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Von
Torsten Migge
Der Zweite Weltkrieg,
in dem über 60 Staaten verwickelt waren und der unsägliches Leid
verbreitete und unvorstellbare Opfer forderte, in dem 64 Millionen Menschen
ihr Leben verloren (24 Millionen Soldaten und 40 Millionen Zivilisten) und dessen Kampfgebiet sich
bis nach Ägypten oder an die Küste des amerikanischen Kontinent (und durch
Japan selbst über den gesamten Pazifikraum und Südostasien) erstreckte, wurde unzweifelhaft an der Ostfront, in Russland, entschieden.
Der Roten Armee Stalins wurde es aufgebürdet, dem deutschen Aggressor
Einhalt zu gebieten - freilich mit Unterstützung und in Allianz mit den Mächten des Westens, explizit Englands und den USA, ohne die die Sowjetunion
sicher nicht hätte stand halten können.
Kein anderer
Kriegsschauplatz als der auf russischem Boden hatte solche alles Entscheidende
Bedeutung: Hier war das Gros der deutschen Verbände, hier wurden die entscheidensten Schlachten
geschlagen - und hier mussten die
entscheidensten und empfindlichsten Niederlagen auf deutscher Seite
hingenommen werden.
Warum nun hat die Wehrmacht hier versagt, wo sie doch sonst, bei vorangegangenen Eroberungen, z.B. Polens, Norwegens und Frankreichs, so erstaunliche und für die ganze
Welt verblüffende Erfolge errang? Warum gelang es der deutschen Wehrmacht
trotz waffentechnischer und strategischer Überlegenheit nicht, den
sowjetischen Gegner nieder zu ringen?
Ein vielseitiges und umfangreiches Thema! Und doch:
Im
folgendem möchte ich eine These aufstellen, wonach der Zweite Weltkrieg für
Deutschland durchaus gewinnbar gewesen wäre. Fünf Faktoren (sich wie eine
Kette aneinander reihende Folgeerscheinungen) führten im
Feldzug gegen die Sowjetunion neben eklatanten Fehlentscheidungen und
Falscheinschätzungen (explizit Hitlers persönlich) im wesentlichen letztendlich dazu, dass
die deutsche Wehrmacht im Osten scheiterte. Nämlich:
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Der späte - zuspäte - Einmarsch in die Sowjetunion,
so dass die Wehrmacht im Schlamm und Schnee des Winters stecken blieb.
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Der
teilweise unerwartet hartnäckige Widerstand der russischen Soldaten
verbunden mit dem schier unglaublichen Potential an Menschenmassen.
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Das
unvoraussehbare Erstarken der Roten Armee ab 1942 (Reformen).
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Viertens hatte die
deutsche Führung ärgste Versorgungs- und Nachschubprobleme in den
unendlichen Weiten der russischen Steppe.
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Und fünftens fehlten der deutschen Luftwaffe Langstreckenbomber um die
sowjetische Rüstungsindustrie zu zerstören.
Zunächst
war der Überfall auf die Sowjetunion - "Unternehmen Barbarossa" -
für Anfang Mai 1941 festgelegt. Allerdings musste der Russlandfeldzug
Terminlich um - unaufholbare! - 6 Wochen verschoben werden, denn auf dem
Balkan (in Belgrad und Griechenland) tobte der Volksaufstand, den
Geheimdienstler der USA und Kanadas (erste Zusammenarbeit Churchills und
Roosevelts) provozierten, um Hitlers Ölversorgung abzuschneiden.
Also war Hitler gezwungen, dort erst mal Ordnung zu schaffen um nicht mit
offener Flanke kämpfen zu müssen, OBWOHL er wusste und das oft genug
betonte, er darf im Russlandfeldzug nicht in den Winter geraten. Denn er war
durchaus gedanklich mit der Vernichtung Napoleons durch den Winter beschäftigt
- dennoch aber kommt es dazu, dass er erst am 22. Juni marschiert, am selben
Tag, an dem 1812 Napoleon seine Proklamation an die - ebenfalls - größte
Armee erlassen hatte, die je in Europa zu einem Überfall aufmarschiert war.
Die
"Schweinerei auf dem Balkan", wie Churchill es nannte, wurde von
Churchill und Roosevelt initiiert, weil man WUSSTE, Hitler beabsichtige im
Mai Russland zu überfallen.
Churchills Kalkül dabei ging dahin, Hitler zu zwingen, den Russlandfeldzug
verschieben zu müssen, so dass die deutsche Wehrmacht in den harten
russischen Winter kommt, für den sie überhauptnicht gerüstet ist, denn er
(Churchill) befürchtete (nicht zu unrecht), dass, wenn der Wehrmacht in
Russland im kommenden Sommer ebenso ein Blitzkrieg glückte wie in
Frankreich, sie den Krieg gewinnen könne.
Somit müsse - so Churchill - der Winter den deutschen Vormarsch zum stehen
bringen vor Moskau.
Mit einem brennenden Balkan an der rechten Flanke wäre der Überfall auf
Russland ein noch gewagteres Unternehmen gewesen. Also blieb Hitler
nichts anderes übrig, als "Barbarossa" zu verschieben und den
Balkan zurück zu erobern - wie es Churchill wollte! Hitler nannte das dann
auch bezeichnenderweise "Operation Strafe".
In Anbetracht meiner Teil-These, dass die Wehrmacht im Osten möglicherweise
erfolgreich gewesen wäre, wenn sie den ursprünglichen Angriffstermin hätte
einhalten können, war diese Tat Churchills letztendlich mit
kriegsentscheidend!
Erst
1976, elf Jahre nach Churchills Tod, hat William Stephenson, ein kanadischer
Business-Millionär, enthüllt, dass er mit dem Amerikaner William J.
Donovan, dem späteren General und Gründer der Urzelle der CIA, 1941 den
Balkan in Brand gesteckt hat, um Hitler zum Amoklauf nach Athen und Belgrad
zu verlocken und ihn dadurch zu zwingen, seinen Überfall auf Russland um
nie mehr einzuholende sechs Wochen zu verschieben.
Zunächst landeten Briten am 7. März 1941 in Piräus aufgrund abgefangener
deutscher Nachrichten, dass Hitler in Griechenland einfallen wollte, um den
Italienern erstens in Nordafrika, zweitens in Griechenland selbst
beizustehen, das sie gegen seine Intensionen am 28. Oktober 1940 überfallen
hatten und wo sie fast pausenlos geschlagen wurden.
Hitler, der - wegen des ihm fehlenden Öls - Rumänien, das er wie Bulgarien
zu seinem Vasallen gemacht hatte, nie aufgeben konnte, musste die Briten aus
Athen wieder vertreiben, ehe er gegen Moskau aufbrechen konnte, wollte er
nicht riskieren, mit offener Flanke zu kämpfen und das rumänische Öl zu
verlieren, ehe er das kaukasische erobert hatte.
Um sicher zu gehen, dass Hitler den Angriffstermin gegen Russland auch
wirklich zwingend verschieben musste, zog Churchill auch noch Jugoslawien in
den Krieg, das soeben in Wien den Drei-Mächte-Pakt mit Hitler
unterzeichnete und von ihm um freien Durchmarsch nach Griechenland für
Teile der 2. deutschen Armee (Generaloberst v. Weichs) ersucht wurde. Denn
die britischen Chancen, Griechenland gegen Deutschland zu verteidigen, wenn
es nicht nur aus Richtung Rumänien-Bulgarien (Feldmarschall Lists Armee),
sondern auch noch von Jugoslawien aus besetzt würde, waren Null.
Der Pakt mit Deutschland wurde von der jugoslawischen Regierung des
Prinzregenten Paul durch Ministerpräsident Cvetkovic geschlossen. Doch die
amerikanischen Geheimagenten um Eden und Donovan veranlassten den jugoslawischen
Luftwaffengeneral Simovic, als demonstrative Protesterklärung gegen das Bündnis
mit Berlin die Regierung zu stürzen, den Kronprinzen Peter für volljährig
zu erklären, zum König auszurufen und den großen Volksaufstand in Belgrad
losbrechen zu lassen. Damit hatte Jugoslawien das Bündnis mit Hitler
zerrissen.
Goebbels notierte in seinen Tagebüchern: "Der Führer sieht etwas
angegriffen aus. Der Fall Jugoslawien ergrimmt ihn sehr. Inden USA gibt man
nun auch offiziell zu, dass Roosevelt ein wenig der Belgrader
Operettenrevolution nachgeholfen habe. Churchill triumphiert in seiner Rede
über Jugoslawien. Der Führer ist empört."
Die
deutsche Wehrmacht war auf Blitzkrieg programmiert und glaubte, die Rote
Armee in zwei bis drei Monaten erledigt zu haben.
Wäre die Wehrmacht - wie ursprünglich geplant - im Mai 1941 aufgebrochen,
hätte der Plan möglicherweise funktioniert. Selbst bei energischer
Gegenwehr hätte man Zeit gehabt, diese zu brechen.
Nun aber marschierten die Truppen viel zu spät nach Russland ein, so dass
die Panzer und LKWs vor Moskau zunächst im Schlamm des unaufhörlichen
Herbstregens stecken blieben. Später, als es kälter wurde und alles fror, gefrierte
auch das Öl der Motoren, so dass weder die Maschinen der Panzer, noch die
der Flugzeuge ansprangen; NICHT's ging mehr! Jeder Angriff und jede
Offensive war unmöglich geworden.
Hinzu kam, dass die Ausrüstungen - sprich Uniformen (oder Bekleidung) -
nicht für solch' extremen Wintereinbruch vorgesehen war (man ging ja von
einem Sieg VOR dem Winter aus), so dass zunächst mehr Soldaten erfroren,
als durch Kampfhandlungen umkamen.
Das war eigentlich schon die erste - und eine entscheidende! - Schlappe, die
die Wehrmacht hinnehmen musste.
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Deutscher
Vormarsch in den Weiten Russlands |
Der
nächste Faktor war der teilweise beinahe fanatische Widerstand der Roten
Armee, z.B. Leningrad, Brest, Sewastopol, Smolensk, später Stalingrad. Schlachten, die
große Teile der Wehrmacht banden und am Vormarsch hinderten, was ebenfalls
dazu beitrug, dass die Wehrmacht in den extremen russischen Winter geriet.
Diese Widerstände zu Beginn des Feldzugs hätte man noch vor Einbruch des Winters brechen können,
wäre die Wehrmacht 6 Wochen früher auf russischen Boden einmarschiert. Man
wäre möglicherweise bis Moskau vorgeprescht und hätte es einnehmen
können. Moskau war ein entscheidender strategischer Bereich, den die Russen
unter allen Umständen halten wollten. Deshalb zogen sie '41 dort das Gros
ihrer Kräfte zusammen. Wäre nun die Wehrmacht NICHT im einbrechenden
Winter zum stehen gekommen (wenn sie früher marschiert wäre), wäre Moskau
möglicherweise genommen worden. Danach wäre die Rote Armee - ihrer
Hauptkraft und ihrer Führung verlustig - derart geschwächt gewesen, das
der Sieg der Deutschen greifbar nahe gewesen wäre. Aber es hatte anders
kommen sollen.
Man
muss hierbei allerdings auch erkennen, dass die Russen über ein
unglaubliches Potential an Menschenmassen verfügten, dass auch gnadenlos
eingesetzt wurde.
Im weiterem Verlauf des Krieges hatten die deutschen Truppen (neben
Versorgungs- und Nachschubproblemen) teilweise extrem hohe Verluste, die sie
nicht ausgleichen konnten. Die Russen indes brachten nach katastrophalen
Verlusten immer wieder neue frische Einheiten an die Front. Hinter der Front
warteten auf russischer Seite Erschießungskommandos, die jeden
zurückweichenden Rotarmisten auf der Stelle erschossen.
Dieses gewaltige Potential an Soldaten war ein weiterer Grund, warum ab etwa
1943 (nach Stalingrad) die Deutschen auf dem Rückzug waren.
Als
dritter Faktor ist dann das unerwartete Erstarken der Roten Armee ab 1942 zu
benennen: Wäre die deutsche Wehrmacht nicht
in diesem extremen russischen Winter - der auch noch der bitterste der
letzen hundert Jahre war - geraten, bevor man die Entscheidung herbeiführen
konnte, wäre das spätere Erstarken der Roten Armee ausgeblieben. Und dieses
Erstarken der Roten Armee war ab 1942 spürbar vorhanden, denn da begannen
sich die Reformen der militärischen Führung der Sowjets auszuwirken (dazu
komme ich gleich). Hätte man den Kern der Roten Armee schon 1941 geknackt,
wäre der Sieg der Wehrmacht über die Rote Armee die unausweichliche Folge gewesen -
zumindest jedoch greifbar nahe.
Das
Deutsche Reich besaß zunächst seit 1941 Zugriff auf die Rohstoffe fast des
gesamten europäischen Kontinents. Selbst nicht besetzte Länder wie
Schweden, Spanien oder Rumänien lieferten Eisenerz und Mineralöl.
Die 1937 gegründete Aktiengesellschaft Reichswerke "Hermann Göring"
wuchs mit der Einverleibung großer Industriebetriebe aus Österreich, Böhmen,
Polen und Elsass-Lothringen zum größten europäischen
Wirtschaftsunternehmen heran. Knapp eine Millionen Menschen arbeiteten für
den Mammutkonzern, dessen Vermögenswerte fast das Sechsfache der I.G.Farben
betrug.
Der Überfall auf die Sowjetunion brachte einen Großteil der sowjetischen
Industrie in deutsche Hand. Ein Jahr später produzierte der von Deutschland
besetzte Teil Europas 32 Millionen Tonnen Stahl, der Rest der Sowjetunion
dagegen nur 8 Millionen Tonnen.
Die Sowjetunion hatte zwei Drittel ihrer gesamten Industriekapazität
verloren. Sie büßte die für die Lebensmittelversorgung unersetzbare
Ukraine, ihren "Brotkorb", ein und dazu den größten Teil ihrer
Panzer und Flugzeuge. Hinzu kamen etwa 5 Millionen Verluste an
Menschenleben.
Man konnte davon ausgehen, dass sich das Land von diesem Schlag kaum wieder
erholen wird.
1942 war Stalingrad dem Zusammenbruch nahe, die deutsche Generalität plante
bereits die Vereinigung der südlich des Kaukasus und östlich von Ägypten
vorstoßenden Streitkräfte. Die Rote Armee befand sich in Auflösung; nur acht
Prozent der ursprünglichen Armeekader hatten die verheerenden Niederlagen
des Vorjahres überstanden. Die sowjetischen Soldaten kämpften mit an Tollkühnheit
grenzender Tapferkeit, doch ihre Befehlshaber waren nicht in der Lage, die
einzelnen Kampfhandlungen effizient zu organisieren.
Im
Verlauf des Jahres 1942 jedoch setzte die sowjetische Führung tief
greifende Reformen bei sämtlichen Teilstreitkräften durch. Stalin sah ein,
dass militärische Ziele Priorität vor den politischen hatten. Er übertrug
die völlige Befehlsgewalt den Militärs - was Hitler der Wehrmacht immer
vehement verweigerte.
Ende August 1942 beförderte Stalin den jungen Kommandeur Georgij Schukow zu
seinem Stellvertreter. Schukow war es, der es wagte, Stalin die Stirn zu
bieten. Er überzeugte Stalin zu den dann folgenden Reformen. Diese Reformen
bestanden darin, die Kommunikation zu verbessern, die Führung der Panzer
und Flieger - nach deutschem Vorbild - zu koordinieren. Panzer und Flugzeuge
erhielten Funksprechgeräte. Neu errichtete Kommunikationszentralen (vor allem
Dank der amerikanischen
Lieferung von 1,5 Millionen Kilometer Telefonkabel, 380.000 Feldtelefonen
und 35.000 Funkstationen) erlaubten es erstmals, die Operationen mehrerer Divisionen oder Luftstaffeln
zu koordinierten und somit einen Kriegsschauplatz mit Millionen Soldaten und
vielen tausend Panzern und Flugzeugen unter Kontrolle zu halten.
Bei der "Operation Uranus", mit der die deutsche Südfront im
November 1942 aufgebrochen und Stalingrad schließlich befreit wurde, bewies
die Rote Armee erstmals, dass sie zu großräumigen Offensivoperationen im
Stande war.
Die sowjetische Führung setzte jetzt nach westlichen Vorbild einen
regelrechten Militärmanager ein (Marschall Alexej Antonow), um den Krieg
effizienter zu führen. Hitler dagegen hielt sich für einen besseren
Strategen, als alle seine Generäle.
Dieser dritte Faktor war es, der es der Roten Armee ermöglichte, die
Deutschen zurückzudrängen, - man denke hierbei an die gewaltige
Schlagkraft der Roten Armee 1944-45, wo sie gemeinsame Großoffensiven auf tausend
Kilometer breiter Front koordinierte, so dass sich die deutschen Verbände
nicht gegenseitig zur Hilfe eilen konnten, da sie jeweils selbst in harten
Kämpfen verwickelt waren. Und diese Strategie der gemeinsamen
Großoffensiven auf breiter Front führte die Rote Armee direkt bis nach
Berlin!
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Deutsche Soldaten in
Stalingrad
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Viertens
hatte die Wehrmacht teilweise arge Versorgungs- und Nachschubprobleme. Das
Land war gewaltig groß, die deutsche Rüstungsindustrie nicht zuletzt durch
die Bombardements der Briten und Amerikaner behindert. Man verfügte kaum
über eine ausgeklügelte Logistik, um die kämpfenden Truppen ausreichend
und schnell zu versorgen. Die endlosen Weiten des Landes hatte man
möglicherweise unterschätzt. Es gab kaum Bahnlinien, Strassen oder
befahrbare Wege. Hinzu kamen die Wetter- und Wegeverhältnisse in den
eroberten und sich endlos hinziehenden Gebieten.
Der größte Teil des Nachschubs in den unwegsamen Geländen wurde mit Hilfe
von Pferden bewältigt, entsprechend langsam ging es dabei voran,
während die Panzer und Truppenverbände teilweise 50 Km und mehr täglich
zurück legten.
Der Nachschub kam einfach nicht hinterher, die Truppen standen dann
irgendwann zwangsläufig ohne Versorgung da. Es fehlte prinzipiell an allem;
Munition, Granaten, Panzer, sogar Verpflegung, und insbesondere Treibstoff!
Wegen Treibstoffmangel mussten immerwieder Offensiven abgebrochen werden.
Beim Vormarsch auf Stalingrad und dem Kaukasus mussten ganze Panzerverbände
und Armeegruppen
wegen Spritmangel wochenlang untätig in der Steppe ausharren.
Das ist ein weiterer hauptsächlicher - weil kriegsentscheidender - Faktor,
warum es die Wehrmacht nicht vermochte, die Rote Armee Stalins zu
bezwingen!
Der
fünfte Faktor betrifft die deutsche Luftwaffe. Sie war im Zweiten Weltkrieg einer der stärksten
strategischen Komponenten der Wehrmacht. Wurde ein Land überfallen, stießen
als erstes die Bomber vor und schaltete des Gegners Flugplätze und
Flugzeuge aus. Im Krieg gegen Polen agierten die deutschen Bomber und Jäger
nahezu ungestört und griffen einfach alles an, selbst Panzer und Truppen.
Im Feldzug gegen Frankreich das gleiche Bild.
Ein Beispiel der Kampfkraft der deutschen Luftwaffe: Während des Feldzugs
gegen Polen setzten massiv operierende deutsche Flieger (Richthofens Hs 123
u. Ju 87) die Verteidigungsstellungen z.B. im Bereich der Städte Dzialoszyn
und Tschenstochau ausser Gefecht, so dass die Panzer von Reichenaus 10.
Armee sie mühelos durchstoßen konnten, während sie in Eilmärschen nach
Warschau vorrückten. Während die Panzer weiter nach Polen hineinrasselten,
wurde die gesamte polnische 7. Division durch rasche Umfassungsbewegungen
bei Tschenstochau eingekesselt. Nach einem einzigen Tag unaufhörlicher
massiver Bomber- und Tieffliegerangriffe durch die Luftflotte 4 ergab sich
die gesamte Division. Zum erstenmal in der Kriegsgeschichte hatte eine
Luftwaffe Bodentruppen in Divisionsstärke dazu gebracht, die Waffen zu
strecken!
Zu beginn des Krieges gegen die Sowjetunion am 22. Juni
1941 führte die
Luftwaffe den ersten Schlag durch, indem Maschinen der Typen Ju 88 und He
111 mit ausgesuchten Besatzungen die Grenze überflogen und vorher bestimmte
Punkte zwischen Ostpreußen und Südrumänien angriffen. Angriffsziel waren
die durch deutsche Aufklärer festgestellten 66 vorgeschobenen Flugplätze,
auf denen die meisten Einsatzstaffeln der Bomber- und Jägerverbände der
sowjetischen Luftwaffe stationiert waren.
Diese unschätzbaren Informationen verdankten die Deutschen dem 37 jährigen
Oberst Theodor Rowehl, einem altbewährten Flugzeugführer, der seit 1930
Pionierarbeit auf dem Gebiet der Luftaufklärung geleistet hatte. Rowehl's
Fernaufklärer-Staffel flog schnelle Do 215, Ju 88 und einige für Höhenflüge
umgebaute ältere Ju 86. In Höhen, die weit oberhalb des Wirkungsbereich
russischer Jäger oder Flakgeschütze lagen, hatten Rowehl und seine
Besatzungen ab Oktober 1940 bei ihren häufigen Aufklärungseinsätzen über
sowjetischem Gebiet mit Zeiß-Teleobjektiven Tausende von Schräg- und
Senkrechtaufnahmen gemacht - und damit klar gegen den am 23. August 1939
zwischen Hitler und Stalin geschlossenen deutsch-sowjetischen
Nichtangriffsvertrag verstoßen. Und Stalin waren diese Aufklärungsflüge
bekannt, denn zwei Maschinen Rowehl's mussten wegen auftretender Defekte auf
russischem Gebiet notlanden.
Dank
dieser Aufklärungsflüge wusste die deutsche Luftwaffe genau, wo sie größtmögliche
Schwächung des Gegners erreichen konnte. Und so flogen die Bomber, Stukas
und Jäger über das russische Land und schalteten systematisch deren
Luftwaffe aus, - man stelle sich mal vor, allein am ersten Tag des Überfalls
auf die Sowjetunion lag der Gesamtverlust russischer Flugzeuge bei über
2.000 Maschinen!
Die deutsche Luftwaffe ebnete während des Krieges den Weg für die Panzer und dem Heer, sie ermöglichte
erst durch ihre massiven Einsätze die blitzartigen Siege über Polen,
Norwegen, den Niederlande, Frankreich und Anfangs auch über Russland.
Das
Manko der deutschen Luftwaffe bestand darin - und das war wiederum
kriegsentscheidend -, dass sie keine schweren viermotorigen Langstrecken-Bomber
besaß.
Die Sowjetunion verlegte unter allergrößten Anstrengungen ihre gesamte Rüstungsindustrie
weit nach Osten hinter dem Ural - unerreichbar für deutsche Bomber und Jäger.
Und diese russische Kriegswirtschaft produzierte wie wahnsinnig: Panzer,
Flugzeuge, Kanonen, Granatwerfer (beispielsweise die berühmt-berüchtigte
"Stalinorgel"), Munition, Maschinenpistolen und und und... Allein 1942
produzierte die UdSSR 25.400 Flugzeuge und 24.400 Panzer. Deutschland
hingegen 15.400 Flugzeuge und 9.200 Panzer. Das gesamte russische Volk wurde
für den Krieg mobilisiert, wer nicht arbeitete, erhielt keine Lebensmittel.
Hinzu kamen die Kriegsmateriallieferungen der West-Alliierten an die
Sowjetunion: Rohstoffe, Maschinen, vor allem aber auch Lebensmittel. Dank der amerikanischen
Lieferung von 1,5 Millionen Kilometer Telefonkabel, 380.000 Feldtelefonen
und 35.000 Funkstationen konnte der Grundstein für die Modernisierung der
Funk- und Fernmeldekommunikation der Roten Armee gelegt werden. Die USA
lieferten nahezu sämtliche Lokomotiven und Güterwaggons und mehr als die Hälfte
der angeforderten Schienen. Darüber hinaus Flugbenzin, Kupfer, Aluminium
und Sprengstoff... Ein monströses Potenzial an
Kriegsgerät entstand. OHNE diese Kriegslieferungen der USA, an deren
gewaltigen Materialflut letztendlich die deutsche Wehrmacht zerbrach, hätte
die Sowjetunion nicht stand halten können.
Hätte
nun die deutsche Luftwaffe die russische Rüstungsindustrie, sowohl als auch
die wichtigsten (und entscheidensten) Häfen, mit
Langstreckenbomber massiv und permanent bombardieren können, wäre der
Krieg mit Sicherheit anders verlaufen!
Übrigens: Als diese Fehlplanung und andere
Fehlschläge der Luftwaffe 1941 deutlich wurden, sah der Chefplaner der
Luftwaffe, Generaloberst Ernst Udet (Chef des Technischen Amtes des
Luftfahrtministeriums), darin seine persönliche Verantwortung b.z.w. sein
persönliches Versagen - und beging am 17. November 1941 Selbstmord.
Fünf
Faktoren, unbestreitbar Kriegsentscheidend (später Einmarsch, harter
Widerstand, Erstarken der Roten Armee, Nachschubprobleme und fehlende Langstreckenbomber) bewirkten durch ihre Gemeinsamkeit
b.z.w. infolge das Scheitern der deutschen Wehrmacht in Russland und ermöglichten den
erfolgreichen und
unaufhaltsamen Vormarsch der Roten Armee. Die Eröffnung der zweiten Front
der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 brachte zwar durch
Truppenbindung der Ostfront wichtige Entlastung, war aber allein nicht zwingend Kriegsentscheidend. Der Krieg wurde unzweifelhaft an der Ostfront
entschieden. Wäre die deutsche Wehrmacht dort erfolgreich gewesen und
hätte die Rote Armee geschlagen, oder hätte sich die deutsche Führung
niemals auf dieses Abenteuer eingelassen, hätte es eine zweite Front nie
gegeben - jedenfalls nicht zu diesem oder einem näheren Zeitpunkt!
Dem Autor ist sehr wohl bewusst, dass die Gründe, die zum Scheitern der
Wehrmacht führten, noch wesentlich tiefgründiger und vielfältiger sind,
als hier dargestellt! Aber, grob betrachtet, ist er der Meinung, die
entscheidensten Folgeereignisse und Fehlentwicklungen herausgearbeitet zu
haben.
©
2002 Torsten Migge (Webmaster of "Geschichtsthemen")
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Die Generale Schukow und
Montgomery in Berlin 1945 |
Wichtigste
Quellen:
-
Richard Overy "Die Wurzeln des Sieges" Deutsche Verlags-Anstalt
GmbH, Stuttgart/München © 2002,
-
Cherster Wilmot "Der Kampf um Europa" Schweizer
Volks-Buchgemeinde, Luzern 1953,
-
Omer Bartov "Hitlers Wehrmacht" Rowohlt Verlag GmbH © 1995,
-
"Die deutsche Luftwaffe im 2. Weltkrieg" Autorenkollektiv, Gondrom
Verlag 2001,
-
"Die großen Luftschlachten des Zweiten Weltkrieges"
Autorenkollektiv, Neuer Kaiser Verlag GmbH,
-
H. Scheibert/W. Haupt "Stalingrad 1942 - Offensive und Niederlage"
Podzun-Pallas-Verlag GmbH,
-
Richard Overy "Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten
1945" Econ Ullstein List Verlag Gmbh & Co. Kg © 2002,
-
Alfred Price "Battle over the Reich" Jan Allan Ltd, 1973,
-
"Second
World War" Winston Churchill, Houghton Mifflin Co., April 1981.
-
"Hitler
and Churchill. Secrets of Leadership" Andrew Roberts, Weidenfeld
& Nichols, Februar 2003,
-
"Churchill"
Roy Jenkins, Pan, Juni 2002,
-
Rolf Hochhuth "Eine Liebe in Deutschland" Rowohlt Verlag 1978,




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