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Vorwort:
Wie viele Attentatsversuche (oder Attentatspläne, die später verworfen
wurden) auf Hitler es tatsächlich gab, lässt sich in Anbetracht noch
bestehender Dunkelziffern nicht genau klären, es gibt jedoch bisher 39
einwandfrei dokumentierte Attentatsversuche.
Viele Attentäter konnten aber ihr Vorhaben gar nicht ausführen, da sie
nicht an Hitler heran kamen. So z.B. der jüdische Medizinstudent Felix
Frankfurter, der dann 1936 anstelle Hitlers den Leiter der
Auslandsorganisation der NSDAP in der Schweiz, Wilhelm Gustloff, erschoss.
Oder es gab Attentatspläne, die dann nicht weiter verfolgt wurden, wie die
des Engländers Alexander Foot, der im Auftrag des sowjetischen
Geheimdienstes Möglichkeiten erkundete, Hitler in München zu ermorden.
Foot kam zu dem Schluss, dass es kein Problem wäre, Hitler bei seinen häufigen
Besuchen des Restaurants "Osteria Bavaria" durch dort zu
installierende Sprengkörper in die Luft zu jagen.
Oder die Idee des
britischen Militärattache Sir Noel Mason-McFarlane, der in Berlin
beobachtete, dass die Tribüne bei der alljährlichen Führer-Geburtstags-Parade
vis-a-vis seiner Wohnung Sophienstrasse 1 aufgestellt wird. Er reiste
folglich nach London in der Einsicht, Hitler müsse 1939 an seinem 50.
Geburtstag dort erschossen werden, weil sonst unweigerlich der Zweite
Weltkrieg komme. Doch in der Downing Street verweigerte man dem so
moralischen wie vernünftigen General den Scharfschützen, der unentdeckt
aus seinem Badezimmerfenster den Kriegstreiber umlegen hätte können.
Dennoch gab es auch in London ein Amt für Sabotageakte auf feindlichem
Territorium, dem SOE (Special Operations
Executive) mit Sitz in der Londoner
Baker Street, dessen Sektion X unter dem Codenamen "Operation Foxley"
Möglichkeiten zur Ermordung der Nazi-Grössen erkundete (es gab sogar den
Plan, Hitler samt seinem Landsitz, den "Berghof" bei
Berchtsgarden, in die Luft zu sprengen: "Operation Hellhound").
Und unabhängig vom SOE gab es in London Mordpläne von Donald F. Stevenson,
ein hoher Beamter des britischen Luftfahrtministeriums, die dann verworfen
wurden.
Nach dem Attentat im Bürgerbräukeller im November 1939 sind alle genannten
Attentatsversuche von miteinander im Kontakt stehenden Individuen, in der
Regel der Militäropposition, organisiert worden. Das ist kein besonderer
Verdienst dieser Gruppierung des Widerstands, sondern hängt schlicht damit
zusammen, dass nach den Sicherheitsvorkehrungen, die auf Elsers Attentat
folgten, nur noch die Wehrmacht die Mittel hatte, um Hitler gefährlich zu
werden.
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November
1921
Infolge einer hetzerischen Rede bei einer Saalschlacht wurden
gezielte Pistolenschüsse auf Hitler abgegeben, wobei die Täter
unerkannt im Getümmel entkommen konnten.
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1923
wurde in Thübingen aus der Menge heraus auf Hitler geschossen.
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Januar
1932
Im Berliner Hotel "Kaiserhof" wurde das Essen am Führertisch
vergiftet. Es wurde aber keiner ernsthaft verletzt. Die Täter blieben
unbekannt.
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15.
März 1932
Unbekannte feuerten Schüsse auf ein Fenster des Zuges von München
nach Weimar, hinter dem sie Hitler, Goebbels und Frick vermuteten.
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9.
Februar 1933
Hitler erhält einen vergifteten Brief von von Ludwig Assner, einem
deutschen Ex-Kommunisten und Ex-Nazi aus Frankreich, wird aber durch ein
Telegramm eines Lehrers rechtzeitig gewarnt.
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4.
März 1933
Karl Lutter und einige KPD-Genossen planen in Königsberg einen
Sprengstoffanschlag, wurden aber von einem Spitzel verraten und von der
Polizei festgenommen. Ende 1933 wurden sie wegen Mangels an Beweisen
entlassen.
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1933
Hitler holt mit seinem Dienstwagen in Rosenheim Bekannte aus München
zu einer Einladung auf den Obersalzberg ab; Unbekannte schossen auf dem
Rückweg auf den Wagen des Führers. Die Täter verschwanden unerkannt.
Es wurde keiner verletzt.
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1933
Auf dem Obersalzberg wurde eine unbekannte Person in SA-Uniform und
mit scharfer Pistole verhaftet. Die Identität und das Schicksal der
Person blieben unbekannt.
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21.
März 1933
Attentäter hatten einen Tunnel unter die für die Zeremonie des
"Tag von Potsdam" vorgesehene Potsdamer Garnisonskirche
gegraben, um Hitler gemeinsam mit Hindenburg in die Luft zu sprengen.
Der Tunnel wird aber vorher entdeckt.
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1934
Anschlagsplanung einer oppositionellen Gruppe um Dr. Helmuth Mylius
in Berlin. Die Attentäter wurden jedoch vor der Ausführung verhaftet,
ihr Schicksal ist unbekannt.
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Mai
1935
Die "Gruppe Markwitz" sucht Männer, die Hitler töten
oder stürzen wollen; die Gestapo schleust Spitzel in die Gruppe ein;
alle Mitglieder werden verhaftet und hingerichtet.
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Dezember
1936
Ein Sprengstofflieferant fliegt in Nürnberg auf und gesteht Details
über den geplanten Anschlag auf dem Reichstagsgelände. Der Student
Helmut Hirsch wird verhaftet und hingerichtet; er wurde angeblich von
Otto Strasser (Anführer der "Schwarzen Front") zur Tat
angestiftet und mit Informationen versorgt.
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26.
November 1937
Der Geisteskranke Josef Thomas aus Ebersfeld irrt mit geladener
Pistole durch die Reichskanzlei in Berlin, wird kurz vor Hitlers
Amtszimmer abgefangen und der Gestapo übergeben. Man hat nie wieder
etwas von ihm gehört.
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1937
Ein Unbekannter postiert im Sportpalast in Berlin eine Bombe an der
Rednertribüne. Der Attentäter muss jedoch, bevor er die Bombe zünden
kann, auf die Toilette, auf der er versehentlich eingesperrt wird. Die
Bombe bleibt ungezündet.
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28.
Sep. 1938 (die beste Chance von allen)
Der Krieg mit der Tschechoslowakei wird immer drohender. Beck ist über
Hitlers Expansionspläne im Osten informiert (Ansprache Hitlers vom März
1938, "Fall Grün" vom 21 April 1938 über den Beck als
Generalstabschef des Heeres schließlich zurücktritt). Der Plan ist,
dass ein verstärktes Kommando (50 Mann) unter Führung von Major Heinz
in die Reichskanzlei eindringt und Hitler festsetzt. Beck und Heinz
wollen Hitler den Prozess machen, Dohnanyi verfolgt sogar die Idee,
Hitler durch ein Psychiater-Team unter Leitung des berühmten Arztes
Prof. Bonhoeffer (Vater von Dietrich übrigens) für geisteskrank erklären
lassen, um Hitler auf der Höhe seiner Popularität zu entzaubern.
Heinz und Oster haben einen etwas anderen Plan, über den sie mit
Witzleben allerdings keine langen Grundsatzdiskussionen führen wollen:
Hitler soll "im Kreuzfeuer mit seinen Bewachern aus Versehen gleich
erschossen werden".
Die 23. Infanteriedivision (General Graf Brockdorff-Ahlefeldt), die zum
Gruppenkommando Berlin gehört und damit General von Witzleben
untersteht (Speerspitze hierin das IR 9, das im folgenden immer wieder
auftaucht bei den Umsturzplanungen) soll die Schaltstellen der Macht
besetzen und die SS in Berlin neutralisieren. Der Plan baut in seiner
staatspolitischen Legitimation auf die Kriegserklärung Frankreichs und
Englands, die sorgsam über Mittelsmänner erbeten wurde . Als die
Konferenz von München am 28. September dem Höhepunkt ihrer Krise
zutreibt, beschließen die Verschwörer, noch die Reaktion der Westmächte
abzuwarten und erst zuzuschlagen, sobald sich England gegen Hitler rührt.
Am nächsten Tag kehrt Hitler aber als der große
"Friedensbringer" in tosendem Beifall der Menge mit dem Münchner
Abkommen im Koffer zurück.
Halder und Witzleben fühlen sich genötigt, den Plan aufzugeben, um
einen Bürgerkrieg zu verhindern, weil die Bevölkerung dem Putsch jetzt
die Unterstützung versagen würde, solange Hitler als der große
"Friedensheld" dasteht.
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9.
November 1938
Der Schweizer Theologiestudent Maurice Bauvaud wollte Hitler während
der alljährlichen Gedenkfeier im München erschießen, konnte aber auf
Grund des dichten Ringes von SA-Angehörigen, die Hitler zum Schutz
umgaben, den "Führer" nicht anvisieren.
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10.
Sep 1939
General Kurt von Hammerstein-Equord, von 1930 bis zu seinem Rücktritt
1934 aus Protest über die "Röhm-Affäre" Chef der
Heeresleitung, wird am 10. Sep als Oberbefehlshaber der Armeegruppe A an
der „Siegfriedlinie“ reaktiviert. Er bemüht sich sofort, Hitler zu
einem Truppenbesuch an einen der ihm unterstehenden Standorte zu
bewegen. An Ludwig Beck übermittelt er, dass es dabei zu einem
„tragischen Unfall“ kommen soll. Hitler vermeidet den Besuch und lässt
Hammerstein, der aus seiner Anti-Nazi Einstellung in den 1930ern keinen
großen Hehl gemacht hatte (Hammerstein hatte seine Autorität bei
Hindenburg im Januar 1933 versucht einzusetzen, um die Ernennung Hitlers
zum Reichskanzler zu verhindern), stattdessen am 21. September 39, als
sich der Sieg in Polen abzeichnet, endgültig pensionieren. (Hammerstein
stirbt 1943 an Krebs, seine beiden Söhne werden am 20 Juli 1944 – in
intimer Kenntnis des Gebäudekomplexes in dem sie aufwuchsen - die Flucht
aus dem Bendlerblock schaffen und als 'Deserteure' bis Kriegsende
untertauchen)
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5.
November 1939
Wieder ist alles vorbereitet von der Gruppe um Oberst Oster, aber Halder
und Canaris können sich nicht einigen, wer den Coup veranlassen soll .
Halder versucht, es auf Canaris zu delegieren, der will aber nicht den
Schwarzen Peter alleine haben, wenn es schief geht. Die Initiative
"versickert".
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8.
November 1939
Georg Elsers Bombe detoniert erst, als Hitler schon fort ist. Elsers
Versuch, in die Schweiz zu fliehen, scheitert an einem Grenzübergang.
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11.
November 1939
Erich Kordt will sich mit Hitler in der Reichskanzlei in die Luft
sprengen, aber als Folge des missglückten Elser-Attentats sind die
Sicherheitsvorkehrungen so verschärft worden, dass Oster keinen
Sprengstoff beschaffen kann.
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27.
November 1939
Halder 'knickt endgültig ein' und gibt Gen. Thomas zu verstehen, dass
er keinen weiteren Versuch unternehmen wird, Hitler gefangen zu setzen.
Brauchitsch ist völlig 'butterweich' geworden: er selbst will nichts
mehr unternehmen, nachdem ihn Hitler am 5. November zusammengestaucht
hat ("ich werden den Geist von Zossen brechen" – womit
Hitler den aus seiner Sicht zögerlichen Einfluss des Generalstabs
schlechthin meint, aber woraus Brauchitsch und Halder zunächst falsch
geschlossen hatten, die Gestapo habe bereits alles aufgedeckt) und
sichert nur gnädig zu, dass er gegen Aktivitäten 'von unten' nichts
unternehmen wird.
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27.
Juli 1940, Paris
An diesem Tag soll eine Parade der Wehrmacht auf den Champs-Elysées
(Paris) stattfinden. Fritz Dietloff Graf Schulenburg (Stellvertretender
Oberpräsident von Schlesien und Reserveoffizier des IR9) und Eugen
Gerstenmaier planen, Hitler beim Vorbeifahren zu Erschießen.
Hitler besucht aber Paris am Morgen des 23. Juli 1940 quasi inkognito
zwischen 6 und 9 Uhr morgens. Die für den 27. Juli 1940 angesetzte
Parade wird später abgesetzt.
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21
Mai 1941
Für diesen Tag hat GFM Erwin von Witzleben (bald Oberbefehlshaber West)
es geschafft, mit Hitler zu einem 'Führerbesuch' in Paris zu bewegen.
Sein Ziel: die verpasste Gelegenheit vom Juli 1940 nachzuholen. Hitler
sagt schließlich unerwartet kurzfristig seinen Besuch ab
(wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Balkanfeldzug).
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1942
Tresckow versucht seinen neuen Chef GFM von Kluge für den Umsturz zu
gewinnen. Kluge ("der kluge Hans") will nicht auf der falschen
Seite stehen, falls es schief geht und sendet gemischte Signale aus.
Die Strategie der Verschwörer in diesem Jahr beschränkt sich auf die
(ergebnislosen) Versuche, die Spitzen der Generalität für einen Putsch
einzuspannen. Vielleicht fehlen auch die Gelegenheiten , verlässlich
und planbar an Hitler physisch heranzukommen (ein Problem, daß
letztlich erst mit der Versetzung Stauffenbergs in den Stab des
Ersatzheeres gelöst werden wird – also im Juni 1944!).
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1942
Sowjetische Flugzeuge beschießen Hitlers "Focke-Wulf 200"
bei einem Frontbesuch; einige Kugeln durchschlagen die Tragflächen; der
Diktator entkommt jedoch unversehrt.
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13.
März 1943
Im Stab von General von Weichs in Walki bei Poltawa wollen General Lanz,
Generalmajor Speidel und Oberst Graf Strachwitz (Kdr des Pzrgts
"Großdeutschland") einen angekündigten 'Führerbesuch'
nutzen, um Hitler gefangenzunehmen und zu erschießen. Hitler ändert
seine Pläne im letzten Moment und fährt nach Saparoshje auf
Truppenbesuch. Der "Plan Lanz" scheitert:
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13.
März 1943
Besuch Hitlers im Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte in Smolensk.
Tresckow hat sich einen 3-stufigen Plan ausgedacht:
a) unter Leitung von Major Georg von Boeselager (den er im Jahr
1942 – erinnern wir uns an Mommsens zutreffendes Wort von Tresckows
"Personalpolitik" – zur HGM geholt hat) sollen Teile des
"Reiterregiments Mitte" Hitlers Eskorte in einem Wäldchen auf
dem Weg vom Flughafen zum Hauptquartier der HGM abfangen und
liquidieren.
(Hitler allerdings hat eine gut bewaffnete SS-Eskorte kommen lassen. Der
Hinterhalt wird angesichts dieser Eskorte verworfen).
b) beim Mittagessen wollen Tresckow, Boeselager und andere auf
ein Zeichen aufstehen und mit Pistolen auf Hitler feuern. Kluge bekommt
Wind von dem Plan und die Offiziere seines Stabes gehorchen seinem
Verbot, so etwas "nicht in seinem Verantwortungsbereich" zu
tun.
c) Als letztes Mittel gibt Tesckow einem Begleitoffizier eine als
verpackter Likör getarnte Zeitbombe mit, die auf dem Rückflug über
Polen in Hitlers Condor explodieren soll. Der Plan nimmt sich aus wie
der perfekte Anschlag: keiner würde die Ursache erfahren, man könnte
es auf russische Jagdflieger schieben. Die Aktentasche mit der Bombe
wird durch einen Zufall in das unterkühlte Gepäckfach gelegt, wo der Zünder
zwar anschlägt, aber keine Detonation verursacht. Auch später geht die
Bombe nicht hoch. Schlabrendorff fliegt sofort nach Deutschland, um das
Corpus Delicti unerkannt wieder an sich zu bringen.
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21.
März 1943
Angesetzt ist eine Beutewaffenvorführung der Heeresgruppe Mitte im
Berliner Zeughaus für Hitler. Der Ic der HGM, Gersdorff, hat sich dazu
abkommandieren lassen, um in Hitlers nächster Nähe eine Bombe in
seiner Jackentasche zu zünden. Auf seinen früheren Chef GFM Bock und
dessen Adjutanten Hardenberg, die auch anwesend sind, will er dabei
keine falsche Rücksicht nehmen. Hitler beweist wieder einmal seinen ´siebten
Sinn´ und verlässt die Ausstellung vorzeitig durch einen Nebenausgang,
bevor der Zeitzünder anschlagen kann. Gersdorff gelingt es gerade noch,
die Bombe auf der Toilette zu entschärfen, bevor sie nur ihn allein in
Stücke reißt.
An diesem Attentat ist erwähnenswert, dass es der erste
Selbstmordattentatsversuch ist – auch das Attentat von Elser fällt
nicht in diese Kategorie, aber das an anderer Stelle näher. "Aus
Opportunismus stirbt man nicht" hat Ewald Heinrich von Kleist, der
sich ca. ein Jahr später für ein ähnliches Selbstmordattentat zur
Verfügung stellen wird, nach dem Krieg mal gesagt zu Leuten, die den späten
Zeitpunkt des 20. Juli mit eigennützigen Motiven in Verbindung zu
bringen suchen.
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16.
Dezember 1943
An diesem Tag soll Hitler bei einer Winteruniformenvorführung
erscheinen. Hauptmann Axel von dem Bussche (Bataillonskommandeur im IR
9) schafft es, sich als "Modell" einteilen zu lassen. Sein
Plan: zwei Handgranaten in der Tasche entsichern, sich auf Hitler stürzen
und ihn bis zur Detonation fest umklammert halten. In der Nacht vom 15.
auf den 16. Dezember verbrennt der Güterwaggon, in dem die Uniformen
gelagert sind, unter britischem Bombenhagel. Die Vorführung muss
abgesetzt werden.
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Jan.
1944
Stauffenberg versucht, Bussche noch mal von der Front
"auszuleihen", aber der Divisionskommandeur sperrt sich
diesmal dagegen. Kurz darauf wird Bussche an der Front schwer verwundet,
womit er als Attentäter ganz ausfällt.
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11.
Februar 1944
Ewald Heinricht von Kleist (ebenfalls IR9) soll Bussches Stelle bei
einer neu angesetzten Uniformvorführung einnehmen (gleicher Plan).
Hitler sagt wieder kurz vorher ab. (Die Uniformvorführung wird erst am
7. Juli 1944 (s.u.) stattfinden, wo Generalmajor Stieff (sich)
"versagt"). Kleist bekommt die Bombe gar nicht mehr in die
Hand, und betritt erst am 20. Juli 1944 im Bendlerblock wieder das
Geschehen.
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11.
März 1944
Hauptmann von Breitenbuch, Ordonnanzoffizier von GFM Busch (einem glühenden
Nazi übrigens) begleitet letzteren auf den Berghof. Ohne Wissen seines
Feldmarschalls trägt er eine entsicherte (zweite) Pistole verborgen in
seiner Hose, mit der er Hitler als guter Schütze aus nächster Nähe in
den Kopf schießen will. Er rechnet damit, Hitler noch töten zu können,
bevor die SS-Leibwache ihn seinerseits töten wird. Nachdem die Generale
im Gänsemarsch einer nach dem anderen in den Empfangssaal eingetreten
sind, wird er mit der Weisung "Keine Ordonnanzoffiziere!" von
der SS-Leibwache zurückgehalten. Auch der Protest seines unwissenden
Feldmarschalls nutzt da nichts. Tresckow geht später davon aus, dass
die codierten Vorbesprechungen irgendwie abgehört wurden. Dennoch
fliegt Breitenbuch persönlich nicht auf.
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7.
Juli 1944
Generalmajor Stieff (Chef der Organisationsabt. im OKH, in der
Stauffenberg 1942 Dienst tat) soll vor Hitler eine neue Winteruniform
vorführen. Weil Stieff früher bereits volontiert hat Hitler
umzubringen, bringt Stauffenberg ihm am Vorabend eine Bombe mit. Diesmal
bekommt Stieff kalte Füße und weigert sich – vor der Hinrichtung
wird ihn das später allerdings nicht bewahren.
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11.
Juli 1944
Für diesen Tag wird Stauffenberg (inzwischen Stabschef des
Ersatzheeres) auf den Berghof zitiert. Er trägt in seiner Aktentasche
diesmal selbst die Zeitbombe mit, weil ihm klar geworden ist, dass er
der einzige ist unter den zum Attentat bereiten, die noch Zugang zu
Hitler haben. Bis hierhin ist verabredet, die Bombe nur dann zu zünden,
wenn auch Himmler und Göring ebenfalls mit in die Luft gesprengt werden
können. Als Himmler nicht da ist und die anderen Verschwörer aus
Berlin Stauffenberg mahnen, eine bessere Gelegenheit abzuwarten, stimmt
dieser zu, daß Himmler zu wichtig wäre (man will einen blutigen Bürgerkrieg
gegen die SS verhindern beim Umsturz). Stauffenberg kehrt unverrichteter
Dinge zurück.
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15.
Juli 1944
Stauffenberg sieht seine zweite Chance, diesmal in der
"Wolfsschanze" bei Rastenburg (Ostpreußen). Wieder ist
Himmler nicht dabei, was Stauffenberg codiert durchgibt. Beck (und
Wagner) insistieren darauf, wieder abzuwarten. Olbricht und sein
Stabschef und treuer Gehilfe Mertz von Quirnheim aber überzeugen
Stauffenberg, dann eben nur Hitler allein umzubringen. Als Stauffenberg
wieder an den Vortragsort kommt, erfährt er dass Stieff die Aktentasche
weggenommen hat (wahrscheinlich, um zu verhindern, dass jemand anderes
das tut, der davon nichts wissen soll). Stauffenberg kabelt sofort an
Olbricht, der in Berlin bereits "Walküre" (Mobilisierung des
Ersatzheeres) angeleiert hat. Nur im letzten Moment kann Quirnheim die
angelaufene Mobilisierung als "Übung" abbrechen. Das
Geheimnis von Walküre ist allerdings offenbart. Die Gestapo, die in
diesen Tagen schon Verhaftungen unter den zivilen Verschwörern durchführt
(am nächsten Tag wird Goerdelers Verhaftung versucht) ist gewarnt. Die
nächste Mobilisierung wird die letzte sein, es gibt keinen Spielraum
mehr für ´Proben´, soviel ist jetzt klar.
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16.Juli
1944
Die Verschwörer wägen 3 Varianten ab:
a) Waffenstillstand im Westen (Rommel könnte dazu allein die
Front im Westen "aufmachen" ohne auf Kluges Zustimmung zu
warten – das scheitert daran, dass Rommel einen Tag später bei einem
Tieffliegerangriff schwer verwundet wird)
b) Besetzung der gesamten Wolfsschanze (Major von Hoesslin), eine
Variante, die sich aus verschiedenen Gründen technisch nicht durchführen
lässt in jenen Tagen
c) Zentraler Umsturz (Walküre)
Stauffenberg setzt auf c)
Beck, Helldorff und Heinz warnen eindringlich vor Remer (Wachbataillon)
der den Aufstand am 20. Juli niederschlagen wird, Stauffenberg vernachlässigt
die Planung, ihn beim nächsten Walküre-Alarm rechtzeitig
auszuschalten.
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18.
Juli 1944
Auf dem "Berliner Parkett" wird bereits geplappert.
Stauffenberg wird in die Wolfsschanze beordert und beschließt, diesmal
auf alle Fälle zu bomben ("der Rubikon ist überschritten")
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20.
Juli 1944
Die Abläufe sind bekannt.
Nur noch ein Wort zur Erfolgswahrscheinlichkeit: Hätte Stauffenberg die
Ersatzbombe (die er immer mitführte) einfach neben die scharf gemachte
Bombe mit in die Aktentasche gelegt, wäre auch in der Baracke (man
hatte einen Bunker erwartet, wo die Druckwelle nicht entweichen kann)
die Detonation so stark gewesen, dass Hitler keine Chance gehabt hätte
(allerdings auch nicht die übrigen über 30 Mann, von denen so nur 4
umkamen).
Aber der durch seine Verletzung stark bewegungsbehinderte Stauffenberg
wird hektisch, als ihn der Feldwebel vom Dienst beim Scharfmachen der
ersten Bombe überrascht und versäumt diesen letzten Handgriff, der die
Geschichte verändert hätte...
Quellen:
-
"Preußische Profile" Sebastian Haffner / Wolfgang Venohr, Verlag
Ullstein GmbH 1986,
-
"Hitler" Joachim Fest, Verlag Ullstein GmbH & Co. Kg 1973,
-
"Staatsstreich. Der Lange Weg zum 20. Juli" Joachim Fest, Wolf
Jobs Siedler Verlag, Berlin, 1994,
-
"Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen
Hitler." Peter Hoffmann, München 1996 (überarbeitete Auflage),
-
"Widerstand gegen Hitler und das Attentat vom 20. Juli. Probleme des
Umsturzes" Peter Hoffmann, München 1993 (überarbeitete Auflage),
-
"Hitler's
Personel Security. Protecting the Führer 1921-1945" Peter
Hoffmann, Da Capo Press, Dezember 2000,
-
"Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945"
Richard Overy, Econ Ullstein List Verlag GmbH &Co. Kg, 2002,
-
"Der NS-Staat" Ian Kershaw, Rowohlt Verlag GmbH 1988,
-
"Deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert" Paul Sethe, Verlag
Heinrich Scheffler 1960.




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