Von Torsten Migge

 

Der Zweite Weltkrieg, in dem über 60 Staaten verwickelt waren und der unsägliches Leid verbreitete und unvorstellbare Opfer forderte, in dem 64 Millionen Menschen ihr Leben verloren (24 Millionen Soldaten und 40 Millionen Zivilisten) und dessen Kampfgebiet sich bis nach Ägypten oder an die Küste des amerikanischen Kontinent (und durch Japan selbst über den gesamten Pazifikraum und Südostasien) erstreckte, wurde unzweifelhaft an der Ostfront, in Russland, entschieden. Der Roten Armee Stalins wurde es aufgebürdet, dem deutschen Aggressor Einhalt zu gebieten - freilich mit Unterstützung und in Allianz mit den Mächten des Westens, explizit Englands und den USA, ohne die die Sowjetunion sicher nicht hätte stand halten können.
Kein anderer Kriegsschauplatz als der auf russischem Boden hatte solche alles Entscheidende Bedeutung: Hier war das Gros der deutschen Verbände, hier wurden die entscheidensten Schlachten geschlagen - und hier mussten die entscheidensten und empfindlichsten Niederlagen auf deutscher Seite hingenommen werden.

Warum nun hat die Wehrmacht hier versagt, wo sie doch sonst, bei vorangegangenen Eroberungen, z.B. Polens, Norwegens und Frankreichs, so erstaunliche und für die ganze Welt verblüffende Erfolge errang? Warum gelang es der deutschen Wehrmacht trotz waffentechnischer und strategischer Überlegenheit nicht, den sowjetischen Gegner nieder zu ringen?
Ein vielseitiges und umfangreiches Thema! Und doch:

Im folgendem möchte ich eine These aufstellen, wonach der Zweite Weltkrieg für Deutschland durchaus gewinnbar gewesen wäre. Fünf Faktoren (sich wie eine Kette aneinander reihende Folgeerscheinungen) führten im Feldzug gegen die Sowjetunion neben eklatanten Fehlentscheidungen und Falscheinschätzungen (explizit Hitlers persönlich) im wesentlichen letztendlich dazu, dass die deutsche Wehrmacht im Osten scheiterte. Nämlich: 

  • Der späte - zuspäte - Einmarsch in die Sowjetunion, so dass die Wehrmacht im Schlamm und Schnee des Winters stecken blieb.

  • Der teilweise unerwartet hartnäckige Widerstand der russischen Soldaten verbunden mit dem schier unglaublichen Potential an Menschenmassen.

  • Das unvoraussehbare Erstarken der Roten Armee ab 1942 (Reformen).

  • Viertens hatte die deutsche Führung ärgste Versorgungs- und Nachschubprobleme in den unendlichen Weiten der russischen Steppe.

  • Und fünftens fehlten der deutschen Luftwaffe Langstreckenbomber um die sowjetische Rüstungsindustrie zu zerstören.

Zunächst war der Überfall auf die Sowjetunion - "Unternehmen Barbarossa" - für Anfang Mai 1941 festgelegt. Allerdings musste der Russlandfeldzug Terminlich um - unaufholbare! - 6 Wochen verschoben werden, denn auf dem Balkan (in Belgrad und Griechenland) tobte der Volksaufstand, den Geheimdienstler der USA und Kanadas (erste Zusammenarbeit Churchills und Roosevelts) provozierten, um Hitlers Ölversorgung abzuschneiden.
Also war Hitler gezwungen, dort erst mal Ordnung zu schaffen um nicht mit offener Flanke kämpfen zu müssen, OBWOHL er wusste und das oft genug betonte, er darf im Russlandfeldzug nicht in den Winter geraten. Denn er war durchaus gedanklich mit der Vernichtung Napoleons durch den Winter beschäftigt - dennoch aber kommt es dazu, dass er erst am 22. Juni marschiert, am selben Tag, an dem 1812 Napoleon seine Proklamation an die - ebenfalls - größte Armee erlassen hatte, die je in Europa zu einem Überfall aufmarschiert war.

Die "Schweinerei auf dem Balkan", wie Churchill es nannte, wurde von Churchill und Roosevelt initiiert, weil man WUSSTE, Hitler beabsichtige im Mai Russland zu überfallen.
Churchills Kalkül dabei ging dahin, Hitler zu zwingen, den Russlandfeldzug verschieben zu müssen, so dass die deutsche Wehrmacht in den harten russischen Winter kommt, für den sie überhauptnicht gerüstet ist, denn er (Churchill) befürchtete (nicht zu unrecht), dass, wenn der Wehrmacht in Russland im kommenden Sommer ebenso ein Blitzkrieg glückte wie in Frankreich, sie den Krieg gewinnen könne.
Somit müsse - so Churchill - der Winter den deutschen Vormarsch zum stehen bringen vor Moskau.
Mit einem brennenden Balkan an der rechten Flanke wäre der Überfall auf Russland ein noch gewagteres Unternehmen gewesen. Also blieb Hitler nichts anderes übrig, als "Barbarossa" zu verschieben und den Balkan zurück zu erobern - wie es Churchill wollte! Hitler nannte das dann auch bezeichnenderweise "Operation Strafe".
In Anbetracht meiner Teil-These, dass die Wehrmacht im Osten möglicherweise erfolgreich gewesen wäre, wenn sie den ursprünglichen Angriffstermin hätte einhalten können, war diese Tat Churchills letztendlich mit kriegsentscheidend!

Erst 1976, elf Jahre nach Churchills Tod, hat William Stephenson, ein kanadischer Business-Millionär, enthüllt, dass er mit dem Amerikaner William J. Donovan, dem späteren General und Gründer der Urzelle der CIA, 1941 den Balkan in Brand gesteckt hat, um Hitler zum Amoklauf nach Athen und Belgrad zu verlocken und ihn dadurch zu zwingen, seinen Überfall auf Russland um nie mehr einzuholende sechs Wochen zu verschieben.
Zunächst landeten Briten am 7. März 1941 in Piräus aufgrund abgefangener deutscher Nachrichten, dass Hitler in Griechenland einfallen wollte, um den Italienern erstens in Nordafrika, zweitens in Griechenland selbst beizustehen, das sie gegen seine Intensionen am 28. Oktober 1940 überfallen hatten und wo sie fast pausenlos geschlagen wurden.
Hitler, der - wegen des ihm fehlenden Öls - Rumänien, das er wie Bulgarien zu seinem Vasallen gemacht hatte, nie aufgeben konnte, musste die Briten aus Athen wieder vertreiben, ehe er gegen Moskau aufbrechen konnte, wollte er nicht riskieren, mit offener Flanke zu kämpfen und das rumänische Öl zu verlieren, ehe er das kaukasische erobert hatte.
Um sicher zu gehen, dass Hitler den Angriffstermin gegen Russland auch wirklich zwingend verschieben musste, zog Churchill auch noch Jugoslawien in den Krieg, das soeben in Wien den Drei-Mächte-Pakt mit Hitler unterzeichnete und von ihm um freien Durchmarsch nach Griechenland für Teile der 2. deutschen Armee (Generaloberst v. Weichs) ersucht wurde. Denn die britischen Chancen, Griechenland gegen Deutschland zu verteidigen, wenn es nicht nur aus Richtung Rumänien-Bulgarien (Feldmarschall Lists Armee), sondern auch noch von Jugoslawien aus besetzt würde, waren Null.
Der Pakt mit Deutschland wurde von der jugoslawischen Regierung des Prinzregenten Paul durch Ministerpräsident Cvetkovic geschlossen. Doch die amerikanischen Geheimagenten um Eden und Donovan veranlassten den jugoslawischen Luftwaffengeneral Simovic, als demonstrative Protesterklärung gegen das Bündnis mit Berlin die Regierung zu stürzen, den Kronprinzen Peter für volljährig zu erklären, zum König auszurufen und den großen Volksaufstand in Belgrad losbrechen zu lassen. Damit hatte Jugoslawien das Bündnis mit Hitler zerrissen.
Goebbels notierte in seinen Tagebüchern: "Der Führer sieht etwas angegriffen aus. Der Fall Jugoslawien ergrimmt ihn sehr. Inden USA gibt man nun auch offiziell zu, dass Roosevelt ein wenig der Belgrader Operettenrevolution nachgeholfen habe. Churchill triumphiert in seiner Rede über Jugoslawien. Der Führer ist empört."

Die deutsche Wehrmacht war auf Blitzkrieg programmiert und glaubte, die Rote Armee in zwei bis drei Monaten erledigt zu haben.
Wäre die Wehrmacht - wie ursprünglich geplant - im Mai 1941 aufgebrochen, hätte der Plan möglicherweise funktioniert. Selbst bei energischer Gegenwehr hätte man Zeit gehabt, diese zu brechen.
Nun aber marschierten die Truppen viel zu spät nach Russland ein, so dass die Panzer und LKWs vor Moskau zunächst im Schlamm des unaufhörlichen Herbstregens stecken blieben. Später, als es kälter wurde und alles fror, gefrierte auch das Öl der Motoren, so dass weder die Maschinen der Panzer, noch die der Flugzeuge ansprangen; NICHT's ging mehr! Jeder Angriff und jede Offensive war unmöglich geworden.
Hinzu kam, dass die Ausrüstungen - sprich Uniformen (oder Bekleidung) - nicht für solch' extremen Wintereinbruch vorgesehen war (man ging ja von einem Sieg VOR dem Winter aus), so dass zunächst mehr Soldaten erfroren, als durch Kampfhandlungen umkamen.
Das war eigentlich schon die erste - und eine entscheidende! - Schlappe, die die Wehrmacht hinnehmen musste.

Deutscher Vormarsch in den Weiten Russlands

Der nächste Faktor war der teilweise beinahe fanatische Widerstand der Roten Armee, z.B. Leningrad, Brest, Sewastopol, Smolensk, später Stalingrad. Schlachten, die große Teile der Wehrmacht banden und am Vormarsch hinderten, was ebenfalls dazu beitrug, dass die Wehrmacht in den extremen russischen Winter geriet.
Diese Widerstände zu Beginn des Feldzugs hätte man noch vor Einbruch des Winters brechen können, wäre die Wehrmacht 6 Wochen früher auf russischen Boden einmarschiert. Man wäre möglicherweise bis Moskau vorgeprescht und hätte es einnehmen können. Moskau war ein entscheidender strategischer Bereich, den die Russen unter allen Umständen halten wollten. Deshalb zogen sie '41 dort das Gros ihrer Kräfte zusammen. Wäre nun die Wehrmacht NICHT im einbrechenden Winter zum stehen gekommen (wenn sie früher marschiert wäre), wäre Moskau möglicherweise genommen worden. Danach wäre die Rote Armee - ihrer Hauptkraft und ihrer Führung verlustig - derart geschwächt gewesen, das der Sieg der Deutschen greifbar nahe gewesen wäre. Aber es hatte anders kommen sollen.

Man muss hierbei allerdings auch erkennen, dass die Russen über ein unglaubliches Potential an Menschenmassen verfügten, dass auch gnadenlos eingesetzt wurde.
Im weiterem Verlauf des Krieges hatten die deutschen Truppen (neben Versorgungs- und Nachschubproblemen) teilweise extrem hohe Verluste, die sie nicht ausgleichen konnten. Die Russen indes brachten nach katastrophalen Verlusten immer wieder neue frische Einheiten an die Front. Hinter der Front warteten auf russischer Seite Erschießungskommandos, die jeden zurückweichenden Rotarmisten auf der Stelle erschossen.
Dieses gewaltige Potential an Soldaten war ein weiterer Grund, warum ab etwa 1943 (nach Stalingrad) die Deutschen auf dem Rückzug waren.

Als dritter Faktor ist dann das unerwartete Erstarken der Roten Armee ab 1942 zu benennen: Wäre die deutsche Wehrmacht nicht in diesem extremen russischen Winter - der auch noch der bitterste der letzen hundert Jahre war - geraten, bevor man die Entscheidung herbeiführen konnte, wäre das spätere Erstarken der Roten Armee ausgeblieben. Und dieses Erstarken der Roten Armee war ab 1942 spürbar vorhanden, denn da begannen sich die Reformen der militärischen Führung der Sowjets auszuwirken (dazu komme ich gleich). Hätte man den Kern der Roten Armee schon 1941 geknackt, wäre der Sieg der Wehrmacht über die Rote Armee die unausweichliche Folge gewesen - zumindest jedoch greifbar nahe.

Das Deutsche Reich besaß zunächst seit 1941 Zugriff auf die Rohstoffe fast des gesamten europäischen Kontinents. Selbst nicht besetzte Länder wie Schweden, Spanien oder Rumänien lieferten Eisenerz und Mineralöl.
Die 1937 gegründete Aktiengesellschaft Reichswerke "Hermann Göring" wuchs mit der Einverleibung großer Industriebetriebe aus Österreich, Böhmen, Polen und Elsass-Lothringen zum größten europäischen Wirtschaftsunternehmen heran. Knapp eine Millionen Menschen arbeiteten für den Mammutkonzern, dessen Vermögenswerte fast das Sechsfache der I.G.Farben betrug.
Der Überfall auf die Sowjetunion brachte einen Großteil der sowjetischen Industrie in deutsche Hand. Ein Jahr später produzierte der von Deutschland besetzte Teil Europas 32 Millionen Tonnen Stahl, der Rest der Sowjetunion dagegen nur 8 Millionen Tonnen.
Die Sowjetunion hatte zwei Drittel ihrer gesamten Industriekapazität verloren. Sie büßte die für die Lebensmittelversorgung unersetzbare Ukraine, ihren "Brotkorb", ein und dazu den größten Teil ihrer Panzer und Flugzeuge. Hinzu kamen etwa 5 Millionen Verluste an Menschenleben.
Man konnte davon ausgehen, dass sich das Land von diesem Schlag kaum wieder erholen wird.
1942 war Stalingrad dem Zusammenbruch nahe, die deutsche Generalität plante bereits die Vereinigung der südlich des Kaukasus und östlich von Ägypten vorstoßenden Streitkräfte. Die Rote Armee befand sich in Auflösung; nur acht Prozent der ursprünglichen Armeekader hatten die verheerenden Niederlagen des Vorjahres überstanden. Die sowjetischen Soldaten kämpften mit an Tollkühnheit grenzender Tapferkeit, doch ihre Befehlshaber waren nicht in der Lage, die einzelnen Kampfhandlungen effizient zu organisieren.

Im Verlauf des Jahres 1942 jedoch setzte die sowjetische Führung tief greifende Reformen bei sämtlichen Teilstreitkräften durch. Stalin sah ein, dass militärische Ziele Priorität vor den politischen hatten. Er übertrug die völlige Befehlsgewalt den Militärs - was Hitler der Wehrmacht immer vehement verweigerte.
Ende August 1942 beförderte Stalin den jungen Kommandeur Georgij Schukow zu seinem Stellvertreter. Schukow war es, der es wagte, Stalin die Stirn zu bieten. Er überzeugte Stalin zu den dann folgenden Reformen. Diese Reformen bestanden darin, die Kommunikation zu verbessern, die Führung der Panzer und Flieger - nach deutschem Vorbild - zu koordinieren. Panzer und Flugzeuge erhielten Funksprechgeräte. Neu errichtete Kommunikationszentralen (vor allem Dank der amerikanischen Lieferung von 1,5 Millionen Kilometer Telefonkabel, 380.000 Feldtelefonen und 35.000 Funkstationen) erlaubten es erstmals, die Operationen mehrerer Divisionen oder Luftstaffeln zu koordinierten und somit einen Kriegsschauplatz mit Millionen Soldaten und vielen tausend Panzern und Flugzeugen unter Kontrolle zu halten.
Bei der "Operation Uranus", mit der die deutsche Südfront im November 1942 aufgebrochen und Stalingrad schließlich befreit wurde, bewies die Rote Armee erstmals, dass sie zu großräumigen Offensivoperationen im Stande war.
Die sowjetische Führung setzte jetzt nach westlichen Vorbild einen regelrechten Militärmanager ein (Marschall Alexej Antonow), um den Krieg effizienter zu führen. Hitler dagegen hielt sich für einen besseren Strategen, als alle seine Generäle.
Dieser dritte Faktor war es, der es der Roten Armee ermöglichte, die Deutschen zurückzudrängen, - man denke hierbei an die gewaltige Schlagkraft der Roten Armee 1944-45, wo sie gemeinsame Großoffensiven auf tausend Kilometer breiter Front koordinierte, so dass sich die deutschen Verbände nicht gegenseitig zur Hilfe eilen konnten, da sie jeweils selbst in harten Kämpfen verwickelt waren. Und diese Strategie der gemeinsamen Großoffensiven auf breiter Front führte die Rote Armee direkt bis nach Berlin!

Deutsche Soldaten in Stalingrad

Viertens hatte die Wehrmacht teilweise arge Versorgungs- und Nachschubprobleme. Das Land war gewaltig groß, die deutsche Rüstungsindustrie nicht zuletzt durch die Bombardements der Briten und Amerikaner behindert. Man verfügte kaum über eine ausgeklügelte Logistik, um die kämpfenden Truppen ausreichend und schnell zu versorgen. Die endlosen Weiten des Landes hatte man möglicherweise unterschätzt. Es gab kaum Bahnlinien, Strassen oder befahrbare Wege. Hinzu kamen die Wetter- und Wegeverhältnisse in den eroberten und sich endlos hinziehenden Gebieten.
Der größte Teil des Nachschubs in den unwegsamen Geländen wurde mit Hilfe von Pferden bewältigt, entsprechend langsam ging es dabei voran, während die Panzer und Truppenverbände teilweise 50 Km und mehr täglich zurück legten.
Der Nachschub kam einfach nicht hinterher, die Truppen standen dann irgendwann zwangsläufig ohne Versorgung da. Es fehlte prinzipiell an allem; Munition, Granaten, Panzer, sogar Verpflegung, und insbesondere Treibstoff! Wegen Treibstoffmangel mussten immerwieder Offensiven abgebrochen werden. Beim Vormarsch auf Stalingrad und dem Kaukasus mussten ganze Panzerverbände und Armeegruppen wegen Spritmangel wochenlang untätig in der Steppe ausharren.
Das ist ein weiterer hauptsächlicher - weil kriegsentscheidender - Faktor, warum es die Wehrmacht nicht vermochte, die Rote Armee Stalins zu bezwingen! 

Der fünfte Faktor betrifft die deutsche Luftwaffe. Sie war im Zweiten Weltkrieg einer der stärksten strategischen Komponenten der Wehrmacht. Wurde ein Land überfallen, stießen als erstes die Bomber vor und schaltete des Gegners Flugplätze und Flugzeuge aus. Im Krieg gegen Polen agierten die deutschen Bomber und Jäger nahezu ungestört und griffen einfach alles an, selbst Panzer und Truppen. Im Feldzug gegen Frankreich das gleiche Bild.
Ein Beispiel der Kampfkraft der deutschen Luftwaffe: Während des Feldzugs gegen Polen setzten massiv operierende deutsche Flieger (Richthofens Hs 123 u. Ju 87) die Verteidigungsstellungen z.B. im Bereich der Städte Dzialoszyn und Tschenstochau ausser Gefecht, so dass die Panzer von Reichenaus 10. Armee sie mühelos durchstoßen konnten, während sie in Eilmärschen nach Warschau vorrückten. Während die Panzer weiter nach Polen hineinrasselten, wurde die gesamte polnische 7. Division durch rasche Umfassungsbewegungen bei Tschenstochau eingekesselt. Nach einem einzigen Tag unaufhörlicher massiver Bomber- und Tieffliegerangriffe durch die Luftflotte 4 ergab sich die gesamte Division. Zum erstenmal in der Kriegsgeschichte hatte eine Luftwaffe Bodentruppen in Divisionsstärke dazu gebracht, die Waffen zu strecken!

Zu beginn des Krieges gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 führte die Luftwaffe den ersten Schlag durch, indem Maschinen der Typen Ju 88 und He 111 mit ausgesuchten Besatzungen die Grenze überflogen und vorher bestimmte Punkte zwischen Ostpreußen und Südrumänien angriffen. Angriffsziel waren die durch deutsche Aufklärer festgestellten 66 vorgeschobenen Flugplätze, auf denen die meisten Einsatzstaffeln der Bomber- und Jägerverbände der sowjetischen Luftwaffe stationiert waren.
Diese unschätzbaren Informationen verdankten die Deutschen dem 37 jährigen Oberst Theodor Rowehl, einem altbewährten Flugzeugführer, der seit 1930 Pionierarbeit auf dem Gebiet der Luftaufklärung geleistet hatte. Rowehl's Fernaufklärer-Staffel flog schnelle Do 215, Ju 88 und einige für Höhenflüge umgebaute ältere Ju 86. In Höhen, die weit oberhalb des Wirkungsbereich russischer Jäger oder Flakgeschütze lagen, hatten Rowehl und seine Besatzungen ab Oktober 1940 bei ihren häufigen Aufklärungseinsätzen über sowjetischem Gebiet mit Zeiß-Teleobjektiven Tausende von Schräg- und Senkrechtaufnahmen gemacht - und damit klar gegen den am 23. August 1939 zwischen Hitler und Stalin geschlossenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag verstoßen. Und Stalin waren diese Aufklärungsflüge bekannt, denn zwei Maschinen Rowehl's mussten wegen auftretender Defekte auf russischem Gebiet notlanden.

Dank dieser Aufklärungsflüge wusste die deutsche Luftwaffe genau, wo sie größtmögliche Schwächung des Gegners erreichen konnte. Und so flogen die Bomber, Stukas und Jäger über das russische Land und schalteten systematisch deren Luftwaffe aus, - man stelle sich mal vor, allein am ersten Tag des Überfalls auf die Sowjetunion lag der Gesamtverlust russischer Flugzeuge bei über 2.000 Maschinen!
Die deutsche Luftwaffe ebnete während des Krieges den Weg für die Panzer und dem Heer, sie ermöglichte erst durch ihre massiven Einsätze die blitzartigen Siege über Polen, Norwegen, den Niederlande, Frankreich und Anfangs auch über Russland.

Das Manko der deutschen Luftwaffe bestand darin - und das war wiederum kriegsentscheidend -, dass sie keine schweren viermotorigen Langstrecken-Bomber besaß.
Die Sowjetunion verlegte unter allergrößten Anstrengungen ihre gesamte Rüstungsindustrie weit nach Osten hinter dem Ural - unerreichbar für deutsche Bomber und Jäger. Und diese russische Kriegswirtschaft produzierte wie wahnsinnig: Panzer, Flugzeuge, Kanonen, Granatwerfer (beispielsweise die berühmt-berüchtigte "Stalinorgel"), Munition, Maschinenpistolen und und und... Allein 1942 produzierte die UdSSR 25.400 Flugzeuge und 24.400 Panzer. Deutschland hingegen 15.400 Flugzeuge und 9.200 Panzer. Das gesamte russische Volk wurde für den Krieg mobilisiert, wer nicht arbeitete, erhielt keine Lebensmittel.
Hinzu kamen die Kriegsmateriallieferungen der West-Alliierten an die Sowjetunion: Rohstoffe, Maschinen, vor allem aber auch Lebensmittel. Dank der amerikanischen Lieferung von 1,5 Millionen Kilometer Telefonkabel, 380.000 Feldtelefonen und 35.000 Funkstationen konnte der Grundstein für die Modernisierung der Funk- und Fernmeldekommunikation der Roten Armee gelegt werden. Die USA lieferten nahezu sämtliche Lokomotiven und Güterwaggons und mehr als die Hälfte der angeforderten Schienen. Darüber hinaus Flugbenzin, Kupfer, Aluminium und Sprengstoff...
Ein monströses Potenzial an Kriegsgerät entstand. OHNE diese Kriegslieferungen der USA, an deren gewaltigen Materialflut letztendlich die deutsche Wehrmacht zerbrach, hätte die Sowjetunion nicht stand halten können.

Hätte nun die deutsche Luftwaffe die russische Rüstungsindustrie, sowohl als auch die wichtigsten (und entscheidensten) Häfen, mit Langstreckenbomber massiv und permanent bombardieren können, wäre der Krieg mit Sicherheit anders verlaufen!
Übrigens: Als diese Fehlplanung und andere Fehlschläge der Luftwaffe 1941 deutlich wurden, sah der Chefplaner der Luftwaffe, Generaloberst Ernst Udet (Chef des Technischen Amtes des Luftfahrtministeriums), darin seine persönliche Verantwortung b.z.w. sein persönliches Versagen - und beging am 17. November 1941 Selbstmord.

Fünf Faktoren, unbestreitbar Kriegsentscheidend (später Einmarsch, harter Widerstand, Erstarken der Roten Armee, Nachschubprobleme und fehlende Langstreckenbomber) bewirkten durch ihre Gemeinsamkeit b.z.w. infolge das Scheitern der deutschen Wehrmacht in Russland und ermöglichten den erfolgreichen und unaufhaltsamen Vormarsch der Roten Armee. Die Eröffnung der zweiten Front der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 brachte zwar durch Truppenbindung der Ostfront wichtige Entlastung, war aber allein nicht zwingend Kriegsentscheidend. Der Krieg wurde unzweifelhaft an der Ostfront entschieden. Wäre die deutsche Wehrmacht dort erfolgreich gewesen und hätte die Rote Armee geschlagen, oder hätte sich die deutsche Führung niemals auf dieses Abenteuer eingelassen, hätte es eine zweite Front nie gegeben - jedenfalls nicht zu diesem oder einem näheren Zeitpunkt!

Dem Autor ist sehr wohl bewusst, dass die Gründe, die zum Scheitern der Wehrmacht führten, noch wesentlich tiefgründiger und vielfältiger sind, als hier dargestellt! Aber, grob betrachtet, ist er der Meinung, die entscheidensten Folgeereignisse und Fehlentwicklungen herausgearbeitet zu haben.

© 2002 Torsten Migge (Webmaster of "Geschichtsthemen")

Die Generale Schukow und Montgomery in Berlin 1945

 

Wichtigste Quellen:

  • Richard Overy "Die Wurzeln des Sieges" Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart/München © 2002,

  • Cherster Wilmot "Der Kampf um Europa" Schweizer Volks-Buchgemeinde, Luzern 1953,

  • Omer Bartov "Hitlers Wehrmacht" Rowohlt Verlag GmbH © 1995,

  • "Die deutsche Luftwaffe im 2. Weltkrieg" Autorenkollektiv, Gondrom Verlag 2001,

  • "Die großen Luftschlachten des Zweiten Weltkrieges" Autorenkollektiv, Neuer Kaiser Verlag GmbH,

  • H. Scheibert/W. Haupt "Stalingrad 1942 - Offensive und Niederlage" Podzun-Pallas-Verlag GmbH,

  • Richard Overy "Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945" Econ Ullstein List Verlag Gmbh & Co. Kg © 2002,

  • Alfred Price "Battle over the Reich" Jan Allan Ltd, 1973,

  • "Second World War" Winston Churchill, Houghton Mifflin Co., April 1981.

  • "Hitler and Churchill. Secrets of Leadership" Andrew Roberts, Weidenfeld & Nichols, Februar 2003,

  • "Churchill" Roy Jenkins, Pan, Juni 2002,

  • Rolf Hochhuth "Eine Liebe in Deutschland" Rowohlt Verlag 1978, 

 

 

 

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