Von Torsten Migge

B-17-Bomber über Deutschland


Waren die Luftangriffe der Engländer auf Deutschland während des Zweiten Weltkrieges und die systematische Zerstörung deutscher Städte berechtigt, oder waren sie trotz aller Verbrechen, die von Deutschen begangen wurden, eher barbarische Gewaltakte, die ihres gleichen suchen?
Betrachtet man diese komplizierte Thematik nüchtern und objektiv, kommt man nicht umhin festzustellen, dass der alliierte Bombenterror auf deutsche Städte, und damit auf wehrlose Kinder, Frauen und Alte, moralisch verwerflich und vielleicht sogar ein Kriegsverbrechen war (ähnlich oder Vergleichbar mit dem Zerstörungsterror russischer Truppen in Tschetschenien unserer Tage)!
Die Rechtfertigung, dass diese Bombardements entscheidend dazu beitrugen, den Krieg schneller zu beenden um weiteres Leid zu verhindert, entspricht nämlich nicht den Tatsachen, denn Kriegsentscheidend war dieser Terror in keinster Weise, noch hat er den Kriegsverlauf nennenswert beeinflusst. Er erzeugte lediglich grenzenlosen Hass, der den unsäglichen Krieg noch verschärfte.
Das wussten die Briten aber auch aus eigener Erfahrung, denn die deutsche Luftwaffe versuchte ja ihrerseits die Engländer 'kapitulationsbereit' zu bomben - ein aberwitziges Unterfangen!

Aber Churchill (Foto) sah damals keine andere Möglichkeit, den ständigen Forderungen Stalins nach einer zweiten Front im Westen zur Entlastung des russischen Kriegsschauplatzes nachzukommen, als größtmögliche Zerstörung und vermeintliche Demoralisierung auf deutsches Territorium zu tragen. Die bis zur alliierten Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 zunächst einzige verbliebene Offensivwaffe der Engländer, die sie gegen Deutschland einsetzen konnten, waren eben ihre Bomber.
Man darf aber auch nicht aus den Augen verlieren - aber das soll keine Rechtfertigung sein! - dass deutsche Bomben als Erste den Terror gegen die Zivilbevölkerung des Feindes entfacht haben - wenn auch völkerrechtlich umstritten: Guernica im spanischen Bürgerkrieg, Warschau, Rotterdam, Coventry etc.

Bombenangriffe auf Städte gab es allerdings auch schon im Ersten Weltkrieg, indem das deutsche Kaiserreich zunächst Zeppeline einsetzte, um England zu bombardieren (31. Mai 1915 erster Zeppelinangriff auf London; ab 1917 Einsatz von wendigeren Flugzeugen), wobei während des Ersten Weltkrieges 300 Tonnen Bomben auf Großbritannien abgeworfen wurden und 660 Tonnen Bomben vom Royal Flying Corps auf deutsche Ziele.


Die weltweit erste bombardierte Stadt

Die erste Stadt, die planmäßig und wiederholt aus der Luft bombardiert wurde, war Tsingtau in China, ein ehemaliges Fischerdorf im Gebiet von Kiautschou, das 1897 vom Deutschen Reich besetzt und dann auf 99 Jahre gepachtet wurde, um über einen Stützpunkt in Ostasien zu verfügen. Innerhalb weniger Jahre war Tsingtau zu einer moderne Großstadt mit Werft, Hafen und Bierbrauerei ausgebaut worden. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges erhob Japan Anspruch auf die deutschen Besitzungen in China. Bereits am 2. September 1914 begann der Großangriff der Japaner (mit 40.000 Soldaten), vom Wasser, vom Land und aus der Luft. Sturm und Regen bremsten den japanischen Vormarsch, ihre Verluste waren hoch. Ein deutsches Torpedoboot schaffte es sogar, den Kreuzer "Takachiho" zu versenken. Doch als die deutschen Schiffe keine Munition mehr hatten, wurden sie von ihren Kommandanten in der Hafeneinfahrt versenkt. Als auch den Landtruppen die Munition ausging, waren am 7. November 1914 die Kämpfe beendet, wobei die Japaner insgesamt 12.000 Soldaten verloren; Deutschland verlor 200 Mann.

Aber Luftbombardements waren keine Erfindung der Deutschen oder Japaner. Das britische Empire hatte bereits in Kolonialkriegen wie im Sudan (1916) oder in Afghanistan (1919) Volksaufstände niedergebombt. Im Sommer 1920 gab es einen Aufstand der Araber im (von den Engländern aus den ehemaligen drei osmanischen Provinzen Basra, Bagdad und Mosul installierten) Irak als Folge der Verhaftung und Einkerkerung eines populären Scheichs, wobei Churchill als Rüstungs- und Kolonialminister 97 Tonnen Bomben auf die Aufständischen werfen ließ; mehr als 6.000 Menschen kamen um. Übrigens empfahl Churchill bei Beginn des Konfliks in völliger Skrupellosigkeit den Einsatz chemischer Waffen gegen Rebellen: "Ich bin absolut dafür, Giftgas gegen unzivilisierte Stämme einzusetzen, um Angst und Terror zu verbreiten."
Dennoch beflügelten die Fortschritte der Luftfahrttechnik zunächst vor allem in Deutschland die Phantasien der Militärs. Schon 1938 forderte Hermann Göring den Bau eines Flugzeugs zur Bombardierung New Yorks. Und Hitler wollte gar "mit Terrorangriffen auf amerikanische Millionenstädte den Juden eine Lektion erteilen". Daimler-Benz entwickelte einen "Amerikabomber"...

 

Im Zweiten Weltkrieg Bombardierten die Briten zunächst lediglich Kriegsschiffe, wie erstmals am 4. September 1939, als die RAF mit 10 Blenheim und 9 Wellington in der Helgoländer Bucht den Panzerkreuzer "Admiral Scheer" sowie den Kreuzer "Emden" angriffen. Einer der ersten geplanten britischen Bombenangriff gegen ein Ziel auf deutschem Boden während des Zweiten Weltkrieges erfolgte am 19. März 1940. Da man der deutschen Luftwaffe noch keinen Vorwand für die Bombardierung von Zivileinrichtungen in England liefern wollte, richtete sich der Angriff gegen den Seefliegerstützpunkt Hörnum auf der dünn besiedelten Insel Sylt. Fünfzig Whitley- und Hampden-Bomber führten den Nachtangriff durch, und lediglich eine Maschine kehrte nicht zurück. Einundvierzig Besatzungen behaupteten später, das Ziel gefunden und bekämpft zu haben, wobei zahlreiche direkte Treffer auf Hangars und Unterkünften erzielt worden seien. Eine spätere Luftaufklärung vermochte jedoch keine schwerwiegenden Schäden an dem Seefliegerhorst feststellen.
Der große Wandel in der Bomber-Politik kam für die Royal Air Force im Mai 1940, im Anschluss an den verheerenden deutschen Bombenangriff auf Rotterdam. Der neue britische Premierminister, Winston Churchill, hob am 15. Mai die Sperre gegen zivile Ziele in Deutschland auf. Noch in der gleichen Nacht griff ein Verband von 99 Bombern Öl- und Eisenbahnziele im Ruhrgebiet an. Die strategische Bomberoffensive gegen Deutschland hatte damit ernsthaft begonnen.
Während des ersten Teils dieser Offensive wurden verschiedentlich Punktziele aus niedriger Höhe bei Nacht angegriffen, so vor allem der Dortmund-Ems-Kanal am 12. August. Das eigentliche Objekt bestand aus der Überführung des Kanals über die Ems nördlich der Stadt Münster.

Obwohl der erste britische Luftangriff gegen eine deutsche Stadt bereits in der Nacht auf den 12. Mai 1940 Mönchengladbach traf, dabei einige Dutzend Bomben auf die Stadt nieder gingen und vier Zivilisten starben, und obwohl Bombenangriffe auf deutsche Städte schon längst ausgiebig geplant wurden, bevor überhaupt auch nur ein deutsches Flugzeug über England agierte, wollte Churchill nicht unbedingt der erste in diesem Krieg sein, der massiv Wohnhäuser bombardiert. Viel mehr wartete er eher geduldig darauf, dass der deutschen Luftwaffe bei ihren Bombardierungen britischer Flugplätze und Rüstungsbetriebe ein entscheidender Fehler unterlief und Zivilisten zu schaden kamen. Und er brauchte nicht lange darauf zu warten... 

Zunächst bombardierten die Deutschen ausschließlich englische Flugplätze, Radarstationen, Militäranlagen und Rüstungsbetriebe - mit für die Briten beängstigendem Erfolg. Ein Flugplatz nach dem anderen samt des größten Teils der Flugzeuge, ein Rüstungsbetrieb nach dem anderen, dazu Tanklager, Vorratslager, Munitionslager, Militärstützpunkte, wurden zerstört. Die Engländer sahen sich in größter Not!
Allerdings waren die Verluste auf beiden Seiten hoch: Die deutsche Luftwaffe verlor beispielsweise bis zum 1. August 1940 in der Luftschlacht um England 286 Flugzeuge - darunter 105 Jäger. Die Engländer dagegen verloren 148 Spitfire und Hurricanes. Zudem lief die deutsche Neuproduktion nur gemächlich, da der deutsche Nachrichtendienst die englische Jägerproduktion stets unterschätzte. Auf deutscher Seite rollten beispielsweise im Juni 1940 nur 164 Maschinen des Typs Me 109 bei Messerschmitt vom Band, während in England im selben Zeitraum 446 Hurrycanes und Spitfires gebaut wurden. Im Juli, als die Kämpfe heftiger wurden, bekam die RAF weitere 496 Jagdflugzeuge, während die Luftwaffe sich mit 220 weiteren begnügen musste.
"Adlertag" aber sollte nun die Entscheidung in der Luftschlacht um England bringen - eine neue Taktik: deutsche Flieger griffen massiert England an. Jeder Tag der Schlacht wog anders; an einem verloren mal die deutschen mehr Flugzeuge, am anderen die Briten. Es gelang den Deutschen an manchen Tagen sogar, mehr britische Maschinen abzuschießen, als am gleichem Tag neu gebaut wurden. Kesselrings Flieger der Luftflotte 2 führten nun verstärkt Angriffe gegen alle wichtigen Sektorenstationen des britischen Jägerkommandos rings um London durch, wobei bis zu 1.700 Einsätze pro Tag geflogen wurden.
Ein Manko kam für die deutsche Luftwaffe erschwerend hinzu: Die deutsche Me 109 hatte nur 300 Kilometer Aktionsradius. Beim Eintreffen im Raum London verblieb eine Treibstoffreserve von lediglich 20 Minuten Luftkampf, bevor sie nach Frankreich zurück fliegen mussten. Trotz alldem erwies sich die deutsche Taktik als effizient und erfolgsversprechend.

Hätte nun die deutsche Luftwaffe an dieser Strategie festgehalten, wäre die Royal Airforce zusammen gebrochen, wäre die Rüstungsproduktion zum erliegen gekommen - und eine Invasion für die Deutschen erfolgreich erscheinen lassen, denn bei der Luftschlacht um England ging es um die Operation "Seelöwe", der Invasion deutscher Truppen in England, die erst möglich sein würde, wenn man die absolute Luftherrschaft hatte.

Aber nun passierte das, was Churchill dringlichst herbei sehnte: Ein Wohnviertel und Zivilisten kamen zu Schaden! Denn bei einem Luftangriff auf England in der Nacht zum 25. August 1940 war eine He 111 über das ihr zugewiesene Ziel - ein Öltanklager etwa 30 Kilometer östlich von London - hinausgeschossen und hatte versehentlich die englische Hauptstadt bombardiert. Die Verluste und der Sachschaden waren gering, aber Churchill hatte nun Vergeltungsangriffe auf Berlin befohlen, die zwar wiederum ihrerseits kaum Schaden anrichteten, aber er bezweckte mit diesen unbedeutenden Bombenangriffen etwas ganz anderes: Churchill wollte nämlich Hitler in völlige Rage bringen, um ihn listig von den englischen Flugplätzen und Rüstungsfabriken wegzulocken - auf London! Er wollte Hitler provozieren, seine Bomber auf London, statt auf die Rüstungsindustrie und Militäreinrichtungen, fliegen zu lassen.

Und als würde Churchill Hitlers Willen diktieren, drohte Hitler nach diesen englischen Bomben auf Berlin voller Wut in einer Rede am 4. September 1940 damit, zur Vergeltung englische Städte ausradieren zu lassen: "Wir werden diesen Nachtluftpiraten das Handwerk legen, so wahr uns Gott helfe".
Göring zog nun auf Wunsch Hitlers seine Flieger von den englischen Flugstützpunkten ab (ganz im Sinne Churchills!), um im großem Stil London zu bombardieren, denn Hitler war sowieso der Meinung, dass die Bombenangriffe auf englische Flugplätze und Industrieanlagen nichts bringen - er hatte in völliger Verkenntnis der Lage überhaupt keine Ahnung, wie nahe die Royal Airforce und die britische Rüstungsproduktion dem Zusammenbruch waren!
Göring und Hitler verfolgten damit das Kalkül: England besitze nur noch wenige Jagdflugzeuge, die sich aber dem Kampf entziehen. Bombardieren wir London, sind die Engländer gezwungen, sich dem Kampf zu stellen um ihre Hauptstadt zu schützen. Dabei könne die Luftwaffe die paar britischen Maschinen vom Himmel fegen.


Entscheidender Fehler der Luftwaffe während der "Battle of Britain"

Der britische Colonel Frederick W. Winterbotham, der täglich die von ihm mitgelesenen und vom britischen Geheimdienst entschlüsselten deutschen Funksprüche dem Premierminister aushändigte, schrieb nach dem Krieg zur Taktikänderung der deutschen Luftwaffe: "Das war Görings schwerster Fehler! Hätte er seine Angriffe auf unsere Flugplätze in Südengland noch 14 Tage durchgehalten, dann hätte er unsere restlichen Jagdflugzeuge wahrscheinlich ausgeschaltet. Am 5. September...befahl er jedoch...die Londoner Docks anzugreifen. Wollte er nur für einen Angriff britischer Bomber auf Berlin Rache nehmen, der die Versprechung des Reichsmarschalls, kein britisches Flugzeug werde jemals die deutsche Hauptstadt erreichen, Lügen strafen? ...Strategisch gesehen, beging er jedenfalls einen gewaltigen Fehler! Die deutschen Angriffe auf die Londoner Docks hatten die letzten Jagdflugzeuge der RAF vor der Vernichtung bewahrt".

 

Churchill war aber ein eiskalt und rational kalkulierender Politiker, dem sehr bewusst war, dass, wenn die Deutschen London bombardierten, es sehr viele Opfer unter den Zivilisten geben wird, aber er sah - und dass nicht unberechtigt, sondern sehr realistisch! - darin die einzige Chance, die britische Luftwaffe und die Rüstungsindustrie vor der völligen Vernichtung zu retten! Er opferte quasi Zivilisten in London, um die Verteidigungsbereitschaft Englands aufrecht zu erhalten oder wiederherstellen zu können - ich möchte ihm nicht unterstellen, dass ihm diese Entscheidung leicht viel, aber er sah darin den einzigen Weg, England zu retten (später nach dem Sieg sagte er auch würdigend, nie in der Geschichte hatten bisher so viele so wenigen für so vieles zu danken)...

Durch die - sehr wohl voraus gesehene! - Reaktion der Deutschen Führung erst, war es den Briten möglich, ihre Flugzeuge zu retten, den Neubau zu forcieren und sich neu zu rüsten!
Denn Göring unterschätzte erstens am Ende nicht nur die Zahl der noch vorhandenen englischen Maschinen erheblich, da die Royal Airforce sehr haushälterisch mit ihren Jägern umging: Große Einsätze blieben aus, nie waren alle Jäger gleichzeitig in der Luft, Kämpfen wurde ausgewichen etc, und die enorme Neuproduktion ab September 1940 (da nicht mehr bombardiert!) konnte entscheidendes Potential bereitstellen. So wurde der Eindruck erweckt, die britische Luftwaffe sei am Ende.
Zweitens wurden die Briten dann am Ende im entscheidenden Teil der Luftschlacht um England mit der Weiterentwickelung eines Geräts namens Radar, über das die Deutschen in dieser Präzision/Stärke noch nicht verfügten, vom Boden aus direkt zu den deutschen Maschinen geleitet, während die deutschen Flugstaffeln ihre Ziele erst suchen mussten bzw. ihre Bomben überspitzt betrachtet nach Gutdünken abwarfen. Denn den nun folgenden Wellen deutscher Bomber auf London stellte sich die Royal Airforce mit über 300 vom Boden aus radargesteuerten Jägern entgegen!
Die Verluste der Deutschen an Bombern und Jägern waren verheerend: Volle 25 Prozent der Maschinen der Luftwaffen gingen verloren. Dagegen war das englische Fighter Command zu diesem Zeitpunkt ganz offensichtlich stärker als je zu vor.

Das bewirkte, dass die Briten am Ende eine deutsche Maschine nach der anderen vom Himmel holten, so dass Schlussendlich die Deutschen ob ihrer Verluste das Weite suchten und den Kampf aufgaben, da er, erstens, nicht mehr zu gewinnen war, und, zweitens, Hitler sich bereits auf "Barbarossa" vorbereitete, dafür seine Luftwaffe brauchte und vor allem glaubte, wenn er Russland erst einmal besiegt hat, wird England schon kampflos klein bei geben. Die Akte "Seelöwe" kam ins Schubfach - um nie wieder hervor geholt zu werden.

Luftwaffenoffiziere bei Hitler 1944

Die Engländer sahen sich aber nun in Anbetracht der erfolgten Bombardierungen Londons durch die deutsche Luftwaffe legitimiert, ihrerseits massiv und mit allen Mitteln deutsche Städte anzugreifen. So behaupteten die Briten auch jahrelang erfolgreich, die Bombardierungen deutscher Städte waren die Folgen deutscher Bomben auf Coventry, Liverpool, Rotterdam oder eben London.
Allerdings: Zunächst einmal provozierte Churchill solche Städtebombardements, außerdem warfen die Briten vor ihren ersten im Zweiten Weltkrieg durchgeführten Bombardements auf Deutschland Flugblätter ab, mit der Aufschrift: "Wir Bomben eine Stadt nach der anderen, um euch die Fortführung des Krieges unmöglich zu machen". Darin enthalten ist schon der Wille und Vorsatz zu Bombardieren, und es zeigt, wie nun erstmals veröffentlichte Dokumente bestätigen und beweisen, dass die Briten solche Bombardements schon ausgiebig planten zu einer Zeit, als noch gar keine deutschen Flugzeuge über englisches Territorium agierten (allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass solche Bombenangriffe bzw. Bombardierungen von Städten von allen Armeen geplant wurden, ob Italiener, Sowjets oder Deutsche - und das schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg...).
Auch erwies es sich für die Briten schon aus technischen Gründen als unmöglich, die bei Kriegsbeginn geplante Zerstörung militärischer Ziele im großen Stil kriegsentscheidend durchzuführen, denn wie wenig treffsicher die britischen Bomber waren, dokumentiert ein Geheimbericht aus dem Jahre 1941: Selbst bei Idealwetter konnte nur jeder dritte Bomber seine Bomben wenigstens in einem Umkreis von acht Kilometern um den Zielpunkt abwerfen. So lag es für die Royal Airforce nahe, Flächenziele auszuweisen - statt einzelne Fabriken ganze Großstädte. Und nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion, am 22. Juni 1941, galt die Vernichtung deutscher Zivilisten nicht mehr als Kollateralschaden, sondern als Zweck der Operation. In seiner "Area Bombing Directive" vom 14. Februar 1942 legte das Luftfahrtministerium fest, "dass die Zielpunkte die Siedlungsgebiete sein sollen und beispielsweise nicht Werften oder Luftfahrtindustrien".
Somit kann man davon ausgehen, dass diese Bombardements der Engländer auf deutsche Städte auf jedenfall erfolgt wären, selbst wenn niemals auch nur ein deutsches Flugzeug über England geflogen wären! Jedenfalls lässt die Fakten- und Dokumentenlage diesen Schluss zu. Denn anders konnte zunächst ein britischer Beitrag zur Bekämpfung des Aggressors Hitler-Deutschland (auch im Sinne Stalins) gar nicht ausfallen! Die britischen Bomber waren die einzige Waffe, mit der man den Feind ernsthaften Schaden zufügen konnte - entsprechend hoch waren übrigens auch die Verluste des Bomberpersonals der Royal Airforce (ca. 56.000 Bombersoldaten).


Churchills Irrglaube

Churchill glaubte allen ernstes, Deutschland kapitulationsbereit bomben zu können. Entsprechend gab Generalmajor Bottomley am 9 Juli 1941 Churchills Befehl an dem Oberbefehlshaber der britischen Bomberwaffe weiter: "Ich bin beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass eine eingehende Untersuchung der gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Lage des Feindes gezeigt hat, dass der Kampfgeist der Zivilbevölkerung und das Verkehrsnetz die anfälligsten Punkte in seiner Rüstung sind".
Das hatte Professor Frederick Lindemann, der spätere Lord Cherwell, Churchill eingeredet. Lindemann hatte durch gewisse Intrigen erreicht, dass Churchill nur noch ihn als wissenschaftlichen Berater der Regierung anhörte, während er Gegner des Flächenbombardements aus dem Zimmer wies und so hochbedeutende und um Englands Rettung und Luftverteidigung 1940 verdiente Männer wie Henry Tiszard als wissenschaftliche Berater entließ, weil sie gegen Lindemanns Zivilistenbombardierungs-Wahn einzuschreiten versucht hatten.
Der Chronist C. P. Snow überlieferte Berichte, wie der "schwache, aber gerade noch wahrnehmbare Geruch einer Hexenjagd" eine Atmosphäre in Whitehall und in der britischen Presse schuf, die "hysterischer war, als es sonst im offiziellen Leben Englands üblich ist".
Und Lindemann hatte Churchill weiszumachen vermocht, dass binnen achtzehn Monaten - vom März 42 bis Mitte 43 - ein Drittel sämtlicher Deutscher obdachlos und damit kapitulationsbereit zu bomben seien, vorausgesetzt, ihre Innenstädte, nicht aber die deutsche Industrie seien das Angriffsziel!

Unfassbar, dass ein von Natur humaner Mensch wie Churchill noch jahrelang nachdem er selber gesehen hatte, dass grosse Landheere, nicht aber Bombardierungen von Wohnzentren kriegsentscheidend waren, mit wachsender Wut und Wucht weiterbomben liess, eigene Piloten in Scharen dabei opferte und den Nazis fast nichts anderes damit zufügte als die Möglichkeit, Brotkarten solcher Bevölkerungsgruppen einzusparen, die nicht mitkämpften.
Unfassbar auch oder vor allem deshalb, weil Churchill ja selber sah und miterlebte, wie die deutschen Bombenangriffe auf Wohnviertel der Briten das Gegenteil dessen erreichten, was sie zu erreichen beabsichtigten: nämlich die Fanatisierung der Bevölkerung, anstatt ihre Demoralisierung!

 

Auch dachten die Briten, wenn sie deutsche Städte zerstören, wächst der Unmut gegen Hitler und die Deutschen werden gegen ihren Führer aufstehen. Dieses Ziel haben die Briten aber niemals auch nur annähernd erreicht. Es gab auch die Einsicht, dass die Bevölkerung in einer totalitären Diktatur überhaupt keine Möglichkeiten hat, politische Veränderungen zu erwirken. Ab 1943 war klar, dass solche Ziele illusorisch waren.
Und trotzdem intensivierten die Engländer ab 1943 ihre Bombardements, die ihren Höhepunkt im Februar 1945 in der sinnlosen und militärisch völlig unbedeutenden Zerstörung von Dresden erreichten. Wie viele Menschen an diesem 13./14. Februar 1945 ihr Leben verloren, lässt sich nicht mehr genau klären, denn die Stadt war mit Flüchtlingen aus dem Osten belegt, die vor der anrückenden Roten Armee flüchteten. Seriösen Schätzungen und alter Dokumente zur Folge waren es ca. 35.000 Tote.


Dresden - ein Verbrechen?

Der britische Labour-Politiker Richard Crossman, der im zweiten Weltkrieg Leiter der englischen psychologischen Kriegführung gegen Deutschland war, schrieb acht Jahre nach dem Krieg: "Die Zerstörung von Dresden war eines jener Verbrechen gegen die Menschlichkeit, deren Urheber in Nürnberg unter Anklage gestellt worden wären, wenn jener Gerichtshof nicht in ein bloßes Instrument alliierter Rache pervertiert worden wäre." (Quelle: DER SPIEGEL Nr. 4/20.1.03, Seite 88)

 

 

Zerstörtes Dresden

Brennender Hafen in Hamburg

Es stellt sich allerdings die berechtigte Frage nach dem Sinn von Luftangriffen auf deutsche Wohnsiedlungen, statt wesentlich effektivere Luftangriffe auf Rüstungsbetriebe (?)! Denn Bombardierungen von Rüstungsbetrieben/-anlagen haben die Amerikaner anfangs mit ihren Präzisionsangriffen bei Tag (zwar mit hohen eigenen Verlusten, aber:) durchschlagend erfolgreich erledigt - wobei ab etwa 1944 auch sie sich von den Engländern zu Flächenbombardements der Wohnviertel anstiften ließen.
Wie weitaus erfolgreicher gerade die von den Amerikanern durchgeführten Präzisionsangriffe gegen Industrieanlagen waren, zeigen folgende Beispiele: Im Juli und August 1944 bombardierten die Amerikaner deutsche Ölanlagen. Mit geringstem Einsatz an Flugzeugen (17% ihrer Bomberflotte) erreichten sie eine Halbierung der deutschen Ölproduktion. Die Versorgung der Luftwaffe fiel von 180.000 auf 10.000 Tonnen!
Im Frühjahr 1945 legten die Amerikaner die Benzinversorgung des Reiches lahm. Genau das führte unter anderem zum raschen Kriegsende, denn jede deutsche Offensive war aus Spritmangel unmöglich oder scheiterte letztendlich daran (z.B. Ardennen-Offensive Dezember 1944 bis Januar 1945, die zunächst äußerst erfolgreich nicht zuletzt wegen Spritmangel abgebrochen werden musste)!

Die Briten aber verfolgten andere Ziele. Sie wollten besonders die Wohnsiedlungen - und hier besonders die Arbeiter (!) - treffen. Denn es lässt sich nicht abstreiten, dass sich die Bombardements der Wohnvierten, und damit der Arbeiter, negativ auf die Produktion (insbesondere der Rüstungsproduktion) und auf die Moral der Soldaten an der Front auswirkten. General Alfred Jodl vertrat nach dem Krieg sogar die Ansicht, dass die Bombardements den Krieg entscheidend beeinflusst hätten. Diesbezüglich ließ er 1945 seine Aussage zu Papier bringen, dass die "vollkommene Luftüberlegenheit" der Alliierten "den Kriegt entschieden hat." Am "effektivsten" wären die "strategischen Bombardierungen des Heimatgebietes" gewesen, der "entscheidende Faktor" wäre "die Zerstörung des Heimatlandes, fast ohne Widerstand" gewesen. Explizit zum Thema des "psychologischen Effekts" der Bombardierung deutscher Städte auf die Soldaten an der Front (und damit auf die Kampfkraft/Moral) gab Jodl an:

"Zunächst einmal waren die psychologischen Auswirkungen auf die Frontsoldaten sehr groß. Das wird häufig übersehen, aber meiner Meinung nach war es von überragender Bedeutung. Während der Soldat vorher glaubte, dass er durch den Kampf an der Front seine Heimat, seine Frau und seine Kinder beschützte, wurde dieser Faktor völlig eliminiert und durch die Erkenntnis ersetzt, 'Ich kann so viel durchhalten wie ich will, aber meine Frau und meine Kinder gehen trotzdem vor die Hunde.'" (1)
Und: "Dies unterminiert auch die Kampfkraft der Soldaten im Allgemeinen, so dass diese zunehmend 'unruhig' wurden, diese nicht mehr 'so enthusiastisch' kämpften, die deutschen Soldaten sich daher zunehmend fragten: 'Wofür kämpfe ich? Ich kann noch so tapfer sein und trotzdem wird zu Hause alles in Stücke geschlagen.' Dies war mit Sicherheit eine starke Reaktion auf den Kampfgeist der Truppen. Parallel dazu hatte es Einfluss auf die Arbeitskraft der Arbeiter in der Rüstungsindustrie ..." (2)

Quellen:
(1) Overy, Richard: Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945. Seite 278. Econ Ullstein List Verlag 2002.
(2) Overy, Richard: Interrogations: The Nazi Elite in Allied Hands 1945. S. 283ff. Penguin Books, 2002.

Reichsrüstungsminister Albert Speer meinte nach dem Krieg sogar, dass Aufgrund der Bombardements 35 Prozent weniger Panzer, 31 Prozent weniger Flugzeuge und 42 Prozent weniger Transportflugzeuge produziert worden seien. Wenn diese Einschätzung richtig ist, dann bewirkten die Flächenbombardements erhebliche Produktionseinbußen, die sich wiederum auf die Fronten auswirkten. Dennoch muss man danach fragen, ob die Zerstörung der Städte der einzige Weg war, um das Militär zu schwächen? Es hätte mit Sicherheit effizientere und weniger zerstörerische Alternativen zu den Flächenbombardements gegeben, denn hätte man seine Energie und sein Potential darauf verwendet, die deutsche Industrie- und Rüstungsproduktion zu attackieren, anstatt ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, hätte das auf jeden Fall den Krieg entscheidend beeinflusst und seine Dauer möglicherweise erheblich verkürzt!

Bomben auf Lübeck am 29. März 1942

Durch Bomben zerstörtes Frankfurt am Main

Um ihre Flächenbombardements der Wohnsiedlungen so effektiv als möglich durchführen zu können, entwickelten die Briten mehrere Methoden. Auch amerikanische Wissenschaftler waren an der Perfektionierung beteiligt. So baute der aus Deutschland emigrierte Stararchitekt Erich Mendelsohn auf einem geheimen Versuchsgelände in der Wüste von Utah (Dugway Proving Ground) in den USA Berliner Mietskasernen samt Mobiliar und Gardinen nach, um deren Entflammbarkeit zu testen und dann herauszufinden, mit welcher Art Bombardierung die größtmögliche Zerstörung zu erreicht ist.  "Bomber-Harris" (Foto), der Oberstratege der britischen Bomberwaffe, arbeitete geradezu fanatisch an den Techniken, um die größtmögliche Effektivität zu erzielen. Ohne ihm wären die Bombardements mit Sicherheit weniger Zerstörerisch gewesen.
Ziel war es, so viele Zivilisten wie möglich zu töten. Dazu führten sie verschiedene Testangriffe durch um herauszufinden, mit welcher Art Bomben der größtmögliche Schaden angerichtet werden kann. Schon Anfang der Vierziger Jahre wurde aber den britischen Luftkriegsexperten klar, dass allein mit Sprengbomben der Gegner kaum zu beeindrucken sei. Arthur Harris (Foto) kam zu dem Schluss, dass die eigentliche Zerstörung und Vernichtung durch Brand erreicht werden müsse. Dazu warf man im Frühjahr 1942 quasi als Test 1.350 Sprengbomben, aber 460.000 Brandbomben auf Köln ab. Und man stellte fest, dass hier die Strategie aufging: Die Sprengbomben (Luftminen - darunter riesige "Blockbuster") zerstörten die Dächer, dicken Brandwände und Fenster; die Brandbomben (Brandstäbe und Phosphorbomben), die nun ungehindert ins Haus auf brennbares Material fallen konnten, entzündeten die Häuser, in denen nun Zugluft wie durch einen Kamin zog. Auch wurden durch Spreng- und Splitterbomben, teils mit Zeitzünder, Wasserleitungen zerstört, Strassen verkratert und Löschtrupps ausgeschaltet. Die Masse der entstehenden Brände machten es der Feuerwehr und den Brandbekämpfern unmöglich, wirkungsvoll zu löschen, die Brände breiteten sich ungehindert über weite Flächen aus. Über den in Brand gesteckten Stadtteilen bildete sich eine gigantische Heißluftsäule, die Tausende Tonnen Sauerstoff ansaugte und orkanartige Stürme entstehen ließ. Der Feuersturm in Hamburg und Dresden ist nicht zufällig entstanden, sondern war durch ausgeklügelten Bombenabwurf geplant!
Die Menschen, egal, wo sie sich befanden, krepierten an Hitzeschlag oder Überdruck, Verbrennungen oder Kohlenmonoxidvergiftung. 

Nach dem Angriff deutscher Truppen auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 ließ Churchill fast nur noch Flächenbombardements auf deutsche Städte durchführen. Als Stalin seinem britischen Verbündeten im Sommer 1942 bei einem Treffen in Moskau erregt vorwarf, England lasse die Sowjetunion im Stich, beruhigte Churchill ihn mit der Zusage, die RAF (Royal Airforce) werde "nahezu jede Wohnung in fast jeder deutschen Stadt" zerstören. 
Und nachdem die deutschen Raketen V-1 und V-2 in und um London mehr als 2.000 Tote gefordert hatten, erwog Churchill sogar den Einsatz von B- und C-Waffen gegen Deutschland, etwa Milzbrandbomben, die "schwere Verluste, Panik und Verwirrung hervorrufen"; für Großstädte wurde gar eine Todesrate von 50 Prozent errechnet. Jedoch wurde das hauptsächlich aus Befürchtung vor entsprechenden Vergeltungsschlägen wieder verworfen.

Bis zum Ende des Krieges am 8. Mai 1945 blieben die Bomber jedenfalls der wichtigste Beitrag des Empire im Kampf gegen die Achsenmächte.

600.000 Zivilisten, darunter 80.000 Kinder, fielen den Bombardements der Alliierten zum Opfer. Brand- und Sprengbomben fielen auf nahezu jede Stadt mit über 50.000 Einwohnern, dazu auf 850 kleinere Orte. Die Hölle wurde da entfacht, schreckliche Vernichtung herbei geführt: Leichen, die in den über 1.000 Grad heißen Feuersbrünsten auf die Größe von Kommisbroten schrumpften; Säuglinge, die im siedenden Löschwasser der Feuerwehr bei lebendigen Leibe gesotten wurden; Kinder, die ihre zu Asche verbrannten Eltern im Eimer zum Friedhof trugen. In Hamburg beispielsweise wurden 44 Prozent aller Wohnungen der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Die Zerstörung kannte keine Grenzen...


Übrigens:

Churchill hatte gelegentlich Bedenken wegen der Bombardements geäußert, einmal sagte er "Gehen wir zu weit? Sind wir Bestien?". Trotzdem hielt er an der Strategie fest! Er entzog sich auch fortwährend einer Vorführung von Filmaufnahmen der Zerstörungen - ähnlich wie Hitler, der es wehemend vermied, eines seiner Konzentrations- und Vernichtungslager zu besuchen.
Erst nach der Zerstörung Dresdens distanzierte sich Churchill von dem Bombenterror gegen Zivilisten - den er aber einst ausschlaggebend mit initiiert hatte!
Auch wurde die britische Öffentlichkeit darüber im Dunkeln gelassen, wie der Bombenkrieg gegen Deutschland tatsächlich geführt wird, in englischen Zeitungen hieß es immer nur, dass man rein militärische und industrielle Ziele bombardiere. Kein Wort davon, dass systematisch ganze Städte zerstört werden.

Und:

Die Amerikaner lernten eifrig von den Briten, denn im größtem Feuersturm aller Zeiten, von den Amerikanern entfacht, starben 80.000 Menschen: Tokio 1945!

 

Dennoch: Kriegstaktisch waren die Bombardements von Wohnsiedlungen nach damaligem Kriegsverständnis /-recht legitim - moralisch aber ein streitbarer Punkt. Im juristischen Sinn waren sie keine Verbrechen, denn im damals geltenden Völkerrecht kamen solche Bombardements gar nicht vor, d.h. es gab zum Zeitpunkt des Zweiten Weltkrieges keine Abkommen oder Vereinbarungen, die dieses klar regelte (weder in der Haager Landkriegsordnung, noch im sogen. Völkergewohnheitsrecht). Somit befanden sich die Bombardements von Städten bzw. Wohnsiedlungen quasi in einer Gesetzeslücke: es gab keine Artikel, die solche Bombardements erlaubten, aber auch keine, die dies explizit verbot. Abkommen, die diese Mängel verbindlich regulieren, gibt es erst seit dem 12.8.1949 mit dem gültigen Zusatzprotokoll zu den Genver Konventionen.

Die Bombardements der Städte waren darüber hinaus nichts anderes als Ausdruck eines totalen Krieges. Und ein totaler Krieg beinhaltete schon seit dem amerikanischen Bürgerkrieg nicht nur die Vernichtung der feindlichen Armeen, sondern auch oder insbesondere die Vernichtung der Ressourcen, der Städte, der Häfen, der Nachschubwege, etc. und auch der hinter dem Militär stehenden Bevölkerung des Feindes.
Die Briten, bzw. das britische Militär (oder explizit das Bomber Command) tat nichts anderes, als schon 1864 ein William T. Sherman, der während des amerikanischen Bürgerkrieges mit seinen Armeen durch die Länder des Südens (der Konföderierten Staaten) zog und eine 100 Kilometer breite Schneise der Verwüstung hinterließ: Felder wurden niedergebrannt, sämtliche Vorräte und der komplette Viehbestand geraubt, Städte in Schutt und Asche gelegt, etc. Damit sollte das Rückgrad des Feindes gebrochen werden, denn es reichte nicht mehr wie in Kriegen vorangegangener Epochen aus, lediglich die Heere des Gegners zu schlagen.
In dieser "Tradition" wurde der Erste Weltkrieg geführt, sowohl als auch der Zweite Weltkrieg, und zwar von allen Parteien!!! Als die Wehrmacht in Polen oder der Sowjetunion einfiel, war sie nicht weniger zerstörerisch. Tausende Dörfer und Städte wurden den Erdboden gleich gemacht, wobei die Bevölkerung in dieser Politik völlig irrelevant war. Die Deutschen raubten die gesamten Ressourcen inklusive der Lebensmittel, so dass der "einheimischen Bevölkerung nicht mal das nackte Dasein gelassen" wurde (wie im Zitat auch Goebbels in seinen Tagebüchern niederschrieb). Laut geheimen Angaben des Statistischen Amtes raubten die Deutschen allein in den Jahren 1941/42 und 1942/43 den Grundbedarf für über 30 Millionen Menschen aus den besetzten Ländern, explizit aus der Ukraine.
Schon vor Kriegsbeginn (explizit des Russlandüberfalls) wurden von den deutschen Strategen auf höchster Ebene die Konsequenzen des beabsichtigten Lebensmittelraubs erörtert: "Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird".
(Quelle: Aly, Götz: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Fischer Verlag)

 

Anhang:

Dokument über Bombenopfer in Dresden (und angeblicher Bordwaffeneinsatz).

 

(Das Original-Dokument liegt mir hier als Fotokopie vor. Originalabschrift der relevanten Stellen bezüglich Bombenopfer und Bordbeschuss durch den Autor. Mit [...] gekennzeichnete Stellen bezeichnen Kürzungen durch den Autor)

 


Der Höhere SS- und Polizeiführer Elbe
in den Gauen Halle-Merseburg, Sachsen
und Wehrkreis IV
- Befehlshaber der Ordnungspolizei -

BdO IV: L XI - 231 Nr. - 7/45 geheim.
Betr.:
Schlußmeldung über die vier Luftangriffe auf den LS-Ort Dresden am 13., 14. und 15. Februar 1945

[...]


II. Angriffsziele, Angriffstaktik und Wetterverhältnisse.

1. Ziel und Taktik:


[...]

Mittagsangriffe vom 14.2. und 15.2.45 auf das gesamte Stadtgebiet. Beim Mittagsangriff vom 14.2.45 besondere Schäden in Löbtau, Friedrichstadt, Cotta und der Leipziger Vorstadt. Beim Mittagsangriff vom 15.2.45 vor allem die Stadtteile Plauen, die Südvorstadt, die Stadtteile Tolkewitz, Laubegast, das Waldschlößchenviertel sowie die Stadtteile Loschwitz und Oberloschwitz getroffen. Beide Mittagsangriffe überwiegend Hochangriffe. Bei allen Angriffen war Bordbwaffenbeschuß festzustellen."

[...]

V. Schäden an Polizei- u. Wehrmachtsgebäude:

[...]

E. Personenschäden: Bis 10. März 1945 - früh festgestellt: 18.375 Gefallene, 2.212 Schwerverwundete, 13.718 Leichtverwundete. 350.000 Obdachlose und langfristig Umquartierte. Aufgliederung der Personenschäden nach Geschlechtern mit Rücksicht auf bestehende Schwierigkeiten (Abwanderung großer Teile der Bevölkerung, Überführung eines großen Teils der Verwundeten nach außerhalb, vollkommene Verkohlung bzw, starke Verwesung der Leichen) noch nicht bzw. überhaupt unmöglich, Überwiegend handelt es sich aber um Frauen und Kinder. Nach Angaben der Kripo im Laufe der Zeit möglich, etwa 50% der Gefallenen zu identifizieren. Nach bisherigen Feststellungen ist der überwiegende Teil der Gefallenen in den LS-Räumen und außerhalb durch mittelbare oder unmittelbare Brandeinwirkung sowie durch Verschüttung umgekommen.
Auch durch Abwurf von Minen- und Sprengbomben insbesondere während des 2. Nachtangriffes auf Straßen und Plätze sowie Grünanlagen sind hohe Personenverluste eingetreten. Die Gesamtzahl der Gefallenen einschl. Ausländer wird auf Grund der bisherigen Erfahrungen und Feststellungen bei der Bergung nunmehr auf etwa 25.000 geschätzt. Unter den Trümmermassen, insbes. der Innenstadt dürften noch mehrere Tausend Gefallene liegen, die vorläufig überhaupt nicht geborgen werden können. Genaue Feststellung der Gefallenenzahl erst möglich, wenn durch Vermißtennachweis und Meldeämter der Polizei feststeht, welche Personen Dresden verlassen haben. Beim Vermißtennachweis und der Stadtverwaltung liegen z. Zt. etwa 35.000 Vermißtenmeldungen vor. Unter den Gefallenen bisher etwa 100 Wehrmachtsangehörige festgestellt.[...]

[...]

H. Besondere Vorkommnisse:
1. Bergung der Gefallenen, auch soweit nicht verschüttet, mußte durch Kräfte des örtlichen LS-Leiters erfolgen, ebenso die Überführung nach den Friedhöfen. Mit Rücksicht auf die schnell fortschreitende Verwesung und bestehende außerordentliche Schwierigkeiten bei der Bergung, sowie Mangel an geeigneten Fahrzeugen zur Überführung auf Friedhöfe mit Zustimmung des Gauleiters und der Stadtverwaltung auf dem Altmarkt insgesamt 6865 Gefallene eingeäschert. Die Asche der Gefallenen wurde auf einen Friedhof überführt.
2. Plünderer: Von der Schutzpolizei, insbes. durch eingesetzte Streifen bisher 79 Plünderer festgenommen. Eine größere Anzahl bereits hingerichtet. Vorstehender Bericht wird nach Abstimmung der Unterlagen mit der Kreisleitung d. NSDAP erstattet.

I.A.
gez. T h i e r i g .

 

 

Quellen des Dokuments:

  • "Dokumente zur Deutschen Geschichte" Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1977;

  • "Inferno Dresden" Walter Weidauer, Dietz Verlag Berlin 1965.


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  • Friedrich, Jörg: "Der Brand". 2002 by Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG, München,

  • Weidauer, Walter: "Inferno Dresden". Dietz Verlag Berlin 1987,

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  • Crossman, Richard: "New Fabian Essays." Dent, Juli 1970

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  • DER SPIEGEL Nr. 49/2002, 2/2003, 3/2003, 4/2003,

  • SPIEGEL special "Als Feuer vom Himmel fiel",

  • GEO 02 | Februar 2003.

 

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