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Eine
für das deutsche Reich erschütternde Meldung kam über Rundfunk: Die
sechste Armee bestand nicht mehr. Heldenhaft hatten
hundertfünfzigtausend Offiziere und Soldaten für "Deutschlands
Freiheit" gekämpft, - "bis zur letzten Patrone, bis zum
letzten Mann". Der "Völkische Beobachter" brachte
seitenlange Gefallenenanzeigen.
Die Prinzipien des "Totalen Krieges" hatte Ludendorff bereits
1935, quasi als Vermächtnis, in einer Schrift niedergelegt. Auch bei
der Marine gab es Anhänger dieser Theorie, - allen voran Dönitz. Er
wollte schon im Frühjahr 1939 dreihundert U-Boote am Fließband bauen
lassen, alle langfristigen Pläne zurückstellen, mit vollem Einsatz den
Krieg vorbereiten.
Im Januar 1943 hatten Roosevelt und Churchill in Casablanca die
bedingungslose Kapitulation für die Beendigung des Krieges festgelegt.
Hitlers Truppen standen nicht mehr an der Wolga, sondern 600 Kilometer
westwärts. Ortsnamen tauchten in den Wehrmachtsberichten auf, die man
seit 1941 nicht mehr gehört hatte. Nordafrika war verloren. Die Reste
von Rommels stolzem Afrikakorps hatten in Tunesien unter Generaloberst
von Arnim kapituliert. Britische Geleitzüge liefen fast unbehindert
durch das Mittelmeer. Im Juli 1943 landeten alliierte Truppen an der
Südspitze Siziliens und stießen bei ihrem Vorrücken stellenweise auf
die heftige Gegenwehr deutscher Einheiten. Die starke Inselfestung
Pantelleria, das italienische Gegenstück zu Malta, ergab sich kampflos.
Kriegsmüdigkeit in Italien. Offen brach die Krise aus. Mussolini wurde
gestürzt. Marschall Badoglio setzte eine Militärregierung ein, die
heimlich mit den Alliierten verhandelte und am 8. September im Rundfunk
den Waffenstillstand verkündete. Regierung und König flohen aus Rom,
die führerlose Armee begann sich aufzulösen. Gleichzeitig landeten die
Amerikaner in Salerno, die Engländer in Tarent. Sie trafen in
Unteritalien nur auf geringen Widerstand, weil die wenigen deutschen
Truppen im Lande noch damit beschäftigt waren, die Italiener zu
entwaffnen. Aus Verbündeten waren plötzlich Gegner geworden. Erst
südlich von Rom gelang es den Deutschen, eine Verteidigungslinie gegen
die Alliierten zu errichten. Deutsche Fallschirmjäger hatten Mussolini
in einem Handstreich befreit. Nord- und Mittelitalien befanden sich fest
in deutscher Hand, die Front war bei Monte Cassino zum Stehen gekommen.
Die
Lage für die deutschen U-Boote im Atlantik wurde mit der Zeit immer
aussichtsloser. Obwohl Dönitz seit April 1942 über mehr U-Boote
verfügte, als er einst für ausreichend erachtet hatte, um
Großbritannien von seinen Zufuhren abzuschneiden, blieben die Erfolge
aus. Die Zahl der Boote stieg in der Folgezeit noch erheblich an. Im Mai
1943 waren es bereits 436. Doch dann sank der Bestand bis September um
20 ab. Erst im Dezember waren die Verluste aufgeholt, und in den
folgenden Monaten vergrößerte sich der Bestand wieder, während die
Vernichtung alliierten und neutralen Schiffsraumes dagegen steil abfiel.
Die Angriffe auf Geleitzüge endete in der Regel mit Misserfolgen, oft
wurden dabei mehr U-Boote vernichtet als Handelsschiffe. Immer mehr
U-Boote mussten nach ihren Einsätzen in die Reparaturwerften gebracht
werden. Im Oktober 1944 waren von 456 vorhandenen U-Booten nur noch 141
einsatzfähig.
Die Schlacht im Nordatlantik war praktisch verloren. Dönitz wagte es
nicht mehr, seine U-Boot-Rudel einzusetzen. Die Gruppe "Fink"
hatte mit 41 Booten erfolglos operiert und schwere Verluste hinnehmen
müssen. Seitdem Flugzeugträger die britischen Konvois unterstützten,
hatte das alliierte Überwachungsnetz keine Lücken mehr, so dass selbst
Erfolge deutscher U-Boote in neue Operationsgebiete ausblieben. Die mit
Radar ausgerüsteten Patrouillenflugzeuge flogen in der Regel in 3000
Meter Höhe, ihre Radargeräte erfassten dabei Kreisflächen mit einem
Radius von etwa 80 Seemeilen. Britische Aufklärer und Bomber erfassten
viele Boote schon beim auslaufen aus ihren Häfen an der französischen
Küste oder wenn sie von ihren Einsätzen zurückkommend die
Stützpunkte anliefen. . Allenfalls im Mittelatlantik konnte die
U-Boot-Waffe noch zeitweilig operieren, aber der Anmarschweg war enorm
lang und kostete endlos Zeit. U-Boote wurden zu U-Tankern umgerüstet,
die sogenannten "Milchkühe". Bald machten die Alliierten
speziell auf diese Treibstoffversorger jagt. Immer
neure Abwehrtechniken entwickelte der Gegner (Infos
Abwehrwaffen hier klicken).
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Selten
kehrte ein so stark
beschädigtes U-Boot zurück.
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Einmal
von einem Flugzeug entdeckt,
waren die U-Boote meist verloren.
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Monat
für Monat gingen U-Boote in einer großen Anzahl verloren. Im Verlauf
des Jahres 1943 kamen 237 Boote nicht zurück, und diese Verlustziffer
hatte eine steigende Tendenz. Im September und Oktober 1943 überquerten
2.468 Schiffe der Alliierten in 64 Geleiten den Atlantik nach England.
Den deutschen U-Booten gelang es lediglich 9 dieser Schiffe zu
versenken. Jedoch gingen 36 U-Boote verloren. Das stand in keinem
Verhältnis mehr, die Abwehr des Gegners war nahezu undurchdringbar. Die
Boote waren den neuen Bedingungen in keiner Weise gewachsen, vor allem
ihre Tauchdauer und ihre Unterwassergeschwindigkeit waren viel zu
gering. Nach wie vor verfügten sie über kein Brauchbares
Radarwarngerät, obwohl die Spezialisten fieberhaft nach neuen Lösungen
suchten. In den engen Türmen der U-Boote tauchten neue Geräte mit
klingenden Namen auf, die bald wieder anderen Platz machten: "Metox",
FuMB, "Gradin", "Warze 1", "Warze 2",
"Hagenuk", "Borkum", "Naxos",
"Fliege", "Mücke", "Tunis", "Gema"
oder "Hohentwiel", die allesamt nicht das Problem lösten.
Zwar wurden die U-Boote gewarnt, aber nicht geschützt. Gegen die zu
kurze Tauchdauer schien man augenscheinlich ein wirkungsvolles Mittel
gefunden zu haben - den "Schnorchel": Der Dieselmotor der
U-Boote benötigt zur Verbrennung des Treibstoffes Sauerstoff. Da die im
Boot vorhandene Luftmenge zu gering war, konnte der Dieselmotor nur mit
Außenluft arbeiten; im getauchtem Zustand blieben nur die
Elektromotoren, deren Batterien allerdings nicht allzu viel
Möglichkeiten boten. Der Sicherste Schutz vor Radar blieb die
Unterwasserfahrt. So erhielten die Boote einen Luftmast durch dem
Frischluft angesaugt werden konnte ohne aufzutauchen. Nun gab es dadurch
wieder andere Probleme: Durch das laute Rattern der Diesel wurde das
Boot gewissermaßen taub, das laute Dröhnen überlagerte im Horchraum
die anzupeilenden Geräusche, während gleichzeitig die gegnerischen
Empfangsgeräte das Boot in größerer Entfernung ausmachen konnten.
Auch diverse andere technische Schwierigkeiten kamen auf, so dass die
von der Einführung des "Schnorchels" erhoffte Wende ausblieb.
Bei all den Problemen sank die Moral der U-Boot-Fahrer entsprechend. Bis
Juni 1944 wurden 836 Todesurteile an Angehörige der faschistischen
Marine vollstreckt. Die Gesamtzahl der kriegsgerichtlichen
Verurteilungen betrug im selben Zeitraum 6.850. Auf 100.000 Angehörige
der Kriegsmarine kamen also 874 Verurteilungen. Die entsprechenden
Vergleichszahlen betrugen bei der Luftwaffe 695 und beim Heer 529
Verurteilungen. Dönitz ließ rücksichtslos auch nur das geringste
Anzeichen eines Nachdenkens ausmerzen. Mit noch drakonischeren Mitteln
als in Luftwaffe und Heer wurde aufkeimender Widerstand, bereits der
Zweifel an der "Glorie" des faschistischen Systems, blutig
erstickt.
Die Marine baute auch Hoffnungen auf die neuen U-Boot-Typen XXI, XVII
oder später XXIII. Aber die Produktion ging nur schleppend voran und
vor allem wurde aus Zeitmangel auf Erprobungen verzichten, sie wurden
sofort zum Fronteinsatz freigegeben. Auch die Besatzungen waren
eilfertig zusammengestellt und hatten keine Möglichkeiten, sich
einzuspielen. Dadurch blieben die Erfolge weit hinter den Erwartungen (Infos
zu neuen Typen u. dem "Wunderboot" hier klicken)
Die Überwassereinheiten der deutschen Kriegsmarine lagen untätig in
den Häfen Norwegens und brachten den U-Booten keinerlei Entlastung. Die
meisten Geleitzüge aus Großbritannien oder den USA erreichten
ungefährdet ihre Bestimmungshäfen Murmansk und Archangelsk, wo die
kostbare Kriegsfracht entladen, an die Front transportiert und gegen die
deutschen Truppen eingesetzt wurde. Am 26. Dezember 1943 versuchte
dennoch die "Scharnhorst" einen nach Murmansk fahrenden
Geleitzug, der ungewöhnlich stark gesichert war, anzugreifen. Das
Schlachtschiff erhielt im Kampf schwere Treffer und Torpedos der
britischen Zerstörer versenkten es schließlich. Über 2.000 Mann der
Besatzung kamen um, nur 26 konnten gerettet werden. Die
"Scharnhorst" war so ziemlich das letzte kampffähige
Schlachtschiff der deutschen Marine.
Nach längerer Pause wurden die Luftangriffe auf deutsche Städte wieder
aufgenommen. Neuartige Methoden der Funkstörung hatten die Wirkung der
deutschen Nachtjäger weitgehend ausgeschaltet, und so kamen die
Bomberpulks fast unbehindert zum Abwurf. Unter ihren Bombenteppichen
sanken ganze Städte in Schutt und Asche: Hamburg, Köln, Lübeck,
Dresden, Rostock, Berlin, Städte im Ruhrgebiet, Zentren der Industrie
und Verkehrsknotenpunkte...
An der Ostfront war seit Stalingrad die Initiative des Handelns auf die
Rote Armee übergegangen. Im Sommer 1943 war mit der Schlacht von Kursk
die grundlegende Wende des zweiten Weltkrieges vollendet. An einer über
2.000 Kilometer breiten Front gingen die russischen Truppen zu einer
Offensive noch nie dagewesenen Ausmaßes über. Bis Jahresende wurden
über 200 faschistische Divisionen zerschlagen. Die Wehrmacht verlor
über 20.000 Flugzeuge, 25.000 Panzer und etwa 40.000 Geschütze. Der
Verlust an Soldaten überschritt schon lange die Millionen Grenze. Zu
Beginn des Jahres 1944 waren allein 62,7 Prozent aller Landstreitkräfte
der Wehrmacht in 198 Divisionen und 6 Brigaden an der Ostfront
eingesetzt. Nur etwa ein zehntel dieser Kräfte kämpften an den
übrigen Fronten. Bei diesem ungeheuren Menschen- und Materialverlust,
konnte Dönitz vergebens auf mehr und bessere U-Boote warten. Jede
verfügbare Reserve wurde an die deutsch- russische Front geworfen.
Indes liefen im Frühjahr 1944 an der Atlantikküste die Vorbereitungen
auf die Abwehr der zu erwarteten Invasion weiter. Stellungen wurden
ausgehoben, neue Einheiten an die Küste verlegt. Züge fuhren von nun
an mit einem Flakwagen. Mosquitos, Lightnings, Thunderbolts und
Mustangs, die Jagdflugzeuge der Alliierten, machten systematisch Jagt
auf deutsche Militärtransporte. Entlang der Eisenbahnstrecken lagen die
Trümmer ausgebrannter Züge, entgleister Lokomotiven, demolierter
Waggons... Immer stärker regte sich der Widerstand im besetzten
Frankreich: Nachts flogen Brücken in die Luft, wurden Gleise gesprengt
und Lastwagenkolonnen überfallen. Die Männer der Résistance
erschwerten auf jede nur mögliche Art den Nachschub zur Kanalküste.
Die Wehrmacht und die SS-Divisionen rächten sich an der
Zivilbevölkerung: Rote Plakate gaben bekannt, welche Bürger als
"Vergeltungsmaßnahme" hingerichtet worden waren. Manchmal
wurden die Bewohner eines ganzen Dorfes exekutiert, wie beispielsweise
geschehen am 10. Juni 1944 in Oradour-sur-Glane, wo die 3. Kompanie der
2. SS-Division alle Frauen, Kinder, Alte, und Männer ermordeten und
anschließend das ganze Dorf niederbrannten. Die Erbitterung über die
deutsche Herrschaft wuchs ins grenzenlose.
Die Kriegsmarine glaubte auf das langerwartete Ereignis - der Invasion -
gut vorbereitet zu sein. Schon seit Monaten gab es umfangreiche
Alarmpläne für Häfen und Einheiten. Alle Schiffe, die am
entscheidenden Tag nicht seeklar gemacht werden konnten, sollten große
Teile ihrer Besatzung zur Verstärkung von Infanterie-Einheiten an der
flachen Küste abgeben. Die Pläne enthielten Einzelheiten über
zweckmäßige Bewaffnung; Aufmarschräume waren bezeichnet,
Unterstellungsverhältnisse befohlen, Unterkünfte geregelt...
Bildquelle:
Heinz Bergschicker "Deutsche Chronik 1933-1945" 1981 Verlag der
Nation Berlin
Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis 1945"
© 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren",
Heinz Bergschicker "Deutsche Chronik 1933-1945" 1981 Verlag der
Nation Berlin.




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