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Der
brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm (Bild) kaufte in Holland fünfzehn
Fragetten für Kaperfahrten. Rückständige Zahlungen der Hansestadt
Hamburg oder des Königreiches Spanien trieb er durch Piratenakte ein.
Die Küste des Schuldners wurde lange Zeit blockiert. Der andere
setzte sich zur Wehr, indem er seine wertvollen Schiffe in Konvois
zusammen fasste. Schließlich kaufte der Kurfürst die Stadt
Emden, um ein Stützpunkt an der Nordsee zu besitzen. Er ließ Schiffe
bauen und begründete die Brandenburgisch- Afrikanische Handelscompagnie.
Die meisten Kapitäne waren Holländer.
An der Goldküste wurde Groß-Friedrichsburg befestigt. Ein gewisser
Major von der Groeben hisste die brandenburgische Flagge.
Die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie handelte mit Sklaven. Der
Sklavenhandel wurde nach der Entdeckung Amerikas für Jahrhunderte zu
einem einträglichen Geschäft. Arabische Händler trieben die Sklaven
gefesselt an die Küste. Britische, holländische, spanische und
portugiesische Schiffe brachten sie in die neue Welt. Tausende starben,
aber viele Tausende überlebten und mussten als Sklaven auf den
Plantagen arbeiten. Ihre Nachkommen bevölkern heute Amerika zwischen
Argentinien und Alabama. Großbritannien verdankte dem "Schwarzen
Gold" sein Aufstieg zur Weltmacht.
Im Kurfürstentum Brandenburg hatte man etwas von diesen Geschäften
gehört. Die Kassen des kleinen Staates waren leer. Der Dreißigjährige
Krieg (1618-1648), die Händel mit Polen und Schweden hatten die
Geldmittel erschöpft und so kamen einige Höflinge auf die Idee, den
verarmten Staat durch Beteiligung am Sklavenhandel finanziell zu
sanieren. Aber die Konkurrenz war stärker, das Geschäft gelang nicht
ganz. Für Brandenburg blieb nur ein winziger Teil vom Geschäft übrig.

Die
Brandenburgische Kriegsflotte
Flotte
und Stützpunkt verfielen später. Als Preußen für die
Soldatenspielerei seines Königs immer mehr Geld brauchte, schlug man
die Kolonien in Afrika preiswert los. Friedrich der Große, den die
Militärs über alles lobten, hatte für den Schiffsbau nichts
übrig. Holz war ein wichtiger Exportartikel. Er forderte, dass
"jedes Stück Holz genutzet und zum wahren höchsten Wert wiederum
versilbert werde".
Da konnte natürlich keine Flotte gedeihen. Immerhin ließ er seine
Kriege von der Seemacht Großbritannien finanzieren. Während die
Franzosen in lange Kriege verwickelt waren, knöpften ihnen die Briten
seelenruhig weite Teile des Kolonialbesitzes ab und stiegen zur ersten
Überseemacht in der Welt auf. Wohlstand und Welthandel
begründete das Inselreich mit Blut französischer, preußischer,
österreichischer und spanischer Grenadiere.
Schicksalsjahr 1848: General v. Rodowitz forderte in der
Nationalversammlung den Bau einer Flotte für das künftige deutsche
Reich. Helle Begeisterung, Geldsammlungen... Aber das Reich wurde in der
Paulskirche zerredet, die Flottenbegeisterung ebbte wieder ab, und 1852
versteigerte ein Schiffsmakler namens Hannibal Fischer die Schiffe.
Preußen leistete sich eine kleine Kriegsflotte, die gegen Dänemark und
Österreich bescheidenes leistete. Einige Jahre vegetierte sie
kümmerlich dahin, bis der Norddeutsche Bund gebildet wurde. Der
Bundestag beschloss eine erhebliche Flottenverstärkung.
Allerdings mussten die großen Panzerschiffe vom Ausland gekauft
werden.
Die neue Marine war noch zu schwach, um im deutsch-französischen Krieg
(19.07.1870 - 28.01.1871) eine Rolle spielen zu können. Sie blieb auf
den Küstenschutz beschränkt. Auch nach der Reichsgründung stand die
kaiserliche Marine weit hinter den Landstreitkräften zurück. Immerhin
wurden die Schiffe nun auf deutschen Werften gebaut. Die Firma Krupp
stieg in Flottengeschäft ein.
An der Spitze der Admiralität standen preußische Generalstäbler, sie
ließen Matrosen drillen, genau wie die Rekruten des Heeres.
Trotz technischer Fehlentwicklung war die Marine unter General von
Stosch 1883 soweit, dass sie den dritten Platz in der Welt ein
nahm. Deutsche Kriegsschiffe, oft zu Geschwadern zusammengefasst,
dampften nach Übersee und richteten sogenannte
"Auslandsstationen" ein. Nicht selten wurde dabei scharf
geschossen. Unter Stosch`s Nachfolger, General von Caprivi, sackte
die Marine ab. Statt Seetüchtige Fahrzeuge ließ er seine
"Küstenschweinchen" bauen, über die sich ganz Europa
amüsierte.
Doch bald kam es anders. Kaiser Wilhelm II sah die Zukunft seines
Reiches auf dem Wasser. Inzwischen waren - fast über Nacht - aus
Handelsniederlassungen und Auslandsstationen deutsche Kolonien geworden,
und mussten "geschützt" werden. Für die Marine begann
ein gewaltiger Aufschwung. Endlich erhielt sie auch eine eigene
Spitzenorganisation: Oberkommando, Reichsmarineamt, Marinekabinett.
Kreuzer und stark bewaffnete Linienschiffe wurden gebaut. Die
Schlachtflotte entstand. In einem Mann wie Tirpitz fand der Kaiser
das geeignete Medium, seine ehrgeizigen und kostspieligen Pläne
durchzusetzen.
Natürlich blieb dieser Aufschwung nicht unbemerkt. Die britische
Regierung versuchte den deutschen Flottenbau zu hintertreiben, was
ihr trotz verschiedener diplomatischer Schachzüge nicht gelang. Am
Vorabend des ersten Weltkrieges verfügte Deutschland über eine
beachtliche Schlachtflotte, voran vierzehn moderne Großlinienschiffe,
vier Schlachtkreuzer, sowie sieben neuere Panzerkreuzer. Der
Linienschifftyp "Kaiser" z.B.: 27.000 Tonnen, 172 Meter
lang Höchstgeschwindigkeit: 23,4 Knoten, fünf Doppeltürme mit 30,5 cm
Geschützen, außerdem vierzehn 15,0 cm und acht 8,8 cm Geschütze,
sowie Torpedorohre. Der Schlachtkreuzer "Derfflinger"
war mit 31.200 Tonnen noch schwerer als die Kaiserklasse, außerdem 38
Meter länger und 2,6 Knoten schneller.
Aber auch die Briten besaßen solche Schiffe, und zwar wesentlich
mehr...
Bildquellen:
Bachmann/Zeisler "Der deutsche Militarismus" Band I, © 1986
Militärverlag der DDR.
Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis
1945" © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"Ruhmeshalle unserer alten Armee" HG Reichsarchiv Potsdam u.
Kriegsarchiv München, Militär-Verlag um 1920,
"Der Weltkrieg 1914-1918" Band 1 - 6, Reichsarchiv, Verlag
E.S.Mittler & Sohn, Berlin 1925,
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren".





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