nach dem bekannt wurde, dass der Führer das Attentat
nur leicht verletzt überlebt hatte, wieder freigelassen werden. Es
handelte sich lediglich um eine Übung, erklärte der General.
Stülpnagel wurde nach Berlin beordert. Unterwegs versuchte er sich das
Leben zu nehmen, er schoss sich blind. Sein Vorgesetzter,
Generalfeldmarschall von Kluge, nahm Gift. Es war der Beginn einer Kette
von Selbstmorden und Todesurteilen, von Sippenhaft, Jagt auf Teilnehmer
und Mitwisser der Verschwörung. Ans Licht der Öffentlichkeit kam nur
wenig. Die Hitlerregierung versuchte, durch zweckbestimmte Meldungen
ihre ungebrochene Macht zu demonstrieren; jedoch in Wirklichkeit war die
militärische Lage bereits aussichtslos.
Am 25. Juli trat die amerikanische Armee aus dem Landungsraum zum
Angriff nach Süden an. Granville fiel. Die Panzerarmee des General
Patton rollte weiter vor und durchbrach bei Avranches die deutsche
Front. Alle Einheiten, die noch entkommen konnten, zogen sich in die
bretonischen Hafenstädte zurück. Fächerförmig breiteten sich die
alliierten Armeen über Nordfrankreich aus. Ihre Panzerspitzen standen
bereits an der Loire. Dennoch übereilten die Amerikaner ihr Vorrücken
nicht, geringe eigene Verluste waren ihnen wichtiger als ein schneller
Vormarsch. Wo sich größere deutsche Verbände sammelten, funkten sie
mit Artillerie und Bomberpulks dazwischen. Am 15. August landeten die
Amerikaner in Südfrankreich östlich von Toulon bei Cannes. Marseille
und Toulon wurden erstürmt, und am 3. September erreichten sie das von
Widerstandskämpfern bereits befreite Lyon. In Belgien saßen nun die
Briten und im Süden waren die wichtigsten Häfen und Küstenabschnitte
in amerikanischer Hand. Aus der Normandie waren gewaltige Panzerkeile in
verschiedenen Richtungen vorgedrungen, hatten am 25. August Paris
eingenommen und standen kurz vor der Grenze des deutschen Reiches, am
ehemaligen Westwall,, den die britische Presse
"Siegfriedlinie" nannte.
An der Ostfront war der gesamte Mittelabschnitt zusammengebrochen.
Sowjetische Truppen hatten Belorussland, weite Teile Ostpolens und
Galiziens erobert. In der Südflanke der deutschen Front klaffte
plötzlich ein riesiges Loch: Rumänien war abgefallen und erklärte am
24. August Deutschland den Krieg. In Bulgarien, das die sowjetische
Panzerspitze erreicht hatte, tobte der Volksaufstand. Griechenland und
Kreta mussten von den Deutschen geräumt werden. Britische Flieger und
griechische Partisanen sorgten dafür, dass auch dieser Rückzug
verlustreich verlief. Ölquellen und Erzlager gingen verloren und
wirkten sich auf das Kriegspotential Deutschlands aus. Auch in Polen, in
der Hauptstadt Warschau, tobte der Aufstand. Die Weichselbrücken waren
zerstört, ganz Warschau stand in Flammen. Sieben Wochen dauerten schon
die Kämpfe und das brutale Vorgehen der Deutschen gegen die
Bevölkerung rief in der britischen Presse helle Empörung hervor. Es
gab zwei polnische Regierungen. Eine in London, die Churchill als die
einzig rechtmäßige bezeichnete, und eine jüngst in Lublin
gegründete, die wieder von Stalin anerkannt und unterstützt
wurde. Churchill und Stalin bezichtigten sich gegenseitig der Schuld an
der Katastrophe in Warschau. Das Vernichtungslager Maidanek lieferte der
Weltöffentlichkeit anschauliches Bildmaterial über die deutschen
Gräueltaten. Gegen Deutschland brandete eine riesige Woge von Hass und
Verachtung.
An
einem trüben Dezembertag 1944, eine Woche vor Weihnachten, ließ
Generalfeldmarschall von Rundstedt seine Panzertruppen zu einem
Gegenschlag an der Westfront ausholen. 600 überschwere Panzer,
Königstiger genannt, trugen den Angriff durch die Ardennen nach westen
vor. Bastogne wurde umzingelt, die Panzerspitzen standen nicht mehr weit
von der Maas. Im britischen und im amerikanischen Hauptquartier schlug
die Nachricht wie eine Bombe ein, Niemand hatte hier mit einer Offensive
der Deutschen gerechnet.
Rundstedts Vorstoß erfolgte genau an der Nahtstelle zwischen den
britischen und den amerikanischen Truppen. Dadurch wurde die
einheitliche Führung der Alliierten erschwert. Wegen des schlechten
Wetters hatte die Luftaufklärung versagt, und die Bereitstellung der
Reserven bewies sich als verfehlt. Der Vorstoß zielte nach der
Gewinnung der Maasübergänge und des Vorrückens bis an den Kanal. Ziel
war es, die Briten und Amerikaner zu trennen, in der Hoffnung auf ein
zweites Dünkirchen.
Der Verkehrsknotenpunkt Bastogne wurde von US-Truppen gehalten, der
Angriff Rundstedts kam am 26. Dezember weit vor den Maasbrücken zum
stehen. Anfang Januar flackerte die Offensive noch einmal auf und
führte bei den Alliierten zu einer kritischen Situation. Churchill
schrieb einen besorgten Brief an Stalin und bat ihn, seine geplante
Oder-Weichsel-Operation einige Tage vorzuverlegen, um der Westfront
Entlastung zu bringen. Rundstedts Armee hatte ihre Panzerspitze
zurücknehmen müssen, die Gefahr für die Alliierten war gebannt. Das
Wetter besserte sich, und die Luftüberlegenheit der Briten und
Amerikaner im Ardennenraum begann sich auszuwirken. Bastogne wurde
entsetzt. Die letzte Offensive der Wehrmacht an der Westfront war
gescheitert, die von den Deutschen erhoffte Wende blieb aus.
Die 8. britische Armee stürmte durch die norddeutsche Tiefebene,
nachdem ihnen bei Wesel das zügige Überqueren des Rheins gelungen war.
Diese 8. britische Armee hat unter Führung Montgomerys von EL Alamein
bis Tunis, dann über Sizilien, Neapel und Rom bis nach Mittelitalien
mehr als zweitausend Kilometer Vormarsch kämpfend zurückgelegt.
Gleichzeitig, als die 8. britische Armee nach Norddeutschland vordrang,
hatte Pattons Armee den Oberrhein überschritten und drangen tief nach
Süddeutschland ein. Marschall Shukow stand an Oder und Neiße, seine
Truppen hielten bei Küstrin zwei heiß umkämpfte Brückenköpfe. Mit
einer gewaltigen Zangenbewegung marschierte die Rote Armee auf Berlin.
Im Westen drangen britische und amerikanische Truppen fast ungehindert
vorwärts.
Das "tausendjährige Reich" lag in Trümmern. Russische
Truppen waren bis ins Zentrum Berlins vorgedrungen, die Festung
Alpenland erwies sich als bombastisches Windei, und weder die Armee des
General Wenck noch irgendwelche Wunderwaffen konnten am Ausgang des
Krieges etwas ändern. Hitler und Göbbels hatten Selbstmord begangen.
Dennoch gaben sich die Fanatiker nicht geschlagen. In Flensburg bildete
Dönitz, der noch von Hitler zum neuen Reichskanzler ernannt wurde, eine
"geschäftsführende Reichsregierung", deren Tätigkeit darauf
zielte, das Kriegsende hinauszuzögern und durch Teilkapitulationen mit
Großbritannien und den USA einen Keil in die Antihitlerkoalition zu
treiben. Von hieraus gab Dönitz seine letzten Befehle an die U-Boote:
angreifen, koste es was es wolle! Noch in den letzten Kriegsstunden
gingen mehrere U-Boote bei sinnlosen Manövern verloren (Info
zu den letzten U-Boot-Verluste hier klicken).
Am 8. Mai 1945 musste das großdeutsche Reich bedingungslos
Kapitulieren. Und am 23. Mai dann, fiel auch in Flensburg der Vorhang.
Die Dönitz-Clique und alle, die sich dort eingenistet hatten, wurden
verhaftet. Insgesamt dreihundert Generäle und Offiziere.
Am 12. April war der USA-Präsident F. D. Roosevelt gestorben. Sein
Nachfolger wurde Harry S. Truman, der die Atombombenabwürfe auf
Hiroschima und Nagasaki anordnete (am 6. und 9. August), der die
bedingungslose Kapitulation Japans am 14. August folgte. Damit war der
zweite Weltkrieg beendet.
Die deutsche Kriegsmarine verlor 4 Schlachtschiffe, 3 Panzerkreuzer, 8
Kreuzer, 22 Zerstörer und 718 U-Boote.
Die Besatzungen von 153 deutschen U-Booten kapitulierten bei Kriegsende,
und entsprechend den Kapitulationsbedingungen wurden die Boote in
bestimmte alliierte Häfen überführt. Angesichts der brutalen, unter
Verletzung des Völkerrechts vorgetragenden Angriffe der deutschen
U-Boote auf die Handelsschiffahrt verlangte die britische Admiralität
von den Booten, die ihre Stützpunkte anliefen, die schwarze Flagge zu
hissen.
Mit 57 U-Booten hatte Deutschland den Handelskrieg 1939 begonnen.
Insgesamt wurden 1.153 U-Boote gebaut, von denen 820 zum Einsatz kamen.
718 U-Boote gingen verloren. Von ihren rund 39.000 Mann zählenden
Besatzungen sind 32.000 gefallen. Die deutschen U-Boote versenkten rund
14,5 Millionen BRT alliierten und neutralen Handelsschiffsraum, etwa
40.000 Matrosen verloren dabei ihr Leben.
Die Ausgaben der kriegführenden Staaten für militärische Zwecke im
zweiten Weltkrieg beliefen sich bei 1.117 Mrd. Dollar, also pro Kopf der
Vorkriegsbevölkerung 1.390 Dollar.
61 Staaten waren im zweiten Weltkrieg verwickelt und beklagten insgesamt
etwa 50 Millionen Tote, 35 Millionen Versehrte und 20 Millionen
Verwaiste.
Und was wurde in den Jahren nach dem Krieg aus den einstigen
Besatzungsmitgliedern und Kommandeuren der legendären Grauen Wölfe (Infos
dazu hier klicken)
Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis
1945" © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren",
Heinz Bergschicker "Deutsche Chronik 1933-1945" 1981 Verlag
der Nation Berlin.




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